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GELDWÄSCHEREI: Wie die Mafia im Tessin agiert

Ein Prozess, der in einer Woche in Bellinzona beginnt, ist in doppelter Hinsicht spannend. Einerseits geht es um die Präsenz der Mafia im Tessin; anderseits ist es ein Test für die Tauglichkeit des geltenden Gesetzes.

Schon die Vorgeschichte des Prozesses ist ungewöhnlich. Eigentlich wollte die Bundesanwaltschaft den Hauptangeklagten, der im Tessin im vorzeitigen Strafvollzug sitzt, im abgekürzten Verfahren verurteilen. Der 63-jährige Italiener und die Bundesanwaltschaft hatten sich auf eine Freiheitsstrafe von vier Jahren wegen Unterstützung einer kriminellen Organisation und wegen qualifizierter Geldwäscherei geeinigt. Doch das Bundesstrafgericht lehnte den Deal ab, weshalb es nun zum ordentlichen Verfahren kommt. Neben dem Hauptangeklagten müssen sich auch ein Tessiner Treuhänder und die Frau eines in Mailand in zweiter Instanz verurteilten Angehörigen der kalabrischen ’Ndrangheta vor den Richtern verantworten.

Die 46-seitige Anklageschrift beschreibt im Detail, wie das Trio beim Waschen von Geldern in Millionenhöhe vorging. Sie stammten aus dem Erlös des Drogenhandels des ’Ndrangheta-Clans Libri-De Stefano-Tegano aus Reggio Calabria. Im Zentrum steht ein Nummernkonto einer Filiale einer Auslandbank in Mendrisio. Über das Konto wurden unter anderem die Prämienzahlungen für zwei Lebensversicherungen abgewickelt. Der Rückkaufswert landete schliesslich in den Taschen eines Brüderpaars, das die Mailänder Zelle des ’Ndrangheta-Clans leitete.

Immobilie in Chiasso gekauft

Die zur Anklage gebrachte Geldwäscherei betrifft auch Banktransaktionen nach Dubai und den Bahamas sowie den Kauf einer Immobilie in Chiasso. Eine zentrale Rolle als Vertrauensmann und Bezugsperson der ’Ndrangheta spielte gemäss Bundesanwaltschaft der im Tessin wohnhafte Italiener. Er habe unter anderem dafür gesorgt, dass die mitangeklagte Frau durch eine Falschbescheinigung als wirtschaftlich Berechtigte am Tessiner Nummernkonto anerkannt worden sei. Hier wirkte auch der ebenfalls angeklagte 42-jährige Treuhänder mit, der sich zusammen mit der 47-jährigen Ehefrau des Mailänder Bosses neben qualifizierter Geldwäscherei auch wegen Urkundenfälschung verantworten muss.

Dem Hauptangeklagten und dem Treuhänder wirft die Bundesanwaltschaft schliesslich vor, durch falsche Angaben für einen der beiden Mailänder Brüder beim Tessiner Migrationsamt eine Aufenthaltsbewilligung B erschlichen zu haben. Der Italiener war am 17. Dezember 2014 verhaftet worden und sitzt inzwischen im vorzeitigen Strafvollzug. Tags zuvor hatte die Polizei in Mailand zu einem grossen Schlag gegen die ’Ndrangheta-Zelle ausgeholt und 59 Personen festgenommen. Der inzwischen in Zug wohnhafte Treuhänder ist im Tessin insofern kein Unbekannter, als er zwischen 2004 und 2008 für die FDP der Exekutive der Stadt Chiasso angehört hatte. Die Strafanträge wird die Bundesanwaltschaft erst an der Hauptverhandlung stellen. Der Prozess muss auch zeigen, wieweit der Straftatbestand der kriminellen Organisation für solche Fälle tauglich ist. Bundesanwalt Michael Lauber hatte verschiedentlich Zweifel geäussert. Im Falle der Frauenfelder ’Ndrangheta-Zelle hat die Bundesanwaltschaft die eigenen Verfahren nach der Auslieferung der Beschuldigten nach Italien sistiert. Zurzeit ist eine Vernehmlassung über eine Verschärfung des Strafrechts im Bereich der kriminellen Organisation im Gang.

Balz Bruppacher

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