GEWALT: Terror: Grenzwache rüstet auf

Die Schweizer Grenzwächter werden zunehmend mit schweren Waffen angegriffen. Nun kauft der Bund schwere Schutzwesten und Sturmgewehre.

Fabian Fellmann
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Die Grenzwächter werden aufgerüstet und erhalten schwere Schutzwesten und Maschinengewehre. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Die Grenzwächter werden aufgerüstet und erhalten schwere Schutzwesten und Maschinengewehre. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Fabian Fellmann

 

Der Bund rüstet seine Grenzwächter auf: Kurz vor Weihnachten hat das Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) einen Auftrag für die Beschaffung von 900 schweren ballistischen Schutzwesten ausgeschrieben. Diese sollen ab Sommer die Grenzwächter besser vor Angriffen mit schweren Waffen und Messern schützen als die bisherigen leichten Schusswesten.

«In jüngster Vergangenheit setzen sowohl organisierte Kriminelle als auch Terroristen vermehrt schwere Waffen wie Sturmgewehre, zum Beispiel Kalaschnikows, ein», bestätigt David Marquis, Sprecher der Eidgenössischen Zollverwaltung, der das Grenzwachtkorps angehört. «Gegen solche Waffen bieten Unterziehwesten keinen genügenden Schutz.»

Das Korps wolle den Angestellten «den bestmöglichen Schutz» bieten und «reagiert mit der Beschaffung von schweren Westen auf die neuen Bedrohungsformen», sagt Marquis weiter. Bisher habe das Grenzwachtkorps nicht über eigene schwere ballistische Westen verfügt, solche bei Bedarf aber bei der Armee ausgeliehen.

Weste sei «unbequem»

Aus einsatztaktischen Gründen will die Zollverwaltung nicht kommunizieren, in welchen Situa­tionen die Grenzwächter auf die neue Ausrüstung zurückgreifen werden. Bereits nach den Terroranschlägen in Paris im vergangenen Jahr hatte das Grenzwachtkorps seine Angestellten dazu angehalten, wenn immer möglich die Unterziehweste zu tragen. Allerdings beschwerten sich Gewerkschafter, die Weste sei unbequem. Das Korps reagiert nun auf die Kritik: Es gibt künftig eine Hülle ab, dank der die bestehende Schutzweste auch über dem Hemd getragen werden kann.

Roland Liebi, Präsident der Gewerkschaft des Zoll- und Grenzwachtpersonals Garanto, sagt: «Ich begrüsse es, wenn jeder Grenzwächter angemessen ausgerüstet ist.» Das Berufsbild des Grenzwächters ändere sich mit den neuen Bedrohungen gegenüber früher. «Ich hoffe, wir brauchen das neue Material nicht im Ernstfall», sagt Liebi.

Zoll prüft Kauf von Gewehren

Das gilt auch für die «Langwaffe», mit der die Grenzwächter in naher Zukunft ausgerüstet werden sollen, wie Finanzminister Ueli Maurer Mitte Dezember auf eine Frage im Nationalrat sagte. Mit der Bezeichnung «Langwaffe» sind Sturmgewehre gemeint. Maurer sagte im Parlament, angesichts der Bedrohungslage habe die Zollverwaltung ein entsprechendes Beschaffungsprojekt gestartet.

Es ist darum möglich, dass die 50 Soldaten, die Maurer zur Verstärkung des Grenzwachtkorps einsetzen will, doch mit einem Sturmgewehr an der Grenze stehen würden, obwohl Maurer ebendies am Donnerstag an seiner Jahresmedienkonferenz in Abrede gestellt hat. Laut Maurer soll die Zollverwaltung beim Kauf der Langwaffe Synergien mit dem Verteidigungsdepartement nutzen. Damit könnte das Sturmgewehr 90, wie es die Schweizer Soldaten bereits heute nutzen, in Zukunft auch zum Waffenarsenal der derzeit rund 2070 Angehörigen der Grenz­wache gehören.

Bisher tragen die Mitglieder des Grenzwachtkorps nur Pistolen und leichte Maschinenpistolen auf sich, wie es auch in den meisten Polizeikorps üblich ist. Diese rüsten wegen der Terrorgefahr derzeit ebenfalls auf: Die Kantonspolizeien von Bern, Aargau und St. Gallen haben Sturmgewehre angeschafft, welche auch von normalen Streifenpolizisten getragen werden sollen, wie das Schweizer Fernsehen Ende November berichtete. Bisher waren solch schwere Waffen in den meisten Kantonen den Sondereinheiten der Polizei vorenthalten. Um welche Gewehre es sich dabei handelt, ist nicht öffentlich bekannt.