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GESUNDHEITSWESEN: Berset soll bei eHealth Gas geben

Das elektronische Patientendossier sei nur der Anfang, sagen die Player im Gesundheitswesen. In einem Geheimbrief werfen sie Gesundheitsminister Berset vor, die Digitalisierung zu verschlafen.
Eva Novak
Ausser dem elektronischen Patientendossier konnte Gesundheitsminister Alain Berset noch keine weiteren grösseren Digitalprojekte umsetzen. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Ausser dem elektronischen Patientendossier konnte Gesundheitsminister Alain Berset noch keine weiteren grösseren Digitalprojekte umsetzen. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Eva Novak

Die Liste der Absender umfasst fast alles, was im Gesundheits­wesen Rang und Namen hat, von der Ärzteverbindung FMH über den Apothekerverband Pharma­suisse bis hin zur Spitex Schweiz. Diese und sechs weitere Organisationen haben sich in einem bisher unveröffentlichten Schreiben an Gesundheitsminister Alain Berset gewandt.

Sie fordern ihn darin auf, endlich die Chancen der Digitali­sierung im Gesundheitswesen wahrzunehmen und eine Strategie zu entwickeln, die das Potenzial von eHealth, was wörtlich übersetzt «elektronische Gesundheit» bedeutet, auch wirklich nutzt. Die bisherigen Bemühungen von Bersets Innendepartement unter dem Titel «Strategie eHealth Schweiz 2.0» beschränken sich auf die Ein­führung des elektronischen Patientendossiers, welche ab 2020 schrittweise erfolgen soll.

Das reiche aber hinten und vorne nicht, kritisiert Walter Stüdeli, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft eHealth, denn: «eHealth ist weit mehr als das elektronische Patientendossier. Als Beispiele nennt er digitale Therapieempfehlungen oder Diagnosetools, aber auch Apps, die Auskunft über den Gesundheitszustand geben und die Menschen besser einbinden.

«All dies lässt man links liegen», bedauert der Geschäftsführer der IG eHealth. Damit verzichte man aber nicht nur darauf, das Potenzial von Big Data in der Gesundheitspolitik zu nutzen und damit die Kostensteigerung zu dämpfen und die Versorgung zu verbessern, sondern auch auf die Entwicklung von Massnahmen gegen die bestehenden Risiken, etwa punkto Datenschutz.

Revolution findet ausserhalb von Bersets Strategie statt

Für den Ärztedachverband FMH ist Bersets Strategie zu eng ausgelegt und zielt am Ziel vorbei. «Die Revolution findet woanders statt», sagt Yvonne Gilli. Die ehemalige grüne Nationalrätin ist im FMH-Vorstand für das Dossier eHealth zuständig. Sie gibt sich überzeugt, dass das Potenzial der digitalen Umwandlung noch bei weitem nicht erschöpft sei.

In den Spitälern werde zwar bereits viel gemacht. So setze man die Daten ein, um die Behandlung der Patienten zu verbessern. Im ambulanten Bereich aber bestehe noch Verbesserungspotenzial. Lediglich 50 Prozent der Ärzte führen laut Umfragen eine elektronische Krankengeschichte. Viele Rezepte werden von Hand geschrieben, was zu un­nötigen Fehlern führt.

Zur Kommunikation zwischen den Leistungserbringern trage das elektronische Patientendossier wenig bei, bemängelt Gilli. Dieses sei in erster Linie für Patienten gedacht. Wenn zum Beispiel ein Patient aus dem Spital in eine Rehabilitationsklinik oder in ein Pflegeheim entlassen werde, müsse er zuerst das Spital ermächtigen, seine Gesundheitsdaten mit nachbehandelnden Ärzten zu teilen.

Die Spitex-Organisationen wiederum möchten erfahren, wer für die Finanzierung ihrer Zeit aufkommt, wenn sie ihren Klienten helfen, ein elektronisches Patientendossier zu eröffnen.

Berset solle die Akteure einladen, um die Handlungsfelder zu bestimmen und Lösungsvorschläge auszuarbeiten, fordert Stüdeli. Was es jetzt brauche, seien Grundsatzdiskussionen: «Die Verbände machen das notfalls auch ohne Bund und Kantone», so der Geschäftsführer der IG eHealth. «Gemeinsam mit den Behörden brächte es aber mehr.»

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