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GENTESTS: Umstrittener Blick ins Erbgut

Der Nationalrat gewichtet den Schutz der Privatsphäre höher als die Interessen der Versicherer: Diese erhalten keinen zusätzlichen Zugriff auf die Gentests ihrer Kunden.
Jonas Schmid, Daniel Ballmer
Der Nationalrat verabschiedete neue Regeln für Gentests. (Bild: Getty)

Der Nationalrat verabschiedete neue Regeln für Gentests. (Bild: Getty)

Jonas Schmid, Daniel Ballmer

Wem gehört meine DNA? Je mehr Personen ihr Erbgut analysieren lassen, desto drängender stellt sich diese Frage. Sie ist auch eine Knacknuss in der laufenden Totalrevision des Gesetzes über die genetische Untersuchung beim Menschen (Gumg). So verlangte eine Mehrheit der vorberatenden Kommission des Nationalrates, dass Versicherungen Zugang zu genetischen Daten ihrer Kunden erhalten sollen, wenn diese vorgängig einen Gentest gemacht haben – etwa beim Abschluss einer Lebens- oder ­Invaliditätsversicherung. Einen Test verlangen dürfen sie hingegen nicht.

Innenminister Alain Berset hingegen drängte darauf, dass diese Regelung nur für ausserordentlich hohe Versicherungsabschlüsse über 400 000 Franken gelten soll. Gestern folgte ihm die grosse Kammer und versenkte den Antrag mit 117 zu 43 Stimmen. Die Linke sowie Patientenorganisationen hatten im Vorfeld vor einem «Dammbruch» gewarnt. So befürchtete etwa der Berner SP-Nationalrat Matthias Aebischer in der Ratsdebatte «eine Zweiklassengesellschaft, in der Personen in einen ‹guten› und einen ‹schlechten› Genpool eingeteilt werden». Weder im Arbeitsrecht noch beim Abschluss von Versicherungen sollten gentechnische Daten verwendet werden können.

Tests zeigen eine Wahrscheinlichkeit

Auch die Grünen-Fraktion sprach sich gegen diesen Antrag aus: «Das ist ein Eingriff in die Privatsphäre jedes Einzelnen», sagte Maya Graf (Grüne, BL), und «der erste Schritt zum gläsernen Menschen». Tests würden eine Wahrscheinlichkeit zeigen – «nicht, ob eine Krankheit tatsächlich ausbricht». Deshalb müsse auch bei einer Lebensversicherung sichergestellt werden, dass niemand diskriminiert würde.

Der Basler Liberale Christoph Eymann wiederum gab freimütig zu, dass in seiner FDP-Fraktion hinsichtlich des Einsichtsrechts der Versicherer keine Einigkeit herrsche. «Der Interessenskonflikt zwischen Datenschutz und Interessen der Versicherer ist offenkundig», sagte er. Für eine Information der Versicherer setzte sich die Thurgauer SVP-Nationalrätin Eva Herzog ein. «Wer einen Gentest macht, hat die Pflicht, der Versicherung Erkenntnisse daraus mitzuteilen», sagte sie. Sie sprach von einer «Informationssymmetrie». Bei Sozialversicherungen, Krankentaggeldversicherungen und in der beruflichen Vorsorge sind Gentests ohnehin verboten. Im Arbeitsverhältnis dagegen sind genetische Untersuchungen unter Umständen erlaubt, etwa um Unfallrisiken oder das Risiko schwerer Berufskrankheiten auszuschliessen. Solche Untersuchungen werden in der Schweiz bislang aber noch nicht durchgeführt.

Mensch wird auf Genom reduziert

Die ersten Firmen, die in der Vergangenheit Gentests verlangten, waren Versicherungsgesellschaften in den Vereinigten Staaten. Anfang der Achtzigerjahre gingen dann Konzerne wie Du Pont oder Dow Chemical dazu über, ihre Angestellten zu Bluttests anzuhalten, ohne diese zuvor über den Gebrauch der Daten zu informieren. So wollten sie vermeiden, dass Personen, die auf gewisse chemische Stoffe anfällig waren, mit diesen in Kontakt kommen. Personen mit einem positiven Befund wurden in eine andere Abteilung der Unternehmen transferiert. Einige Firmen gingen jedoch dazu über, den ­Angestellten nahezulegen, sich einen anderen Job zu suchen.

Werden Gentests grossflächig angewandt, besteht nach Ansicht von verschiedenen Experten die Gefahr, dass der Mensch ausschliesslich auf sein Genom reduziert wird, obschon etwa auch Umweltfaktoren einen grossen Einfluss auf die Entstehung von Krankheiten haben.

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