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GEWALTAUFRUF: Demo-Organisator: «Das ist ein Trumpf für Erdogan»

Urs Sekinger, Organisator der Anti-Erdogan-Demonstration vom Samstag in Bern, nimmt zum umstrittenen Plakat linksautonomer Kreise Stellung. Dieses ruft faktisch zur Ermordung des türkischen Präsidenten auf.
Stefan Schmid
«Tötet Erdogan mit seinen eigenen Waffen». Demonstranten in Bern. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 25. März 2017))

«Tötet Erdogan mit seinen eigenen Waffen». Demonstranten in Bern. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 25. März 2017))

Interview: Stefan Schmid

Urs Sekinger, was halten Sie von diesem Plakat?

Es ist unhaltbar und politisch ungeschickt. Ich bin nicht für Diktatorenmord. Dieses Plakat spielt Erdogan in die Hände. Es ist ein Trumpf für ihn.

Wie meinen Sie das?

Jetzt reden alle von diesem Plakat, anstatt von den katastrophalen Zuständen in der Türkei. Und Erdogan kann Stimmung gegen die Schweiz und damit für sein Referendum machen. Ein gefundenes Fressen.

Das Plakat ruft zum Mord an Präsident Erdogan auf. Die Empörung der türkischen Regierung ist verständlich.

Wir distanzieren uns von Gewaltaufrufen. Das ist und war nie unsere Absicht.

Warum haben Sie vor Ort denn nichts unternommen, um das Plakat zu beseitigen?

Ich war für den politischen Inhalt der Demo verantwortlich, nicht für den Ordnungsdienst. Bei solchen Fragen geht es aber letztlich um Verhältnismässigkeit. Unser Ziel war eine friedliche Platzkundgebung. Dieses Ziel haben wir erreicht.

Das Plakat ruft zu Gewalt auf. Nochmals: Warum haben die Organisatoren nichts unternommen?

Bevor die Leute von der Antifa mit dem Plakat auf dem Bundesplatz erschienen sind, haben sie es durch die halbe Stadt Bern getragen – und die Polizei hat nicht interveniert. Offenbar hat auch sie ein Eingreifen als unverhältnismässig taxiert. Was ausserhalb der Demo passiert, ist nicht unsere Verantwortung. Ich habe das Plakat auf dem Bundesplatz gesehen, doch es war nicht das Gesprächsthema Nummer eins unter den Kundgebungsteilnehmern. Es wäre unverhältnismässig gewesen, wenn unser Ordnungsdienst eingeschritten wäre.

Warum? Wer zu Gewalt aufruft, kann sich doch nicht hinter der Meinungs- und Versammlungsfreiheit verstecken.Da stimme ich Ihnen zu. Als Organisatoren müssen sie sich aber immer fragen, ob eine Massnahme wirklich zielführend ist. Und unser Ziel bestand darin, eine friedliche Demonstration zu organisieren. Wir haben im Vorfeld mit den Antifa Kontakt gehabt und sie darauf aufmerksam gemacht, dass wir eine friedliche Kundgebung wollen, ohne Provokationen. Leider ist es nicht so gekommen. Wir konnten auch nie ganz sicher sein, dass es keine Probleme gibt, es gab auch Störaufrufe von rechten türkischen Kreisen. Nun hat es – mit Ausnahme dieses Plakats – keine Probleme gegeben. Das freut uns.

Erdogan fordert strafrechtliche Massnahmen.

Das ist primär eine mediale Geschichte. Erdogan macht nun mit der Schweiz dasselbe wie vorher mit Deutschland oder den Niederlanden. Es geht ihm darum, maximalen Lärm zu produzieren, damit sein Verfassungsreferendum angenommen wird. Die Medien sind gut beraten, dieses Spiel nicht mitzuspielen.

Die Schweizer Regierung hat sich bisher stets für Meinungsfreiheit eingesetzt. Nun kommt es in Bern zu einer Demo, wo zu Gewalt gegen Erdogan aufgerufen wird. Sie erweisen unserem Land einen Bärendienst.

Wie gesagt: Wir distanzieren uns von diesem Plakat. Andererseits müssen wir nüchtern bleiben: Es gab im Zuge der Proteste gegen den Irak-Krieg jede Menge Plakate, die anstössig waren. Fahnen wurden verbrannt und der damalige US-Präsident Bush für unzurechnungsfähig erklärt. In den 1968er-Jahren haben wir eben solche Beispiele gesehen, ohne dass es deswegen zu diplomatischen Krisen gekommen ist. Die Türkei nutzt das jetzt einfach aus.

Die Stadt Bern hat Anzeige erstattet. Was bedeutet das für die Organisatoren?

Das werden wir sehen. Man kann uns nicht für jedes Plakat verantwortlich machen, das zuvor durch die Stadt getragen wurde.

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