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GOTTHARD: Streit um die Sicherheit

Die Abstimmung über die zweite Röhre findet voraussichtlich erst im Februar statt. Doch bereits jetzt rühren das Pro- und das Contra- Lager heftig die Werbetrommel.
Ein Carchauffeur fährt anlässlich der gestrigen Medienführung durch den Gotthard-Strassentunnel. Ginge es nach den Befürwortern einer zweiten Röhre, würden ihm künftig keine Lastwagen im Tunnel entgegenfahren. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Ein Carchauffeur fährt anlässlich der gestrigen Medienführung durch den Gotthard-Strassentunnel. Ginge es nach den Befürwortern einer zweiten Röhre, würden ihm künftig keine Lastwagen im Tunnel entgegenfahren. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Kari Kälin

Die Szenen sind haarsträubend. Ein Autofahrer überholt im Gotthard-Strassentunnel trotz doppelter Sicherheitslinie. Ein Wohnwagen wendet mitten im Tunnel, weil es ihm das GPS so befohlen hat. Solche Manöver ereignen sich zwar nicht täglich, sind aber auch keine Seltenheit, wie Oliver Schürch sagt. Der Chef der Verkehrspolizei Uri zeigte diese Sequenzen gestern in der Einsatzzentrale von Göschenen. Der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) und das Komitee «Ja zum Sanierungstunnel am Gotthard» hatten den Medienanlass organisiert.

Gegenverkehr wäre Geschichte

Exakt heute vor 35 Jahren wurde der 17 Kilometer lange Gotthard-Strassentunnel eröffnet. Bis heute passierten insgesamt 963 Unfälle, 36 Menschen verloren ihr Leben. Für das Ja-Komitee ist die Sicherheit ein zentrales Argument für den Bau einer zweiten Röhre. Denn damit wären der Gegenverkehr und Frontalkollisionen Geschichte, das Potenzial für lebensgefährliche Manöver geringer.

Bundesrat und Parlament haben sich für den Bau eines Sanierungstunnels ausgesprochen. Umweltverbände sowie Parteien aus dem linksgrünen Lager haben das Referendum ergriffen. Voraussichtlich am 28. Februar 2016 entscheidet das Volk, ob für die Sanierung des bestehenden Tunnels eine zweite Röhre gebaut werden soll. Diese Variante würde rund 2,8 Milliarden Franken kosten. Ab dem Jahr 2020 würde zuerst das zweite Loch gebohrt, 2027 würde der alte Tunnel saniert. Im Jahr 2030 sollen dann beide Röhren für den Verkehr freigegeben werden. Eine Fahrbahn bliebe gesperrt und würde lediglich als Pannenstreifen dienen, um dem Alpenschutz Rechnung zu tragen. Er besagt, dass die Kapazität am Gotthard nicht erhöht werden darf.

Mittelleitplanken und Tempo 60

Die Gegner des zweiten Strassentunnels, bei dem die Alpeninitiative und der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) die tragende Rolle spielen, werfen zugunsten von mehr Sicherheit ganz andere Vorschläge in die Waagschale als die Befürworter. Der VCS setzt auf versenkbare Mittelleitplanken, Fahrassistenzsysteme und Tempo 60 anstatt 80. «Der Bau einer zweiten Röhre ist absolut unnötig», sagte Evi Allemann, VCS-Präsidentin und Berner SP-Nationalrätin, Mitte Juli an einer Pressekonferenz in Bern. Die Massnahmen, die der VCS fordere, seien rasch umsetzbar und billiger. «Eine versenkbare Mittelleitplanke würde rund 70 Millionen Franken kosten und ist damit gut vierzigmal kostengünstiger als eine zweite Röhre», so Allemann.

Behinderung der Rettungskräfte

Jürg Röthlisberger ist Direktor des Bundesamtes für Strassen (Astra). Das Astra und unabhängige Experten hätten die Variante mit versenkbaren Mittelleitplanken geprüft, sagt er. Man sei aber zum Schluss gekommen, dass sie im Gotthardtunnel nicht tauge. «Die Fahrbahn würde noch enger als heute, die Spur würde zu einer Art Bobkanal», gibt der Astra-Direktor zu bedenken. Ausserdem handle es sich um eine sehr unglückliche Lösung für die Rettungskräfte. Der Grund: «Bei einem Unfall lassen sich die Leitplanken nicht mehr versenken, weil sie beschädigt und verschoben sind und damit die Rettungskräfte behindern.» Zudem existiere auf dem Markt noch kein zertifiziertes System.

Eine Temporeduktion erachtet Röth­lisberger sogar als kontraproduktiv. «Die Fahrzeit würde länger dauern und die Konzentration nachlassen», sagt der Astra-Direktor. Oder anders formuliert. Wenn man nur noch mit 60 Stundenkilometern durch den Tunnel fährt, droht man einzuschlafen. «Ein richtungsgetrennter Tunnel bietet unbestrittenermassen einen massiven Sicherheitsgewinn», sagt er.

Jährlich 900 000 Lastwagen

Auch die Gegner der zweiten Röhre nehmen das 35-Jahr-Jubiläum zum Anlass, um ihre Botschaft knapp ein halbes Jahr vor dem Urnengang zu platzieren. Die Alpen-Initiative lädt heute am Teufelsstein in Göschenen zu einem Medienanlass. Das Motto: «Eine Röhre reicht.» Die Alpenschützer werden für die Verlagerung plädieren und vor einer Lastwagenlawine warnen. Aus ihrer Sicht droht nämlich eine Verdoppelung der Transitlastwagen, falls die zweite Röhre realisiert wird. Derzeit brettern jährlich rund 900 000 Lastwagen durch den Gotthard-Strassentunnel.

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