Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GESCHICHTE: Luganeser Politiker wollen Bundesbrief

Der Kanton Schwyz wacht über den Bundesbrief. Nun will ihn eine Allianz von Stadtparlamentariern ausleihen für eine temporäre Ausstellung im Kulturzentrum Lugano. Sie erhoffen sich Tausende Besucher.
Kari Kälin
Der Bundesbrief, aufgenommen im Bundesbriefmuseum in Schwyz. (Bild: Boris Bürgisser (16. Juli 2016))

Der Bundesbrief, aufgenommen im Bundesbriefmuseum in Schwyz. (Bild: Boris Bürgisser (16. Juli 2016))

Kari Kälin

Das Datum hat Symbolkraft. Am 1. August wird Tiziano Galeazzi, Chef der SVP-Fraktion im Stadtparlament von Lugano, einen Vorstoss einreichen mit dem Ziel, den Bundesbrief von 1291 für eine temporäre Ausstellung im Kulturzentrum LAC in Lugano auszuleihen. Galeazzi fordert den Stadtrat von Lugano dazu auf, zu diesem Zweck bei der Regierung des Kantons Schwyz, des Eigentümers des historisch bedeutenden Dokuments, vorstellig zu werden.

Der Bundesbrief, streng behütet in einer Glasvitrine, befindet sich seit 1936 im Bundesbriefmuseum in Schwyz. Er war bis jetzt nur ein einziges Mal im Ausland. Vom 10. bis 30. Juni 2006 konnte er im Museum für amerikanische Verfassungsgeschichte in Philadelphia im Rahmen des Projekts «Swiss Roots» (Schweizer Wurzeln) bestaunt werden. 31 000 Personen, darunter zahlreiche Auslandschweizer, besuchten die Ausstellung extra wegen des mythenumrankten Dokuments.

Einen Besucheransturm erhofft sich Galeazzi auch für das LAC Lugano. 25 Politiker von links bis rechts, mehr als ein Drittel des Parlaments, haben seinen Vorstoss mitunterzeichnet. Galeazzi verspricht sich vom Bundesbrief einen didaktischen Wert: «Eine Ausstellung lässt sich gut mit Staatskunde- und Geschichtsunterricht verbinden.»

Einmalige Konstellation in Philadelphia

Galeazzi versuchte bereits, den Bundesbrief für das Superjubiläumsjahr 2015 (700 Jahre Schlacht am Morgarten, 500 Jahre Schlacht in Marignano) nach Lugano zu holen. Der Stadtrat von Lugano fand die Idee zwar gut, klopfte aber gar nicht erst beim Kanton Schwyz an – wegen knapper Kasse. Galeazzi schlägt vor, die Ausleihe durch private Gönner zu finanzieren. Gratis zu haben ist das Pergament nicht, für Sicherheit und Versicherung fallen beträchtliche Kosten an.

Doch würde der Kanton Schwyz ein Ausleihegesuch überhaupt bewilligen? Zuständig dafür ist der Regierungsrat. «Wir würden das Anliegen sicher prüfen», sagt Kulturdirektor Michael Stähli (CVP). Grundsätzlich gehe die Regierung mit Begehrlichkeiten bezüglich des Bundesbriefes aber sehr zurückhaltend um.

Stählis Einschätzung kommt nicht von ungefähr. Im August 2006, nachdem der Bundesbrief unversehrt von seiner US-Reise heimgeführt worden war, erklärte der Regierungsrat, weitere Ausleihen des Dokuments seien nicht geplant. Die Regierung betrachte die Konstellation als einmalig. Zwei SVP-Kantonsräte hatten kritisiert, die Regierung könne sich künftig Absagen für die Ausleihe des Bundesbriefes gar nicht erlauben. Es gebe noch viele Länder, in denen Nachfahren von Schweizern lebten.

Die Angst um die Sicherheit animierte das SVP-Trio Peter Föhn, Pirmin Schwander und Christoph Mörgeli sogar, den Bundesbrief dem Kanton Schwyz für eine Million Franken abzukaufen, in eine Stiftung zu überführen und dafür zu sorgen, dass der Bundesbrief auf ewige Zeiten nicht ausser Landes gebracht werden darf. Die Schwyzer Regierung lehnte das Angebot ab. Gegen einen temporären Transfer des Bundesbriefes nach Lugano hätte Peter Föhn nichts einzuwenden. Wenn dieser auf Schweizer Territorium bleibe, sehe er kein Problem, sagt der Schwyzer Ständerat.

Die Ausleihe des Bundesbriefes wäre auch aus konservatorischer Sicht eine Herausforderung. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Beleuchtungsstärke im Bundesbriefmuseum sind immer konstant. Wird das Dokument aber ausgeliehen, wird es zwangsläufig anderen klimatischen Bedingungen ausgesetzt, und mit kleineren Erschütterungen ist bei einem Transport immer zu rechnen. Für Siegel und Pergament ist das nicht ideal. «Jede Ausleihe des Bundesbriefes kann dem Dokument Schaden zufügen», sagt der Schwyzer Staatsarchivar Valentin Kessler.

Koffer an Hand angekettet

Kessler, damals noch Museumsleiter, begleitete 2006 den damaligen Staatsarchivar und heutigen FDP-Regierungsrat Kaspar Michel bei dessen Reise in die USA. Michel kettete den Koffer mit dem Bundesbrief an die Hand, und am 8. Juni 2006 ging er mit dem Helikopter, begleitet von der Polizei, zum Flughafen Zürich. Nach der Landung in New York kümmerten die US-Behörden sich um die Sicherheit des Bundesbriefes und seiner Briefträger. Mit Blaulicht und Sirene eskortierte die Polizei die Fracht zu einem Privatflugplatz. Von dort ging es weiter ins Museum in Philadelphia. Dort wurde die Urkunde in einer schuss- und stosssicheren Vitrine ausgestellt. Den Kanton Schwyz kostete die Ausleihe des Bundesbriefes nichts.

Der Bundesbrief, streng behütet in einer Glasvitrine, befindet sich seit 1936 im Bundesbriefmuseum in Schwyz. (Bild: Boris Bürgisser / LZ (16. Juli 2016))

Der Bundesbrief, streng behütet in einer Glasvitrine, befindet sich seit 1936 im Bundesbriefmuseum in Schwyz. (Bild: Boris Bürgisser / LZ (16. Juli 2016))

Blick in das Bundesbriefmuseum in Schwyz. Im Bild: Vitrine mit dem Bundesbrief vor dem Wandgemälde von W. Clénin. (Bild: Boris Bürgisser / LZ (16. Juli 2016))

Blick in das Bundesbriefmuseum in Schwyz. Im Bild: Vitrine mit dem Bundesbrief vor dem Wandgemälde von W. Clénin. (Bild: Boris Bürgisser / LZ (16. Juli 2016))

Das Wandgemälde zeigt den Rütlischwur mit dem Bundesbrief. (Bild: Boris Bürgisser / LZ (16. Juli 2016))

Das Wandgemälde zeigt den Rütlischwur mit dem Bundesbrief. (Bild: Boris Bürgisser / LZ (16. Juli 2016))

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.