GOTTHARD 2016: 30'000 Besucher feiern den neuen Basistunnel

Rund 30'000 Besucher sind am Samstag auf die vier Festplätze rund um die Portale des Basistunnels ins Urnerland und ins Tessin gereist, um das Jahrhundertbauwerk zu feiern. Viele liessen sich die Gelegenheit nicht nehmen, ein erstes Mal durch den neuen Tunnel zu fahren.

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Viele Besucher tummeln sich am Samstag am Publikumsanlass auf dem Festplatz Rynächt beim Nordportal in Erstfeld. (Bild: Keystone)

Viele Besucher tummeln sich am Samstag am Publikumsanlass auf dem Festplatz Rynächt beim Nordportal in Erstfeld. (Bild: Keystone)

Schon früh am Samstagmorgen füllte sich das Festgelände in Rynächt. Noch vor der offiziellen Eröffnung um 9 Uhr reihten sich die ersten Besucher am Gleis in Rynächt ein, um sich einen Platz im ersten Gottardo-Shuttle durch den Basistunnel zu ergattern.

Damit dieser historische Moment noch lange in Erinnerung bleibt, wurden überall und jederzeit die Handys gezückt. Man posierte vor dem Einsteigen, lächelte im dunklen Tunnel in die Kamera und schoss nach der knapp 30-minütigen Fahrt in Pollegio TI ein Selfie.

Alle besuchen Heidi: Die Tunnelborhmaschine ist nach der berühmten Romanfigur benannt. (Bild: Keystone/Ti-Press/Carlo Reguzzi)
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Dieses Fenster ist ein Zeitfenster: Man blickt auf die Gotthard-Pferdepost, die einst über die Passstrasse preschte. (Bild: Alexandra Wey / Keystone)
Viele Besucher am Publikumsanlass auf dem Festplatz beim Südportal in Pollegio. (Bild: Alexandra Wey / Keystone)
Am Samstag gehörte er zum Kulturangebot in Erstffeld: Kabarettist Emil Steinberger mit seinem Programm "Chileli vo Wasse". (Bild: Alexandra Wey / Keystone)
Auf dem Tessiner Festplatz spielten Alphornbläser auf. (Bild: Keystone/Ti-Press/Carlo Reguzzi)
Artisten der Eröffnungsshow versetzen sich in das Leben gefährlich lebender Gotthard-Mineure: (Bild: Keystone/Ti-Press/Carlo Reguzzi)
Besucher verfolgen die Eröffnungsshow des deutschen Regisseurs Volker Hesse, am Südportal in Pollegio. (Bild: Keystone/Ti-Press/Carlo Reguzzi)
Futuristisch? Nein, aktuelle Bahninfrastruktur. (Bild: Keystone/Ti-Press/Carlo Reguzzi)
Die Bahnfans wissen: Der historische Tag will dokumentiert sein. (Bild: Alexandra Wey / Keystone)
Ein Besucher fototgrafiert aus einem Zug heraus. (Bild: Alexandra Wey / Keystone)
Besucher fotografieren ins Südportal hinein. (Bild: Alexandra Wey / Keystone)
Kinder machen mit beim Selfie eines Selfie-Manns. (Bild: Alexandra Wey / Keystone)
Und jetzt ein Spurt auf den Zug … (Bild: Alexandra Wey / Keystone)
… und da rollt er schon. (Bild: Alexandra Wey / Keystone)

Alle besuchen Heidi: Die Tunnelborhmaschine ist nach der berühmten Romanfigur benannt. (Bild: Keystone/Ti-Press/Carlo Reguzzi)

Kaum verschwand der Zug im Tunnel, hiess es, «Achtung», «Jetzt», und «Wow». Obwohl die Aussicht nicht anders war als in jedem anderem Tunnel. Er sei irgendwie magisch, der Moment, den man nun gerade erleben durfte, versicherte man sich gegenseitig. Die Begeisterung der Bevölkerung für diese Jahrhundertbauwerk war den ganzen Tag über auf allen Festplätzen deutlich zu spüren.

