GOTTHARD: Promis mischen Abstimmungskampf auf

Die Befürworter weibeln mit viel Prominenz aus Sport und Kultur für die zweite Röhre. Auch die Gegner setzen nicht nur auf Politiker.

Kari Kälin
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Autor Pedro Lenz (50) setzt sich gegen den zweiten Tunnel ein. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Autor Pedro Lenz (50) setzt sich gegen den zweiten Tunnel ein. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Die öffentliche Diskussion über den zweiten Gotthardtunnel wird längst nicht nur von Politikern geführt. Der Berner Mundartschriftsteller Pedro Lenz zum Beispiel stemmt sich öffentlich gegen den Bau eines zweiten Gotthard-Strassentunnels, über den das Volk am 28. Februar abstimmt. «Nicht noch mehr nutzloser Nutzverkehr», lautet ein Ausschnitt aus dem «Röhren-Blues», in dem er in Reimform vor einer Lastwagenflut warnt. Lenz trug seinen poetischen Protest kürzlich bei einer Pressekonferenz des Vereins «Nein zur 2. Gotthardröhre» vor.

Olympiasieger und Dribbelkönig

Der Verein Alpen-Initiative konnte zudem Clownin Gardi Hutter für die Nein-Kampagne gewinnen. «Die Alpen-Initiative ist eine verlässliche Konstante im politischen Zirkus. Bravo», sagt Hutter. Die Alpen-Initiative gehe jedoch nicht explizit auf die Suche nach bekannten Persönlichkeiten, sagt Sprecher Thomas Bolli.

Das überparteiliche Komitee «Gotthardtunnel sicher Ja» hingegen schon. Und in der Tat hat es in Sachen Prominentensupport die Nase vorn, wie die nachfolgende, nicht vollständige Auflistung zeigt. Olympiasieger und Ski­legende Bernhard Russi wirbt ebenso für ein Ja wie Hockey-Ass und Ambri-Captain Paolo Duca sowie Claudio Sulser. Der ehemalige Nati-Stürmer ist vielen Fussballfans als begnadeter Dribbler in Erinnerung. Aus dem kulturellen Bereich kämpft Marco Solari, Präsident des Filmfestivals Locarno, für einen zweiten Tunnel. Auch der Tessiner Clown ­Dimitri figuriert auf der Liste der bekannten (und überraschenden) Befürworter. Er hat sich jedoch einem linken Pro-Komitee angeschlossen. Man könne die Autokolonnen nicht durch das Verhindern einer zweiten Röhre am Gotthard stoppen, sagt er. Das sei eine Illusion. Dimitri bezeichnet sich explizit als Alpenschützer und findet, die Güter müssten auf der Schiene durch die Alpen befördert werden.

Alpenschützer für zweite Röhre

Genau dies tut auch FilippoLeutenegger. Der Zürcher FDP-Stadtrat war sogar Mitinitiant der Alpeninitiative, die das Volk 1994 annahm. Diese habe viele positive Effekte und vor allem die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene gefördert, sagt Leutenegger. Heute stellt sich der frühere Nationalrat und «Arena»-Moderator aber ganz klar hinter eine zweite Röhre – in erster Linie aus Gründen der Verkehrssicherheit. In einem Blog-Beitrag für das Ja-Komitee schreibt er überdies, die zweite Röhre stehe nicht im Widerspruch zum Alpenschutz. «Saniert man den Strassentunnel mit einer zweiten Röhre, kann der Verkehr durch den Berg fahren. Das ist sinnvoller, als wenn die Lastwagen und Automobile sich über die Alpenpässe auf über 2000 Metern über Meer kämpfen müssen. Die Umwelt würde so stärker belastet.» Ausserdem werde die Kapazität am Gotthard nicht erweitert, da die beiden Tunnel nur je einspurig befahren werden dürften.

Warnung vor Transithölle

Dass Leutenegger für einen zweiten Strassentunnel plädiert, überrascht die Alpen-Initiative angesichts seines politischen Werdegangs nicht. Anders als Leutenegger hält Thomas Bolli die zweite Röhre für völlig unvereinbar mit dem Alpenschutz. Bei einem Nein des Volks wäre der Gotthard-Strassentunnel während der Sanierung voraussichtlich während der Sommermonate wie gehabt offen. «Und im Winter ist die Gotthard-Passstrasse gesperrt, da gibt es keinen Verkehr über den Pass», sagt Bolli. Die Alpen-Initiative warnt, die Schweiz werde mit dem Bau einer zweiten Röhre zu einer Transithölle. Die bisherige Verlagerungspolitik werde demontiert, sagt etwa Präsident Jon Pult. «Stattdessen werden die Strassenkapazitäten verdoppelt, und bald einmal rollen zwei Millionen Transitlastwagen durch die Schweiz.»

Kari Kälin

Clownin Gardi Hutter (62) ist ebenfalls im Nein-Komitee.

Clownin Gardi Hutter (62) ist ebenfalls im Nein-Komitee.

Clown Dimitri (80) ist für die zweite Röhre. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Clown Dimitri (80) ist für die zweite Röhre. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Auch Ex-Skistar Bernhard Russi (67) engagiert sich für ein Ja. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

Auch Ex-Skistar Bernhard Russi (67) engagiert sich für ein Ja. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)