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GLÜCKSSPIEL: Casinos drängen bereits ins Internet

Noch muss die Schweizer Stimmbevölkerung die Onlinespiele erlauben, doch schon heute arbeiten die hiesigen Casinos mit Hochdruck an ihren Onlineplattformen. Es könnte eng werden auf dem Schweizer Markt.
Roger Braun
Screenshot von einem Onlinepokerturnier. Solche Onlinespiele wollen bald auch Schweizer Casinos im Netz anbieten. (Bild: www.alamy.com)

Screenshot von einem Onlinepokerturnier. Solche Onlinespiele wollen bald auch Schweizer Casinos im Netz anbieten. (Bild: www.alamy.com)

Roger Braun

Sagt die Schweizer Stimmbevölkerung am 10. Juni Ja zum Geldspielgesetz, ist es nächstes Jahr so weit: Die hiesigen Casinos dürfen ihre Glücksspiele neu auch im Internet anbieten. Der Aufbau der Infrastruktur hat bereits begonnen. Auf jackpots.ch testet das Casino Baden sein Onlinecasino. Roulette, Black Jack, Dutzende von Spielautomaten: Das Angebot ist riesig. Noch kann man erst um Punkte spielen, später wird es um reales Geld gehen. «Wir wollen mit unserem Onlinecasino möglichst viele Erfahrungen sammeln, bevor der Markt geöffnet wird», sagt CEO Detlef Brose. So will er herausfinden, welche Angebote bei den Spielern am besten ankommen und wie sich diese auf der Plattform bewegen. Dafür stehen derzeit 45 verschiedene Glücksspiele zur Verfügung. Wer viel spielt, kann Gutscheine fürs Casino in Baden gewinnen und an einer Verlosung von Sachpreisen teilnehmen.

In Stellung gebracht hat sich auch das Unternehmen Swiss Casinos, das die Spielbanken in Zürich, St. Gallen, Pfäffikon und Schaffhausen betreibt. Auf swiss­onlinegames.ch können Dutzende Spiele ausprobiert werden; auch Pokerturniere und Jasspartien sind im Angebot.

Österreichische Konzerne haben Zugang zum Schweizer Markt

Baden und Swiss Casinos sind die einzigen Spielbanken, bei denen bereits heute online gespielt werden kann. Sie werden allerdings nicht die einzigen bleiben. «Wir werden auf alle Fälle eine Onlinebewilligung beantragen», kündigt der Leiter des Luzerner Casinos, Wolfgang Bliem, an. Die Notwendigkeit, bereits heute das Angebot zu testen, sieht er nicht. «Wir glauben nicht, dass dies ein entscheidender Wettbewerbsvorteil ist», sagt er. «Die Erfahrung zeigt, dass Gratisspieler nicht dieselben sind wie jene, die später um Geld spielen.»

Die Casinos in Bern, Basel und Interlaken überlegen sich ebenfalls den Eintritt ins Onlinegeschäft. Absehbar ist zudem, dass sich die österreichischen Casino-Giganten in der Schweiz breitmachen werden. Casinos Austria betreibt in der Schweiz die Casinos in Mendrisio und Locarno und ist zu einem Drittel am Casino in Bad Ragaz beteiligt. Auf der österreichischen Webseite win2today.at bietet der Konzern eine Vielzahl von Onlinespielen gegen Bezahlung an. Branchenvertreter gehen davon aus, dass diese Plattform auf die Schweizer Bedürfnisse angepasst und auch hierzulande angeboten werden wird. Ähnlich präsentiert sich die Situation bei der österreichischen Novomatic-Gruppe, die das Casino in St. Moritz betreibt und namhafte Anteile an den Casinos in Lugano und Bern besitzt. Deren Tochter Greentube gehört zu den europaweit führenden Entwicklern von Internetspielen. Es wäre eine Überraschung, wenn der Glücksspielkonzern sein Angebot nicht auch in der Schweiz vermarkten würde.

Doch ist der Schweizer Markt gross genug für so viele Anbieter? Gemäss einer Schätzung der Universität Bern verspielen Schweizer Konsumenten jährlich 250 Millionen Franken auf ausländischen Glücksspielseiten. Die Frage ist, wie viele dieser Spieler auf ein Schweizer Angebot wechseln werden, wenn die ausländischen Anbieter mittels Netzsperre vom Schweizer Markt verbannt werden, wie dies das Gesetz vorsieht. Eine Studie der Unternehmensberatungsfirma PWC von vergangenem Jahr rechnet im besten Fall mit 70 Prozent der Spieler; die restlichen werden mit Hilfe eines VPN-Servers ihr Glück weiterhin im Ausland versuchen. Auf dieser Grundlage geht PWC davon aus, dass sich in der Schweiz vier Onlineanbieter werden etablieren können. Fachleute in der Bundesverwaltung sehen langfristig gar nur ein bis drei Onlinecasinos.

Bliem vom Casino Luzern ist optimistischer. «Der Schweizer Markt ist hochattraktiv», sagt er. Smartphones seien weit verbreitet, die Kaufkraft hoch. «Ich bin mir sicher, dass es wie in Europa mehr Anbieter verträgt», sagt er. Ähnlich klingt es aus Baden. «Glücksspiele auf dem Internet werden immer populärer», sagt Brose. «Wir erkennen ein grosses wirtschaftliches Potenzial.» Er sieht zudem Synergien zwischen dem Internetangebot und dem landbasierten Casino. «Mit einem professionellen Auftritt beim Onlinegaming stärken wir unsere Marke Grand Casino Baden», sagt er.

Plötzlich sind ausländische Anbieter gefragt

Einst ging das Bundesamt für Justiz davon aus, dass die Casinos für den Aufbau der IT-Plattformen je rund 10 Millionen Franken aufwerfen müssen. Nun zeigt sich, dass alle Casinos, die ein Angebot vorsehen, die Spiele aus dem Ausland einkaufen. Dies senkt zwar die Investitionskosten zu Beginn, führt aber zu jährlichen Lizenzgebühren von etwa 20 Prozent des Bruttospielertrags.

Baden arbeitet mit Spieleentwickler aus Belgien und Russland zusammen; Swiss Casinos mit Firmen aus Russland, Grossbritannien und Estland. Dass die hiesigen Casinos nun mit ausländischen Spieleentwicklern zusammenarbeiten, entbehrt nicht der Ironie. Schliesslich hatten sich die inländischen Casinos im Parlament noch für die Netzsperren eingesetzt, um sich die ausländische Konkurrenz vom Hals zu schaffen.

Ganz frei sind die Casinos in der Partnerwahl indes nicht. Die Partnerfirmen müssen einen «guten Ruf» haben, hält das Gesetz fest. Konkret dürfen diese nicht in der Schweiz aktiv gewesen sein, als das Geschäft noch verboten war. Beliebte Glücksspielanbieter wie Bwin, Pokerstars oder Interwetten bleiben damit aussen vor. Ansonsten riskieren hiesige Casinos, dass ihnen die Eidgenössische Spielbankenkommission die erweiterte Konzession für den Onlinebereich vorenthalten wird.

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