GESUNDHEIT: Ärztechef droht mit Ja zur Einheitskasse

FMH-Präsident Jürg Schlup stellt in Aussicht, dass die Ärzte die SP-Initiative unterstützen.

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FMH-Präsident Jürg Schlup in seiner ehemaligen Praxis im bernischen Zollikofen. (Bild: Keystone/Nadine Andrey)

FMH-Präsident Jürg Schlup in seiner ehemaligen Praxis im bernischen Zollikofen. (Bild: Keystone/Nadine Andrey)

fak. Jürg Schlup, der höchste Schweizer Arzt, erhöht den Druck in der Gesundheitspolitik: Wenn das Parlament nicht den Risikoausgleich verbessere und die Krankenkassen einer wirksamen Aufsicht unterstelle, werde die SP-Initiative für eine Einheitskasse «bei den Ärzten auf grosse Sympathie stossen», sagt er im Interview.

Bundesrat Alain Berset will demnächst seinen Gegenvorschlag zur Einheitskasse präsentieren. Schlup, der seit Dezember den Ärzteverband FMH präsidiert, fordert, dass das Gesetz so ausgestaltet werden müsse, dass es sich für eine Kasse lohnt, einen Diabetiker zu versichern. Sonst könne er nicht ausschliessen, dass sich die Ärzte für die Initiative aussprechen würden. Die FMH werden allenfalls auch eine Urabstimmung unter ihren 36'000 Mitgliedern prüfen, so Schlup. Welchen Einfluss die Ärzte auf Abstimmungsergebnisse haben, konnte man zuletzt bei der Managed-Care-Vorlage beobachten, die vom Volk mit Unterstützung der Mediziner deutlich bachabgeschickt wurde. Die bundesrätliche Gesundheitsstrategie, die Berset in dieser Woche vorgestellt hatte, unterstützt Schlup in grossen Teilen. Dem Versprechen, durch Effizienzsteigerungen 20 Prozent einzusparen, traut er allerdings nicht. Damit sei höchstens eine Dämpfung des Kostenanstiegs machbar.

Prämienzahler soll investieren

Auch Bersets Vorschlägen für die Stärkung der Hausarztmedizin erteilt Schlup eine Absage: «Eine Umverteilung wird es mit uns nicht geben.»Berset verlangt von den Tarifpartnern, kostenneutral aufzuzeigen, wie man den Hausärzten 200 Millionen Franken zusätzlich zukommen lassen kann. Gespart werden müsste bei den Spezialisten. Für Schlup eine «leere Forderung». Die Investition in die Hausarztmedizin müssten Prämienzahler oder Staat tätigen. «Für den Prämienzahler würde das etwa ein Prämienprozent Aufschlag bedeuten – ich finde das verkraftbar», meint er. Aber auch die Kantone und die Wirtschaft hätten einen Nutzen durch eine bessere medizinische Grundversorgung. Schlup plädiert daher dafür, die Kosten des Gesundheitswesens in Bezug zum volkswirtschaftlichen Nutzen zu setzen.

Hier lesen Sie das ausführliche Interview mit FMH-Präsident Jürg Schlup.