Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GLÜCKSSPIEL: Das Sport-Toto verschwindet nach 80 Jahren

1, X oder 2: Das Sport-Toto war während 80 Jahren eine feste Grösse in der Schweiz. Nun ist Schluss damit. Zahlenlotto und Quotenwetten haben dem Urahnen der Tippspiele den Rang abgelaufen.
Roger Braun
Die Wettscheine der Sport-Toto-Gesellschaft werden im August 1958 zur Ermittlung der Gewinner auf Mikrofilm aufgenommen. (Bild: Keystone)

Die Wettscheine der Sport-Toto-Gesellschaft werden im August 1958 zur Ermittlung der Gewinner auf Mikrofilm aufgenommen. (Bild: Keystone)

Am Anfang stand ein Spiel der Schweizer Fussballnationalmannschaft in Stockholm. Der damalige Delegierte der Nationalmannschaft, Ernst «Ätti» Thommen, stand im Stadion und stellte verwundert fest, dass das schwedische Publikum regelmässig in Unruhe geriet, obwohl auf dem Feld gar nichts lief. Erst später am Bankett erfuhr er den Grund dafür: Am Tribünenrand wurden die Ergebnisse des nationalen Tippspiels angezeigt.

Thommen war fasziniert von diesem neuartigen Wettspiel, sah im Sport-Toto eine zusätzliche Geldquelle für den Sport. Zurück in der Schweiz, gründete er am 18. August 1938 die Sport-Toto-Gesellschaft. Zwei Wochen später organisierte der Verein die erste nationale Sportwette. Die Schweiz übernahm damit eine Pionierrolle: Neben Schweden kennt kein Land Kontinentaleuropas ein derartiges Tippspiel.

Hunderttausende spielten in den 60er-Jahren

Die Grundregeln waren dieselben wie heute. Von zwölf Fussballpartien war jeweils der Ausgang vorherzusagen: eine 1 für das Heimteam, eine 2 für das Auswärtsteam, ein X für ein Unentschieden. Das Wettspiel stiess sofort auf grosses Interesse. Zehn Jahre nach der Gründung war die Zahl der Tipper bereits auf 285 000 angewachsen. Die Erfolgsphase dauerte bis ins Jahr 1970, als das Schweizer Zahlenlotto eingeführt wurde. Das simple und auf reinem Glück basierende Tippspiel fand schnell zahl­reiche Anhänger. Ein Teil davon waren Fussballlaien, die einst aus Mangel an Alternativen Sport-Toto gespielt hatten. Der Lotto-Sechser verdrängte zunehmend den Toto-Dreizehner.

Die Sport-Toto-Gesellschaft versuchte mit neuen Angeboten zu reagieren: Beim Toto-X waren jene Partien zu benennen, die mit einem Unentschieden endeten, Super-Toto ergänzte die Sportwette um ein Losverfahren.

Schliesslich war es die Quotenwette, die der traditionellen Resultatwette zum Verhängnis wurde. Unter dem Druck sinkender Umsätze lancierte die Sport-Toto-Gesellschaft im Jahr 2003 den Sporttipp. Damit konnten die Spieler selbst entscheiden, welche Partien sie tippen. Je nach Spielpaarung lag zudem die Quote anders. Ein Tipp auf den Aussenseiter versprach einen höheren Gewinn – bei kleinerer Gewinnchance notabene.

Eine Wette nach demselben Muster brachten ausländische Anbieter auf den Markt. Mit dem Aufkommen des Internets drängten sie auf den Schweizer Markt und liessen die Umsätze des traditionellen Sport-Totos weiter sinken. So tief, dass Swisslos beschloss, das Sport-Toto auf Ende Jahr einzustellen und sich auf den Sporttipp zu beschränken. Die Einnahmen waren zuletzt auf das Niveau des Jahres 1941 gefallen. «Der Entscheid fiel uns aufgrund der langjährigen Geschichte schwer», sagt Willy Mesmer, der bei Swisslos für den Betrieb und die Medienarbeit zuständig ist. Doch schliesslich habe man realisieren müssen, dass kaum mehr jemand traditionelles Sport-Toto spiele. «Die Wette ist mit den Spielern älter geworden», sagt Mesmer. Junge hätten kaum Zugang zum Spiel gefunden. Viele junge Spieler störten sich an der fixen Vorgabe der ­Partien. Auch der wöchent­liche Rhythmus sei vielen zu gemächlich gewesen, sagt Mesmer. Mehr Freiheit, mehr Auswahl, schnellere Gewinne: Die Einstellung von Sport-Toto ist letzten Endes eine Reaktion auf den Zeitgeist.

Roger Braun

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.