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GESUNDHEIT: Volle Arztpraxen in den Städten

Wo viele Ärzte praktizieren, werden auch viele medizinische Leistungen verordnet. Dies trägt zu den kantonal sehr unterschiedlich hohen Gesundheitskosten bei.
Eveline Rutz
Das Angebot kurbelt die Nachfrage an. Wo mehr Ärzte arbeiten, steigen die Gesundheitskosten. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Das Angebot kurbelt die Nachfrage an. Wo mehr Ärzte arbeiten, steigen die Gesundheitskosten. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Es sind nicht die hohen Preise, welche die Ausgaben im Gesundheitswesen kontinuierlich ansteigen lassen. Kostentreiber ist in erster Linie die Menge der erbrachten medizinischen Leistungen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, welche die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften im Auftrag der Santésuisse erstellt hat. Von 2004 bis 2010 sind die Gesundheitskosten schweizweit um satte 35,6 Prozent gestiegen. Dabei zeigen sich aber deutliche kantonale Unterschiede: Wo das medizinische Angebot hoch ist, steigt die Nachfrage.

Soziales Netzwerk federt ab

In urbanen Kantonen wie Genf oder Basel-Stadt, in denen zahlreiche Spezialärzte praktizieren und die ambulante Betreuung der Spitäler stark ausgebaut ist, fallen am meisten Konsultationen, Behandlungen und Therapien an. Dazu trägt auch der hohe Anteil an Betagten, Frauen sowie Erwerbslosen bei. In ländlich geprägten Ständen wie Uri, Luzern, Obwalden, Nidwalden, Schwyz oder St. Gallen suchen die Bewohner hingegen am seltensten medizinischen Rat. «Sie haben in der Regel ein besseres soziales Netzwerk», sagt Gesundheitspolitikerin Verena Diener (GLP, Zürich). Städter besuchten häufig mehrere Ärzte gleichzeitig.

«Die Patienten können oft nicht einschätzen, ob eine Leistung nötig ist oder nicht», sagt Margrit Kessler, Präsidentin der Schweizerischen Stiftung SPO Patientenschutz. Deshalb liessen sie sich tendenziell zu stark und zu teuer behandeln, was mit einem gewissen Risiko verbunden sei. Kessler schildet den Fall einer 40-jährigen Frau, welche wegen diffuser Schmerzen mit einem Herzkatheter untersucht wurde. Dabei wurden ein Gefäss und ein Nerv verletzt, aber nichts gefunden. «Da wurde eindeutig zu viel gemacht.»

Zurückhaltung belohnen

«Es besteht die Tendenz zu einer Überversorgung», stellt auch Ständerat Alex Kuprecht (SVP, Schwyz) fest. Um Gegensteuer zu geben, schlägt er vor, über ein Bonus-Malus-System bei den Krankenkassenprämien nachzudenken. Versicherte, die nicht wegen jeder Bagatelle eine Arztpraxis aufsuchen, sollen damit belohnt werden. «Wir müssen beim Verhalten der Leute ansetzen», sagt auch Carlo Conti, Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK). Um die Menge der erbrachten Leistungen zu reduzieren, müsse man in die Prävention investieren. «Diese soll sich beispielsweise an Migranten richten, die schnell einmal eine Notfallstation statt einen Hausarzt aufsuchen.»

Conti fühlt sich von den Studienergebnissen bestätigt. «Wir haben kein Preis-, sondern ein Mengenproblem.» Dass Einschränkungen auf der Leistungsseite politisch nicht mehrheitsfähig seien, habe das Nein zur Managed-Care-Vorlage gezeigt. Nun brauche es unter anderem Steuerungsinstrumente für den Bereich der Spezialärzte.

Spitäler im Vergleich

Deutliche kantonale Unterschiede zeigen sich auch in der Spitallandschaft. Bern, Graubünden, Freiburg und Neuenburg waren im untersuchten Zeitraum am wenigsten produktiv. Zürich schnitt um 20 Prozent besser ab, obwohl dieser Kanton ein höheres Lohnniveau hat. Verena Diener, die als Zürcher Gesundheitsdirektorin 13 Institutionen geschlossen hatte und entsprechend angefeindet worden war, überrascht dies nicht weiter. «Viele Kantone haben ihre Hausaufgaben einfach noch nicht gemacht.»

Die Studie belegt des Weiteren, dass die ambulanten Spitalleistungen deutlich zugenommen haben. Sie ersetzen allerdings keine stationären Leistungen, sagte Studienautor Reto Schleiniger gestern vor den Medien. «Diese Zunahme scheint ein eigenständiges Phänomen zu sein.» Es gelte genau zu analysieren, welche Untersuche und Behandlungen tatsächlich nötig seien und welche nicht, sagte Santésuisse-Direktor Christoph Meier. «Jede Intervention, die nicht nötig ist, hat Nebenwirkungen.»

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