Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GEWALT: SP-Frauenpräsidentin fordert mehr Männerhäuser

Jedes vierte Opfer von häuslicher Gewalt ist heute ein Mann. Der Bund müsse sich deshalb für mehr Männerhäuser einsetzen: Das fordert die Präsidentin der SP Frauen.
Yvonne Feri, SP-Nationalrätin und Präsidentin der SP-Frauen, fordert mehr Männerhäuser. (Bild: Keystone)

Yvonne Feri, SP-Nationalrätin und Präsidentin der SP-Frauen, fordert mehr Männerhäuser. (Bild: Keystone)

red. Das Fest der Liebe schützt nicht vor häuslicher Gewalt. Im Gegenteil: Nach dem Jahreswechsel ist der Ansturm in den Refugien für Gewaltopfer jeweils besonders gross. Allerdings ist das Angebot ungleich verteilt: 17 Frauenhäusern steht nur gerade ein Männerhaus gegenüber. Dabei sind bei weitem nicht alle Opfer weiblich. Martina Hingis, die nach den Tennisbällen auch ihren Gatten geschlagen haben soll, ist kein Einzelfall. Seit Jahren weisen die Statistiken einen steigenden Anteil männlicher Opfer aus. Inzwischen ist jedes vierte Opfer von häuslicher Gewalt ein Mann.

Bund stehe in der Verantwortung

Aus dieser Tatsache leitet jetzt nicht etwa ein Mann politische Forderungen ab. Sondern Yvonne Feri, Nationalrätin aus dem Aargau, ehemalige Präsidentin des Frauenhauses ihres Kantons und zurzeit Präsidentin der SP-Frauen. Sie fordert vom Bundesrat in zwei Interpellationen eine nationale Strategie für Frauen- aber auch für Männerhäuser. Männer stünden in Fällen von häuslicher Gewalt vor ähnlichen Schwierigkeiten wie Frauen, lautet ihre Begründung. Besonders Männer mit knappen finanziellen Möglichkeiten seien nicht in der Lage, sich und ihren Kindern selber zu helfen.

Der Bund stehe da in der Verantwortung, und zwar auch finanziell, findet Feri. Zuständig sind allerdings die Kantone, und der Bund kann sie zu nichts zwingen: «Der Bund hat keine Rechtsgrundlage, den Kantonen vorzuschreiben, Männerhäuser oder Frauenhäuser zur Verfügung zu stellen», bedauert die SP-Frauenpräsidentin. Entsprechend vorsichtig hat sie ihren Vorstoss formuliert, der in der Frage gipfelt: «Kann sich der Bundesrat vorstellen, zusammen mit den Kantonen eine nationale Strategie für Männer-/Väterhäuser zu erarbeiten?»

Mit Kindern wirds schwierig

Für Oliver Hunziker wäre das schon viel. Der IT-Consultant, Vater von zwei Söhnen und Präsident der Schweizerischen Vereinigung für gemeinsame Elternschaft hat vor vier Jahren im Raum Aarau das europaweit erste und bisher einzige Haus für misshandelte Männer gegründet. In der von einem privaten Verein getragenen und von den Landeskirchen unterstützten Einrichtung finden nicht nur Aargauer Schutz. Auch Luzerner und Obwaldner hätten bei ihm schon Zuflucht gesucht, berichtet Hunziker. Zum Teil mitsamt ihren Kindern. Gerade Väter seien auf ein solches Angebot angewiesen: «Ein durchschnittlich verdienender Mann ohne Kind kann sich selber behaupten. Mit Kindern und geringen Finanzen wird es schwieriger.»

Konzept für Nachahmer liegt bereit

Neben einer sicheren Übernachtungsmöglichkeit, von der laut Hunziker bisher 64 Opfer von weiblicher häuslicher Gewalt profitiert haben, bietet «Zwüschehalt» rund um die Uhr telefonische Beratungen an. Diese nehmen auch Männer aus entfernteren Landesteilen in Anspruch, und es werden immer mehr. Das Bedürfnis sei riesig, berichtet Hunziker, und sein Väterhaus könne nur einen Teil des Bedarfs abdecken. Es brauche ähnliche Institutionen in den anderen Landesteilen: «Ein Bündner oder ein Westschweizer kommt nicht zu uns, und auch für einen Urner wird es schwierig.» Ein Konzept für Nachahmer hätte der «Zwüschehalt»-Gründer in der Schublade. Doch er weiss aus eigener Erfahrung: Das Problem sind die Finanzen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.