SBB-Chef blickt bereits in die Zukunft

Dass der Moment historisch sei, betonte auch SBB-Chef Andreas Meyer am Vormittag, als er sich mit Vertretern der Schweizer Hochschulen auf einen Medienrundgang auf den Festgeländen in Rynächt und Erstfeld begab. Er wirkte entspannt, voller Freude. Die Krawatte blieb im Schrank. Lange auch der Schirm, denn das Wetter zeigte sich lange von seiner zwar nicht nicht besten, aber sicher freundlichen Seite. Erst gegen Abend setzte im Urnerland leichter Regen ein.

Meyer schien offenbar auch in Festlaune zu sein. Es sei ihm stets wichtig gewesen, dass nicht nur eine gewöhnliche Tunneleinweihung stattfand: «Auch die Bevölkerung soll mit diesem Eröffnungswochenende eine Plattform erhalten.»

Und der wurde tatsächlich einiges geboten, um - mindestens für ein Wochenende - in diesem historischen Moment zu verweilen. Stehenbleiben aber, das wollte Meyer nicht. Bereits am Tag des grossen Volksfests richtete der SBB-Chef seinen Blick in die Zukunft: «Wir brauchen die Diskussion über die Mobilität der Zukunft.» Er lobte den Schweizer Unternehmergeist und die fortschrittliche Wissenschaft, die einen wesentlichen Teil zu diesem Jahrhundertbauwerk beigetragen hätten.

An zahlreichen interaktiven Ständen konnten sich die Besucher über den längsten Eisenbahntunnel der Welt informieren. In Erstfeld beispielsweise stand ein Fahrsimulator des neuen Gotthardzugs «Giruno», der von der Stadler Rail hergestellt wird. Dort konnten die Besucher erleben, wie sich die Fahrt durch den Tunnel anfühlt.

Ex-SVP-Nationalrat und Chef der Stadler Rail, Peter Spuhler, brachte seine Vorfreude des geplanten Roll-Outs im kommenden Mai zum Ausdruck. Er betonte auch, dass der Zug aus 80 Prozent Schweizer Lieferanteil bestehe.

Laut SBB waren am Samstag rund 30'000 Besucherinnen und Besucher auf den vier Festplätzen unterwegs. Rund die Hälfte nutzte die Gelegenheit für eine Fahrt durch den 57 Kilometer langen Basistunnel.

Auch das Transportkonzept mit den insgesamt 120 Extrazügen zu den Festplätze, den Gottardo-Shuttles sowie den Bustransfers zwischen den Festplätzen habe sich grösstenteils bewährt. Trotz des grossen Andrangs sei es nur vereinzelt zu Engpässen und Wartezeiten genommen, teilte die SBB mit.

Momente für Nostalgiker

Trotz all der Euphorie rund um den neuen Tunnel gab es am Samstag neben der Fahrt über die Bergstrecke auch einen Moment, der die Herzen aller Nostalgiker höher schlagen liess: der Auftritt des Kabarettisten Emil Steinberger.

Emil führte die legendäre Nummer «S'Chileli vo Wasse» auf, in der seine Begeisterung für die Kirche, die auf der Fahrt in den Süden wegen der Kehrtunnels dreimal von einer anderen Seite zu sehen ist, kaum zu bremsen ist. Er erntete dafür herzhafte Lacher und zum Schluss gar eine Standing Ovation.

Der zweite Teil des grossen Volksfests geht am Sonntag weiter - von 9 bis 18 Uhr. Am Samstag war zwar um 19 Uhr offiziell Schluss. Gewiss aber wird in der Region noch bis lange in die Nacht hinein ausgiebig gefeiert. Schliesslich wird nicht so schnell wieder ein 57 Kilometer langer Eisenbahntunnel unmittelbar vor der Haustüre eröffnet.

sda