Geld aus China, nein danke! Cargo Sous Terrain verzichtet auf Angebot von chinesischem Investor – wegen Vorbehalten aus der Politik

Die chinesische Firma Dagong hatte der Güter-U-Bahn Cargo Sous Terrain Geld zugesagt. Doch diese verzichtet nun.

Maja Briner
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Die Delegation von Cargo Sous Terrain traf 2018 die damalige Bundesrätin Doris Leuthard. Rechts neben ihr steht Jianzhong Guan von Dagong, links hinter ihr Peter Sutterlüti, Präsident von Cargo Sous Terrain.

Die Delegation von Cargo Sous Terrain traf 2018 die damalige Bundesrätin Doris Leuthard. Rechts neben ihr steht Jianzhong Guan von Dagong, links hinter ihr Peter Sutterlüti, Präsident von Cargo Sous Terrain.

Cargo Sous Terrain
(23.1.2018)

Für das Foto posierte er Anfang 2018 neben der damaligen Bundesrätin Doris Leuthard: Jianzhong Guan, Chef der chinesischen Firma Dagong. Er war Teil einer Delegation, die an jenem Tag die Erreichung eines wichtigen Etappenziels bekannt gab: Cargo Sous Terrain hatte für die Gütermetro Investitionen von 100 Millionen Franken zugesichert erhalten.

Ein Teil des Geldes sollte von der Dagong Investment Holding kommen – wie viel, wurde nie kommuniziert. Cargo Sous Terrain listete die Firma aber als einen von elf Hauptinvestoren auf und Guan reiste laut Medienberichten extra deswegen nach Bern. Vor den Medien sagte er damals:

«Das Projekt ist nicht nur revolutionär
für die Schweiz, sondern auch
für den Rest der Welt.»

Das Geld, so war es abgemacht, sollte fliessen, sobald das Gesetz für den unterirdischen Gütertransport in Kraft tritt. Recherchen von CH Media zeigen jedoch: Cargo Sous Terrain will das Geld nun doch nicht.

Patrik Aellig, Leiter Kommunikation, bestätigt auf Anfrage: «Cargo Sous Terrain hat entschieden, auf das versprochene Investment von Dagong zu verzichten.» Hintergrund des Entscheids sind die Vorbehalte aus der Politik gegenüber Investitionen aus China, wie Aellig durchblicken lässt. Er sagt es so: «Wir haben rund um den politischen Prozess viele Gespräche geführt und haben gemerkt, dass es Bedenken gegenüber Investitionen von Firmen aus gewissen Ländern gibt.»

Güter sollen rund um die Uhr unterirdisch transportiert werden.

Güter sollen rund um die Uhr unterirdisch transportiert werden.

Bild: Zvg / BLZ

Was ist Cargo Sous Terrain?

Künftig soll ein Teil der Waren unterirdisch durch die Schweiz transportiert werden: Das ist die Idee von Cargo Sous Terrain. Die Güter sollen rund um die Uhr mittels selbstfahrenden, elektrisch betriebenen Fahrzeugen durch die Tunnels befördert werden. Bereits 2031 soll die erste, rund 70 Kilometer lange Teilstrecke zwischen Niederbipp/Härkingen und Zürich in Betrieb gehen. Das gesamte Netz soll 2045 stehen und von St. Gallen bis Genf reichen. Dadurch könne man zwei von fünf Lastwagen von der Strasse wegbringen, verspricht Cargo Sous Terrain. Zu den Aktionären gehören unter anderen Coop, Migros und die Post, aber auch Banken und Transportfirmen. 

Wachsende Skepsis gegenüber chinesischen Investoren

Obwohl die Gütermetro privat finanziert werden soll, ist sie auf die Politik angewiesen: Diese muss die rechtlichen Grundlagen schaffen. Der Bundesrat dürfte die Botschaft zum Gesetz diesen Herbst verabschieden; das Parlament dürfte 2021 darüber entscheiden.

In der Politik hat die Skepsis gegenüber chinesischen Investoren zuletzt zugenommen. Im März überwies das Parlament eine Motion von CVP-Ständerat Beat Rieder an den Bundesrat, die als «Lex China» bekannt wurde: Der Bund soll eine Genehmigungsbehörde schaffen, die ausländische Investitionen prüft.

China wird in der Motion zwar nicht erwähnt; Auslöser waren aber vor allem Übernahmen durch chinesische Firmen wie beim Chemiekonzern Syngenta oder dem Airline-Caterer Gategroup. Besonders verbreitet sind die Vorbehalte bei Investitionen in die Infrastruktur – wie etwa eine Gütermetro.

Cargo Sous Terrain soll nicht in ausländische Hände geraten

Auch der Bundesrat möchte verhindern, dass Cargo Sous Terrain in ausländische Hände gerät. Er will im Gesetz festschreiben, dass über die gesamte Lebensdauer der Anlage hinweg eine Schweizer Mehrheit sichergestellt werden muss. Das Bundesamt für Verkehr sieht im Entscheid von Cargo Sous Terrain zu Dagong «einen Beitrag zur Umsetzung dieser Stossrichtung», wie ein Sprecher erklärt.

Cargo Sous Terrain hatte schon 2018 betont, dass die Mehrheit der 100 Millionen Franken aus der Schweiz stammt. Dagong war auch nie Aktionär, sondern hätte nur als Geldgeber fungiert. Für Schlagzeilen sorgte indes die Doppelrolle von Chef Guan: Er steht auch hinter der Ratingfirma Dagong Global Credit.

Projekt ist auch ohne Dagong auf Kurs

Auch ohne Geld aus China kann Cargo Sous Terrain wie geplant weitermachen: Die 100 Millionen, die für die Baubewilligungsphase der ersten Teilstrecke nötig sind, seien nach wie vor zugesichert, sagt Sprecher Aellig. Wie der Wegfall von Dagong kompensiert wird und welche Firmen wie viel investieren werden, kommuniziert Cargo Sous Terrain nicht.

Das geplante Netz von Cargo Sous Terrain.

Das geplante Netz von Cargo Sous Terrain.

CARGO SOUS TERRAIN

Bekannt gibt Aellig nur Eckwerte: Der grösste schweizerische Betrag für die Baubewilligungsphase kommt von der Mobiliar; Investitionen zugesagt haben unter anderen Coop und Migros, Post und Swisscom, Helvetia, Credit Suisse und die Zürcher Kantonalbank sowie das französische Unternehmen Meridiam. Schweizer Firmen kommen laut Aellig für über 60 Prozent der 100 Millionen Franken auf.

Für den Bau der ersten Teilstrecke von Niederbipp/Härkingen nach Zürich ist noch deutlich mehr Geld nötig: 2,9 Milliarden Franken. «Wir sind daran, die Finanzierung aufzusetzen», sagt Aellig. Er zeigt sich zuversichtlich: «Wir haben viel Knowhow an Bord. Die Finanzierung wird uns gelingen.»

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