Dialog: Gesucht: Kampfkandidat mit Samtpfoten svp fdp caspar baader toni brunner hansjörg walther

Gesucht: Kampfkandidat mit Samtpfoten

Um der FDP den Sitz abzujagen, braucht die SVP eine bis in die Mitte wählbare und in Bern bekannte Persönlichkeit. Am Montag stellt sie die Weichen.

Drucken
Teilen
Gesucht: Kampfkandidat mit Samtpfoten

Gesucht: Kampfkandidat mit Samtpfoten

Beat Rechsteiner, Christof Forster

Am Montag wird die SVP die Weichen für die Bundesratswahlen vom 22. September stellen. Doch bereits jetzt hat sich in weiten Teilen der Fraktion eine Taktik durchgesetzt – und bei dieser nimmt die grösste Partei ausgerechnet ihren politischen Partner in den Schwitzkasten:

Wenn die Freisinnigen die SVP beim geplanten Angriff auf die SP nicht unterstützen, wird die SVP auch bei der Nachfolge von Hans-Rudolf Merz antreten (Ausgabe vom Freitag). Auf Anfrage hat gestern auch Parteipräsident Toni Brunner seine Sympathien für dieses Vorgehen bekundet.

Bereits wird über mögliche Kandidaten spekuliert. Gegenüber «10vor10» hat Nationalrat Felix Müri Bauern-Präsident Hansjörg Walter ins Spiel gebracht. Müris Rechnung ist klar: Wenn die SVP eine Chance haben will, muss sie einen Kandidaten bringen, der auch in den anderen Parteien Unterstützung finden könnte.

Hansjörg Walther sagt ab

Ein konkordanzfähiger bekannter Politiker, der zwar hartnäckig die Positionen der SVP vertritt, aber kein Hardliner ist. Der also auf Samtpfoten daherkommt. Mit Vorteil wäre dieser Kandidat als Merz-Nachfolger zudem Ostschweizer.

All das vereint der Thurgauer Hansjörg Walter. Dass dieser im Parlament gut abgestützt ist, zeigte sich im Dezember 2008. Damals wurde Ueli Maurer wohl nur deshalb Bundesrat, weil Walter vor der Bundesversammlung schweren Herzens erklärte, er würde eine Wahl ablehnen.

Er hatte mit 121 Stimmen das absolute Mehr nur um eine einzige Stimme verpasst. Maurer wurde schliesslich im dritten Wahlgang mit 122 Stimmen gewählt.

Doch jetzt steht Walter für eine Kandidatur nicht zur Verfügung, wie er gestern auf Anfrage sagte. Für ihn stehe das Präsidium des Nationalrats im Vordergrund, das er 2012 übernimmt. Walter lässt aber eine Hintertür offen: Das Nein gelte «aus heutiger Sicht». Deshalb ist gut möglich, dass er sich umstimmen lässt, falls ihn die Fraktion ernsthaft um eine Kandidatur bittet.

Favorit Caspar Baader

Neben Walter werden in der SVP auch andere Namen genannt. Jener etwa des Schaffhauser Ständerats Hannes Germann. Er schliesst eine Kandidatur nicht aus: «Wenn die Fraktion das so wünschen würde, kann man sicher über alles reden.»

Immer wieder genannt wird auch der Ausserrhoder Finanzdirektor Köbi Frei. Der 51-Jährige ist zwar in Bern ein weitgehend unbeschriebenes Blatt, doch in der Parteileitung der SVP Schweiz geniesst er hohes Ansehen.

Gegen gemässigte Kandidaten wie Germann oder Walter gibt es in der Fraktion allerdings auch kritische Stimmen. Der Glarner Ständerat This Jenny sieht ihn «nicht an erster Stelle» innerhalb der Fraktion.

Er nennt zwei andere mögliche Kandidaten: Nationalrat Pirmin Schwander und Fraktionschef Caspar Baader. Letzterer ist auch der Favorit von Toni Brunner.