GEMEINNÜTZIGKEIT: Stiftungs-Boom in der Zentralschweiz

In der Zentralschweiz werden derzeit immer mehr Stiftungen gegründet. Doch die Branche befindet sich im Wandel.

Sermîn Faki
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Die Schweiz als Land der Gründungen: In den letzten Jahren ist hier mehr als eine Stiftung jeden Tag gegründet worden. (Symbolbild / Neue LZ)

Die Schweiz als Land der Gründungen: In den letzten Jahren ist hier mehr als eine Stiftung jeden Tag gegründet worden. (Symbolbild / Neue LZ)

Seit langem schon erfreut sich die Schweiz grosser Beliebtheit als Heimat für gemeinnützige Stiftungen. In den letzten Jahren wurde im Durchschnitt mehr als eine Stiftung pro Tag gegründet – 13'909 waren es Ende letzten Jahres gemäss dem Stiftungsbericht des Centers for Philanthropy Studies (Ceps) an der Universität Basel.

Besonders gross ist die Zunahme an Stiftungen in der Zentralschweiz. Betrug das Wachstum 2013 gesamtschweizerisch 1,7 Prozent, so waren es in Nidwalden 2,6, in Zug 3,9, in Uri 4,2 und in Obwalden 4,6 Prozent. An der Spitze mit fast 5 Prozent lag der Kanton Schwyz. Abgeschlagen auf dem sechsten Rang landete Luzern mit 1,7 Prozent. Auch was die Stiftungsdichte angeht, kann die Zentralschweiz mit dem Rest des Landes mithalten: Pro 10 000 Einwohner gibt es in Zug knapp 22 Stiftungen, in Nid- und Obwalden rund 18. Das liegt über dem Schweizer Durchschnitt von 16.

Immer mehr Vermögende

Die Gründe für den Boom liegen für Fachleute klar auf der Hand. «Der Zuwachs in der Innerschweiz ist sicherlich auch so gross, weil es einen Nachholbedarf gibt», sagt Daniel Krähenbühl, Gründer des Innerschweizer Stiftungstags, der am kommenden 2. September in Luzern stattfinden wird. «Obwohl das durch den Katholizismus geprägte Bewusstsein für ein gesellschaftliches Engagement sehr gross ist, gab es in der Vergangenheit Zeiten mit relativ wenig Stiftungsgründungen.» Dem schliesst sich Ceps-Leiter Georg von Schnurbein an. Er sieht aber noch weitere Gründe für den Stiftungs-Boom. «Letztlich ist es so, dass in den vergangenen Jahren sehr viele Vermögende in die Zentralschweiz gezogen sind», sagt er. Diese würden eher stiften. Hinzu komme viel «freies Kapital». Wenn heute Vermögen an die nächste Generation übergeben werde, sei die häufig schon im Pensionsalter und gut abgesichert. Das heisst: Man kann mit dem Geld etwas für die Gemeinschaft tun. Und hier bieten sich laut von Schnurbein Stiftungen an: «Sie gelten als edelste Form der Philanthropie.»

Steuerersparnis spielt keine Rolle

Stiftungen werden oft auch als Steuer­sparvehikel bezeichnet – denn gemeinnützige Stiftungen sind steuerbefreit (siehe Kasten). Anstatt dem Staat das Geld zu geben, setzt man sich lieber ein Denkmal mit einer Stiftung, lautet der Vorwurf. Gemäss von Schnurbein trifft er jedoch nicht zu: «Steuererleichterungen spielen vor allem bei Unternehmensstiftungen eine Rolle», sagt er. «Für private Stiften sind sie hingegen kaum ausschlaggebend.»

Mehr Professionalität nötig

Doch die Stiftungsbranche befindet sich im Umbruch. «In den nächsten Jahren wird das Wachstum noch weitergehen, aber nicht mehr in diesem Ausmass», so von Schnurbein. Man könne bereits eine Konsolidierung beobachten. «Immer mehr kleine Stiftungen fusionieren.» Ausserdem steigen die Anforderungen an Stiftungen, etwa durch staatliche Regulierung, um Geldwäscherei zu verhindern. «Wird dies wie geplant umgesetzt, müssen Stiftungen die Herkunft ihrer Spenden besser kontrollieren», sagt Roman Baumann Lorant, stellvertretender Geschäftsführer vom Pro Fonds, dem Dachverband gemeinnütziger Stiftungen der Schweiz. «Das ist mit einigem Aufwand verbunden.»

Auch die Gesellschaft stelle heute höhere Ansprüche, wie Krähenbühl hinzufügt. «Transparenz ist das Wort der Stunde. Stiftungen sind heute aufgefordert, ihre Steuerbefreiung zu rechtfertigen und ihre Wirkung zu beweisen. Damit steigen auch die Anforderungen an die Professionalität.» Darum auch hat er den Innerschweizer Stiftungstag ins Leben gerufen. «Die Stiftungen in der Zentralschweiz sind zu wenig sichtbar und vernetzt. Ihnen fehlt eine Plattform.»