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GESUNDHEITSWESEN: Spitäler kämpfen ums Überleben

Der Trend zu ambulanten Eingriffen setzt manche Spitäler finanziell stark unter Druck. Die Branche rechnet in den nächsten Jahren mit einer Strukturbereinigung.
Tobias Gafafer
Das Triemlispital in Zürich ist nicht die einzige Klinik in der Schweiz, die in Finanznot ist. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 29. November 2017))

Das Triemlispital in Zürich ist nicht die einzige Klinik in der Schweiz, die in Finanznot ist. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 29. November 2017))

Tobias Gafafer

«Triemlispital wird zum Millionengrab», «Letzte Chance für Spital Affoltern», «Freiburger Spital geht das Geld für Investitionen aus», «Missstände beim Ausserrhoder Spitalverbund»: Die Schlagzeilen über Spitäler, denen das Wasser bis zum Hals steht, häuften sich zuletzt. Nicht immer sind die Ursachen die selben. In Zürich und anderswo war auch politisches Missmanagement im Spiel. Aber gemeinsam ist den Spitälern, dass der Kostendruck stark zugenommen hat. Dies bestätigt Bernhard Wegmüller, Direktor des Spitalverbandes H+: «In gewissen Regionen erwirtschaften die Spitäler zu wenig, um langfristig zu überleben».

Mehrere Faktoren machen der Branche zu schaffen. Spitäler führen immer mehr Eingriffe ­ambulant statt stationär aus. Das heisst: Sie behalten die Patienten nicht mehr für eine Nacht oder länger. Die Entwicklung ist politisch gewollt. Dank des medizinischen Fortschritts können viele Operationen einfacher und günstiger durchgeführt werden. Mit stationären Behandlungen verdienen die Spitäler deutlich mehr als mit ambulanten, etwa dank Privatversicherten. «Die Unterschiede für ähnliche Eingriffe sind gross», sagt Marc Kohler, ­Direktor der Spital Thurgau AG. Dies zeigt ein Beispiel in einer Studie der Beratungsfirma PWC eindrücklich. Für eine ambulante Operation der Krampfadern ­erhält ein Spital demnach rund 2500 Franken. Würde derselbe Patient stationär behandelt, ­wären es etwa 6000, bei einem Zusatzversicherten sogar rund 10000 Franken.

Veraltete Strukturen für ambulante Eingriffe

Ambulante Eingriffe sind in der Regel zwar auch günstiger, weil die kostenintensive Hospitalisierung wegfällt. Aber gerade kleinere Spitäler führen diese mit der teureren stationären Infrastruktur durch. «Viele Spitäler sind 30 bis 40 Jahre alt und arbeiten mit Strukturen, die den nötigen Abläufen nicht mehr gerecht werden», sagt Bernhard Wegmüller. Sie müssten investieren, hätten aber immer tiefere Erträge. Ambulante Leistungen sind heute schon defizitär. Laut der PWC-Studie schrieben die Spitäler in der Schweiz damit 2014 Verluste von einer halben Milliarde Franken. Alle kämpften mit stagnierenden bis sinkenden Tarifen, aber Kostensteigerungen bei den Löhnen, Medikamenten und ­Geräten, sagt Marc Kohler – auch wenn die Spital Thurgau AG gut aufgestellt sei. Mehr noch: Die Defizite im ambulanten Bereich vergrössern sich wohl rasch, da der Trend zur Verlagerung anhält. Luzern und Zürich legten gemeinsam Operationen fest, die ambulant durchgeführt werden müssen. Weitere Kantone und der Bund wollen folgen.

Zudem plant Bundesrat Alain Berset beim ambulanten Ärztetarif Tarmed ab 2018 Einsparungen von 470 Millionen. Dies trifft auch die Spitäler. «Alle haben ­einen riesigen Respekt vor dem nächsten Jahr», sagt Marc Kohler. Kommt hinzu, dass der Druck auch im stationären Bereich gestiegen ist. Seit 2012 erhalten die Spitäler für jeden Eingriff eine Fallpauschale, unabhängig von den Behandlungskosten. Das ist vom Gesetzgeber gewollt und soll jene belohnen, die gut arbeiten. Nicht mehr jedes Spital soll jede Leistung erbringen.

Spitäler sollen Betten abbauen

Die Spitäler sind angesichts dieser Gemengelage alarmiert. Der Tarmed bilde spitalambulante Behandlungen schlecht ab, sagt Bernhard Wegmüller von H+. Bei vielen Eingriffen brauche es im Hintergrund eine Infrastruktur für Notfälle. «Die von Bundesrat Berset verordnete Abwertung steht quer zum Trend, dass immer mehr Eingriffe in den ambulanten Bereich verlagert werden.» Vor allem aber fordert der Spitalverband eine einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen.

Die Politik arbeitet an einer entsprechenden Vorlage. Eine Subkommission des Nationalrats will diese 2018 präsentieren. Präsidentin Ruth Humbel (CVP/AG) hat für die Klagen aber wenig Verständnis. «Die Spitäler zeigen immer nur auf, was defizitär ist, obwohl viele Bereiche profitabel sind», sagt sie. Auch beim Tarmed stiegen die Kosten. Zudem kritisiert die Gesundheitspolitikerin, manche Kantone bauten trotz Überkapazitäten und Spardruck neue Spitäler. Wer mit den wirtschaftlicheren Tarifen Mühe habe, müsse wahrscheinlich Betten abbauen, sekundiert Verena Nold, Direktorin des Krankenkassenverbandes Santésuisse.

Mancherorts dürfte es wohl nicht dabei bleiben. Branchenkenner rechnen im Spitalwesen in den nächsten Jahren mit einer Strukturbereinigung. Regionalspitäler hätten eine Berechtigung, wenn sie in regionale Versorgungszentren umfunktioniert würden, sagt Humbel. «Die Zeit des Prinzips ‹jedem Täli sein Spitäli› aber ist vorbei.»

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