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Gewalt im Klassenzimmer nimmt zu – woher kommt diese Entwicklung?

Eine neue Erhebung soll zeigen, wie oft Konflikte an Schweizer Schulen eskalieren – dabei erschrecken besonders die Zahlen aus Deutschland.
Yannick Nock/Schweiz am Wochenende
Verbale und körperliche Übergriffe: Schüler gehen häufiger auf Lehrer los. (Bild: imago)

Verbale und körperliche Übergriffe: Schüler gehen häufiger auf Lehrer los. (Bild: imago)

Wenn Lehrer in einer heiklen Situation nicht weiterwissen, können Sie eine App fragen. Sie wurde 2013 für Notfälle aller Art entwickelt: Was tun, wenn ein Jugendlicher mit einer Waffe die Schule betritt? Wie reagieren, wenn es brennt? Wie mit einem Todesfall in der Klasse umgehen? Eine Frage, die Lehrer der App jetzt häufiger stellen, ist allerdings eine andere: Was tun, wenn ich körperlich angegriffen werde?

Der Schweizer Lehrerverband weist seit Wochen auf das Tabuthema hin, versucht es, aus dem Schatten zu ziehen: «Die Zahl verbaler und körperlicher Übergriffe auf Lehrpersonen nimmt zu», heisst es in einer Mitteilung des Verbandes. Was im Klartext bedeutet: Schüler und Eltern gehen häufiger auf Lehrer los. Zuletzt sorgten verschiedene Vorfälle für Schlagzeilen: Im März prügelte ein 17-Jähriger an einer Luzerner Berufsschule seine Lehrerin spitalreif. Anfang Jahr drohte ein Schüler in Schaffhausen seinem Lehrer mehrmals mit dem Tod. Und vergangenen Herbst ging in Dietikon eine Mutter auf eine Lehrerin los, weil ihr Kind von der Kesb fremdplatziert wurde.

Oft sind junge Lehrer betroffen

Doch längst nicht alle Fälle gelangen an die Öffentlichkeit. «Die Dunkelziffer ist hoch», sagt Beat Zemp, Präsident des Lehrerverbandes. Der Respekt gegenüber Lehrern habe abgenommen. «Konflikte eskalieren schneller und werden mit härteren Mitteln ausgetragen.» Besonders junge Lehrpersonen, die ihre Ausbildung gerade abgeschlossen haben, seien betroffen, schrieb «20 Minuten». Aus falscher Scham oder Unsicherheit würden Lehrer die Übergriffe oft nicht melden. Die Gewalt-Debatte hat ihren Ursprung in Deutschland. Eine Umfrage zeigt, dass es an jeder dritten Grundschule zu Gewalt gegen Lehrer kommt. Ausserdem gibt die Hälfte der Schulleiter an, dass es an ihrer Schule in den vergangenen fünf Jahren Fälle von psychischer Gewalt gab. Lehrkräfte wurden beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt.

«Die Ergebnisse sind so eindeutig wie erschütternd», sagt Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung Deutschland, dem deutschen Pendant zum Schweizer Lehrerverband. «Es ist wichtig, das Thema aufs politische Parkett zu bringen.» Sonst würde sich nichts ändern. Nun ziehen die Schweizer Lehrer nach. In ihrer nächsten Befragung zur Berufszufriedenheit werden sie erstmals einen Schwerpunkt auf das Thema Gewalt gegen Lehrpersonen legen, wie Beat Zemp auf Anfrage bekannt gibt. Die Ergebnisse sollen 2019 vorliegen. «Es ist wichtig, dass wir auch in der Schweiz wissen, wie viele Lehrpersonen betroffen sind», sagt er. Dafür werde er sich auch mit den deutschen und den österreichischen Kollegen austauschen. Ein Treffen ist Anfang September vorgesehen.

Künftig mehr Anzeigen?

Doch worauf ist die Entwicklung zurückzuführen? Die Elternlobby Schweiz kritisiert jegliche Form der Gewalt. Die Kinder würden von den Behörden in die Schulen zwangseingewiesen. Passt das pädagogische Profil oder die Chemie zwischen den Beteiligten nicht, könne dies zu grossem Frust und im schlimmsten Fall zu psychischer oder körperlicher Gewalt führen. Eine freie Bildungswahl würde den Schulen deshalb guttun und könne einige Probleme im Keim ersticken.

Doch zuerst soll die Umfrage erstmals Zahlen zu Gewalt an den Schweizer Schulen liefern. In Deutschland haben die Ereignisse mittlerweile die Politik auf den Plan gerufen. Der Präsident der Kultusministerkonferenz hat diese Woche Massnahmen angekündigt. Lehrer sollen gewalttätige Schüler demnach nicht schützen, sondern sofort anzeigen – damit die Übergriffe kein Tabu-Thema bleiben.

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