Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GLAUBE: Churer Bischof verteidigt SVP-Anhänger

Dürfen Christen SVP wählen? Nach provokativen Aussagen einer Zürcher Kirchenvertreterin fordert SVP-Mitglied Roberto Martullo-Blocher eine Entschuldigung. Auch der Churer Bischof Vitus Huonder markiert Distanz.
Der Churer Bischof Vitus Huonder bezeichnet alle Bundesratsparteien als wählbar für Katholiken. (Bild: Arno Balzarini/Keystone)

Der Churer Bischof Vitus Huonder bezeichnet alle Bundesratsparteien als wählbar für Katholiken. (Bild: Arno Balzarini/Keystone)

Fabian Fellmann

In der Katholischen Kirche ist Feuer im Dach. In einem Interview mit dieser Zeitung hat sich die angehende Präsidentin der Zürcher Kantonalkirche am Montag über die Asylpolitik der SVP geäussert. «Der Churer Weih­bischof Peter Henrici sagte 2004, ein guter Christ könne nicht SVP wählen. Ich glaube, ich könnte ihm recht geben», sagte Franziska Driessen, künftige Präsidentin des Synodalrats und frühere CVP-Gemeindepolitikerin.

SVP-Anhängern stösst das sauer auf. Der Ehemann von SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher verlangt den Rücktritt Driessens. «Eine öffentliche Entschuldigung der Zürcher Synodalpräsidentin ist das Mindeste. Am besten wäre es, wenn sie zurücktreten würde», sagt Roberto Martullo-Blocher. Sie vergesse, «woher die meisten Steuergelder ihrer Kantonalkirche kommen: von den SVP-Leuten».

Martullo ist selbst Knall auf Fall aus der ­römisch-katholischen Kirchgemeinde ausgetreten, wie im Januar bekannt wurde – als zweites prominentes SVP-Mitglied nach Nationalrätin Natalie Rickli. Seither zahlt Martullo keine Kirchensteuer mehr, sondern leistet eine Abgabe in den Solidaritätsfonds des Bistums Chur. Erstmals äussert sich Martullo, der zuvor sogar ein Amt in der Kirchenpflege innehatte, nun über seine Beweggründe: «Ich bin unter anderem aus der Kantonalkirche ausgetreten, weil ihre Führung immer gegen den Bischof von Chur schiesst, um so eine Spaltung des Bistums zu provozieren.»

Auch andere SVP-Mitglieder überlegen sich nun den Austritt. «Es hat mich masslos enttäuscht, dass eine Vertreterin der römisch-katholischen Kirche die SVP als nicht wählbare Partei darstellt», sagt die Aargauer Nationalrätin Sylvia Flückiger. Sie habe das Formular für den Kirchenaustritt heruntergeladen. «Ich überlege mir, ob ich zur reformierten Kirche wechseln soll.» Nun erwarte sie eine Stellungnahme des Bistums Basel und eine Entschuldigung von Driessen. Das forderte auch der Aargauer SVP-Präsident und Nationalrat Thomas Burgherr in der «Aargauer Zeitung».

Bischof Vitus äussert «Bedauern»

Der Churer Bischof Vitus Huonder, dessen Verhältnis mit der Zürcher Kantonalkirche angespannt ist, nimmt die SVP-Wähler in Schutz. «Der Bischof von Chur bedauert, dass von Frau Driessen in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt wurde, die katholische Kirche betrachte eine der Bundesratsparteien als unwählbar für einen Katholiken», schreibt er in einem Communiqué, in dem er die Meinungsvielfalt betont. «Die römisch-katholische Kirche bevormundet die Gläubigen politisch nicht und hält alle Parteien für wählbar, die im Rahmen der rechtsstaatlichen Vorgaben handeln.»

Zudem erinnert der Bischof an den Konflikt zwischen der römisch-katholischen Kirche und den Kantonalkirchen: Jene des Kantons Zürich, dessen Synodalrat Franziska Driessen ab Ende Juni präsidieren wird, sei eine vom Staat geschaffene Organisation und «nicht Teil der römisch-katholischen Kirche». Driessen repräsentiere darum «nur sich selbst».

Franziska Driessen sagt, sie stehe zu ihren Aussagen. Sie wolle niemanden aus der Kirche ausschliessen: «Es geht mir darum, eine Debatte zu führen.» Gemeint ist die Asylpolitik der SVP, welche Driessen kritisiert. «Ich will das Gastrecht verteidigen, das eines der wichtigsten christlichen Werte darstellt.» Deshalb sehe sie keinen Grund für eine Entschuldigung.

Die SVP, die Partei des Mittelstandes, aber nicht der Katholiken? (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Die SVP, die Partei des Mittelstandes, aber nicht der Katholiken? (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.