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GESUNDHEIT: Hanf-Boom fordert Kantone

Das legale Gras ist begehrt. Dabei landen auch Produkte in den Regalen, die nicht verkauft werden dürften. Die Kontrolle sei schwierig, weil dauernd neue Produkte auftauchten, sagt der Luzerner Kantonschemiker.
Maja Briner
Viele Anbieter versuchen, mit legalen Cannabisprodukten gutes Geld zu machen. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Viele Anbieter versuchen, mit legalen Cannabisprodukten gutes Geld zu machen. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Maja Briner

Das Angebot wächst rasch: Es gibt Zigaretten mit Hanf, aber auch Nahrungsergänzungsmittel, Salben und viele weitere Produkte. Sie enthalten wenig des berauschenden THC, dafür oft viel Cannabidiol (CBD). So ist der Hanf legal – doch die Produkte im Laden sind es nicht unbedingt: Damit sie verkauft werden dürfen, müssen sie weitere Anforderungen erfüllen. Lebensmittel mit erhöhtem CBD-Gehalt zum Beispiel müssen vom Bund zugelassen werden. Nicht alle Anbieter aber halten sich an die Vorgaben, wie Anfragen bei Kantonschemiker zeigen .

«Gegenwärtig ist es ein ­Modeprodukt», sagt Klaus Luczynski, stellvertretender Kantonschemiker in St. Gallen. «Viele versuchen damit schnelles Geld zu machen.» Für die kantonalen Vollzugsbehörden sei das eine Herausforderung: Neue ­Akteure drängen auf den Markt, die laut Luczynski teilweise die gesetzlichen Vorgaben für solche Produkte nicht kennen.

«Täglich neue Produkte»

Auch der Luzerner Kantons­chemiker Silvio Arpagaus stellt einen Hype bei CBD-haltigen Produkten fest. Diese würden im Rahmen der normalen Aufgaben der Dienststelle kontrolliert, sagt er. Ganz einfach ist die Kontrolle der CBD-haltigen Waren allerdings nicht. Die Produktepalette ist breit – von Hanfblüten über Kaugummis bis hin zu Liquids für E-Zigaretten; und je nachdem gelten andere Bestimmungen. «Erschwerend ist, dass die Waren vielfach in kleinen Mengen via Internet importiert werden und dass täglich neue Produkte auftauchen», so Arpagaus.

Die festgestellten Mängel betreffen laut Arpagaus häufig die Kennzeichnung oder die Anpreisung der Produkte. Zudem kommt es vor, dass Produkte gar nicht verkehrsfähig sind – sie also gar nicht verkauft werden dürften. Auch im Kanton Zürich wurden deswegen Produkte vom Markt genommen. Es seien aber Einzelfälle gewesen, heisst es.

Angefacht wird der Hanf-Boom durch den Wirkstoff CBD. Dieser soll unter anderem entspannen, Entzündungen und Schmerzen lindern. Laut Bundesamt für Gesundheit ist die medizinische Wirkung von CBD erst ungenügend erforscht. Dennoch setzen offenbar viele ihre Hoffnungen darauf. Nur: Eine kürzlich veröffentlichte US-Studie zeigte, dass häufig falsche Angaben zum CBD-Gehalt gemacht werden. Über 40 Prozent der ­getesteten Produkte enthielten mehr CBD als angegeben, 26 Prozent weniger. Geprüft wurden nur in den USA gekaufte Pro­dukte – auf die Schweiz lassen sich die Ergebnisse nicht übertragen. Ein Test von «Kassensturz» kam im Frühling allerdings zu einem ähnlichen Schluss: Bei mehreren geprüften Hanfprodukten stimmte zwar der THC-Gehalt, die Angaben zu CBD aber waren teils deutlich zu hoch.

Bisher wurde der Gehalt in der Schweiz nur punktuell überprüft. Nun wollen aber mehrere Kantone durchgreifen. Das zuständige St. Galler Amt bereitet derzeit zusammen mit anderen Ostschweizer Kantonen eine gemeinsame Kontrolloffensive vor, bei welcher der CBD- und der THC-Gehalt von Hanfprodukten überprüft werden soll. Mit dabei sind die Kantone Thurgau, Schaffhausen und die beiden ­Appenzell. «Wir wollen prüfen, ob die Vorgaben eingehalten werden», sagt Klaus Luczynski. ­Momentan sei unklar, ob die Selbstkontrolle bei den Betrieben funktioniere. «Wir wissen nicht, ob die Firmen den THC-Gehalt kontrollieren und ob sie die Vorgaben einhalten», sagt er. Es könne sein, dass bei der Zulassung des Produkts alles in Ordnung sei, zu einem späteren Zeitpunkt aber zu viel THC vorhanden sei, weil neue Hanfpflanzen verwendet werden. «Das muss nicht mal in böser Absicht geschehen.»

Für Konsumenten kann es ­ärgerlich sein, wenn der CBD-Gehalt tiefer oder höher ausfällt als angegeben. Problematisch ist jedoch vor allem ein zu hoher ­Anteil des berauschenden THC – zum Beispiel im Verkehr. Wer zu viel THC im Blut hat, dem drohen der Entzug des Führerscheins und eine Busse. Der Bund rät ­daher grundsätzlich vom Fahren unter dem Einfluss von CBD-Produkten ab, da der Grenzwert für THC schnell überschritten werden könne.

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