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GESUNDHEIT: Krankenkassen: Kosten für die Grundversicherung steigen weniger stark

Die Krankenkassenprämien klettern seit Jahren immer weiter in die Höhe. Umso erstaunlicher ist: Im laufenden Jahr hat sich das Kostenwachstum in der Grundversicherung deutlich verlangsamt.
Maja Briner, Tobias Gafafer
Die Kosten steigen zwar weiter, aber weniger steil. Im Bild das Kantonsspital St. Gallen. (Bild: Jil Lohse)

Die Kosten steigen zwar weiter, aber weniger steil. Im Bild das Kantonsspital St. Gallen. (Bild: Jil Lohse)

Maja Briner, Tobias Gafafer

Jedes Jahr ist es das Gleiche: Die Gesundheitskosten steigen – und mit ihnen die Krankenkassenprämien. Die neusten Zahlen sind daher eine Überraschung: Die Kosten in der Grundversicherung wachsen zwar auch im laufenden Jahr, der Anstieg ist aber deutlich schwächer als bisher. Das zeigt ein Monitoring des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). In der obligatorischen Versicherung beliefen sich die Kosten pro Person in den ersten drei Quartalen 2017 auf rund 2850 Franken. Das ist 1,4 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Zum Vergleich: 2016 hatten sich die Kosten im gleichen Zeitraum um 3,1 Prozent erhöht.

Selbst Akteure im Gesundheitswesen sind erstaunt über den geringen Anstieg in den vergangenen Monaten. «Wir gingen davon aus, dass das Kostenwachstum insgesamt ähnlich hoch ausfällt wie im Vorjahr», sagt Bernhard Wegmüller, Direktor des Spitalverbands H+. Auch die Kassen erwarteten ursprünglich ein höheres Wachstum. Verena Nold, Direktorin des Krankenkassenverbands Santésuisse, sagt, im ersten Quartal 2017 sei der Kostenanstieg noch hoch gewesen. «Danach war ein markanter Rückgang zu verzeichnen.»

«Der Tarifdruck ist spürbar»

Auffällig ist die Entwicklung im stationären Spitalbereich: Die Kosten sanken um mehr als drei Prozent. Eine Ursache ist die Erhöhung des kantonalen Finanzierungsanteils, wie BAG, H+ und Santésuisse unisono erklären. Seit Anfang Jahr müssen alle Kantone mindestens 55 Prozent der Kosten tragen. Das entlastet die Krankenkassen. Auch der Kostendruck könnte zum Rückgang beigetragen haben, vermutet Bernhard Wegmüller vom Spitalverband. «Der Tarifdruck in den Spitälern ist spürbar», sagt er. Die Preise für Fallpauschalen seien stabil bis rückläufig, zudem stiegen die Fallzahlen nur leicht – auch weil mehr ambulant behandelt werde.

Das tiefere Kostenwachstum betrifft jedoch nicht nur die Spitäler. Klammert man den stationären Spitalbereich aus, stiegen die Kosten in den ersten neun Monaten um 2,7 Prozent. Das ist deutlich weniger als in der ­Vorjahresperiode (4,5 Prozent). Die Ursachen für das geringere Wachstum liegen jedoch weit­gehend im Dunkeln. Beim BAG heisst es, man kenne keine spezifischen Gründe dafür.

Eine grosse Krankenkasse, die ebenfalls eine tiefere Kostenentwicklung als im Vorjahr beobachtet, sieht eine Änderung bei den Behandlungen: Die CSS stellte im ersten Halbjahr einen Rückgang der orthopädischen Operationen fest. «Vielleicht überdenken die Versicherten angesichts der stetig steigenden Prämien die Notwendigkeit eines solchen Eingriffs», mutmasst die CSS. Es sei aber unklar, ob das eine nachhaltige Entwicklung sei – oder ob sich die Eingriffe lediglich auf die zweite Jahreshälfte verlagerten.

Prämienzahler gucken vorerst in die Röhre

Santésuisse mahnt, die Zahlen dürften nicht überbewertet werden. Verzögerungen bei den Abrechnungen könnten die Quartalsdaten verzerren. «Entscheidend wird die Auswertung der Jahresdaten 2017 sein», sagt Nold. Ähnlich äussert sich die Ärztevereinigung FMH: Die Zahlen für die ersten drei Quartale seien noch nicht vollständig. Auch Wegmüller von H+ sagt, es sei noch zu früh, um von einer Trendwende zu sprechen. In seinen Augen haben die Krankenkassen aber ein zu negatives Bild propagiert: «Die Schwarzmalerei der Versicherer trifft nicht zu.»

Die Kassen müssen die Kosten jeweils im Voraus abschätzen, um die Prämien zu berechnen. Diese müssen vom BAG genehmigt werden. Gewinne dürfen die Kassen in der obligatorischen Krankenversicherung nicht machen: Sind die Kosten tiefer als erwartet, werden Reserven aufgebaut. Im Jahr darauf müssten die Prämien dann eigentlich weniger stark steigen als die Kosten. Allerdings spielen auch weitere Faktoren eine Rolle, etwa die Höhe der Reserven. Kommt hinzu: Für die nächsten Jahre erwartet die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, dass die Gesundheitskosten insgesamt jährlich um rund 4 Prozent anwachsen. Besonders stark dürften die Kosten für die ambulanten Behandlungen steigen – und diese werden ausschliesslich von den Prämien­zahlern finanziert.

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