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Greta statt Kreta: So schädlich sind unsere Ferienreisen in die verschiedenen Destinationen

Noch ist unklar, was die langfristigen Folgen der Klimadebatte sind. Eine Studie zeigt nun, wie umweltschädlich Ferien in verschiedenen Destinationen sind. Die Reisebüros sind mit einer neuen Forderung konfrontiert.
Benjamin Weinmann
Flugreisen verursachen viel CO2. (Bild: Getty)

Flugreisen verursachen viel CO2. (Bild: Getty)

New York, Reykjavík oder doch lieber Bangkok? Dieser Tage herrscht an Flughäfen Hochbetrieb. Die Frühlingsferien stehen an, in manchen Kantonen haben sie bereits begonnen. Doch während die Passagiere am Check-in-Schalter Schlange stehen, gehen Tausende von Menschen nach wie vor auf die Strasse, inspiriert von der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg, um gegen den Reiseboom anzukämpfen.

Die bange Frage, die sich Reisebüros angesichts tiefer Buchungsstände derzeit stellen, lautet denn auch: Greta statt Kreta? Sinkt bei den Konsumenten wegen der hitzig geführten Klimadebatte die Lust, in ein kerosinverbrennendes Flugzeug zu steigen? Zeigt die sogenannte Flugscham – ein Begriff, der aus Schweden stammt und sich dort im Vokabular etabliert hat – tatsächlich Wirkung?

Wanderferien im Toggenburg oder eine Kreuzfahrt im Mittelmeer

Um zu sehen, welche Umweltbelastungen zehntägige Ferien verursachen, hat unsere Zeitung verschiedene Reiseszenarien vom Beratungsunternehmen ESU-services analysieren lassen. Das Unternehmen berät Firmen wie Coop, Migros, Swisscom und Nestlé und staatliche Institutionen wie das Bundesamt für Energie in Nachhaltigkeitsfragen.

Die verschiedenen Ferienpläne für zwei Erwachsene und zwei Kinder reichen von Wanderferien im Toggenburg über Rucksackferien in Thailand bis hin zur Kreuzfahrt im Mittelmeer. Fokussiert wurde auf Treibhausgasemissionen, die Transportmittel, Unterkünfte und Verpflegung verursachen.

Reisefreudige Schweizer

Die Resultate bringen grosse Differenzen zu Tage. Den grössten Ausstoss verursacht der Roadtrip in Kalifornien mit über 19 Tonnen an Treibhausgasen. Gleich dahinter folgen die Luxusferien auf den Malediven und auf Platz drei die Rucksackreise in Thailand. Am klimafreundlichsten sind hingegen die Wanderferien im Toggenburg mit gerade mal 815 Kilogramm.

Die Umweltorganisation WWF Schweiz kämpft für weniger Verkehr über den Wolken. In erster Linie verfolge man das Ziel, dass die Schweiz eine Klimaabgabe auf Flugtickets einführt, sagt ein Sprecher. Das Parlament hat dies zwar mehrfach abgelehnt, dennoch bestehe Hoffnung, da der politische Wind zuletzt gedreht hat. Es brauche aber weitere Massnahmen:

«Es würde helfen, wenn die Airlines und Reisebüros bei jeder Buchung den entsprechenden Treibhausgasausstoss dem Kunden vor Augen führten.»

Eine solche Massnahme könne eine lenkende Wirkung haben und den einen oder anderen Kunden von einer Langstreckenreise abhalten, sagt der Sprecher. «Schliesslich kann ein Langstreckenflug dem Klima mehr schaden als ein ganzes Jahr heizen und Auto fahren.» Wie Berechnungen des WWF zeigten, reisen Schweizer inzwischen mehr als doppelt so viel per Flugzeug im Vergleich zur Bevölkerung in den Nachbarländern.

Hotelplan offen für WWF-Idee

Niels Jungbluth, Studienautor und Chef von ESU-services, begrüsst die Forderung des WWF nach mehr Transparenz. «Es wäre gut, wenn die Kunden ihre Umweltbelastung sehen und dadurch zum Nachdenken angeregt würden.» Die entsprechenden Werte seien für die Reisebüros einfach zu berechnen, sagt Jungbluth. Solche Umweltetiketten, wie sie seit Jahren auch schon Wasch- oder Geschirrspülmaschinen aufweisen, könnten einen positiven Effekt haben, glaubt der ETH-Ingenieur.

«Wenn ein Flug nach San Francisco im Schaufenster für 500 Franken angepriesen wird, wäre ein roter Balken mit der Angabe der Emissionen angebracht.»

Die Migros-Reisetochter Hotelplan zeigt sich gegenüber der Forderung nach mehr Transparenz offen und bezeichnet es als interessanten Ansatz, der sich insbesondere bei Städtereisen eignen würde. «Es wäre möglich, dass der eine oder andere Kunde dadurch den Zug anstelle des Flugzeugs wählt», sagt ein Hotelplan-Sprecher. Bei Tui Suisse heisst es hingegen, man wolle den Kunden kein schlechtes Gewissen machen, und Globetrotter teilt mit, der Vorschlag verfehle das Ziel, da, wenn schon, alle Konsumgüter ihre Emissionen ausweisen müssten.

Kuoni, Tui und Hotelplan sagen, dass sie die Kunden auf Kompensationsmöglichkeiten aufmerksam machen (siehe Kasten unten). Kuoni bezahlt im Rahmen einer Aktion die Hälfte davon. Reist ein Kunde etwa mit einem Direktflug auf die rund 9300 Kilometer entfernte thailändische Insel Koh Samui, kostet die Kompensation bei der Stiftung My Climate rund 100 Franken.

Vorteile des Tourismusbooms

Die Reisebüros betonen, dass es falsch wäre, weit entfernte Ferien grundsätzlich zu verteufeln. Nachhaltigkeit habe nicht nur eine ökologische, sondern auch eine ökonomische und soziale Komponente, schreibt Hotelplan. Der Tourismus unterstütze die lokale Wirtschaft, sorge für den Erhalt von Sehenswürdigkeiten und das Reisen in fremde Länder helfe, andere Kulturen besser zu verstehen. Eine Sprecherin des Reiseanbieters Globetrotter sagt, es wäre durchaus wünschenswert, wenn gewisse Airlinetickets teurer würden und die Zahl der Kurztrips zurückginge. Es wäre nachhaltiger, wenn weniger oft, dafür länger gereist würde. Verbieten lasse sich das Fliegen aber nicht, denn die Lust am Reisen und Entdecken stecke in den Menschen.

Zahlen fürs gute Gewissen

Die Proteste der Klimajugend lösen ein Unbehagen aus. Manche verzichten darum auf Flüge oder Autofahrten. Und es steigt die Zahl derer, die ihren ökologischen Fussabdruck mit dem Portemonnaie verkleinern wollen. Die Stiftung My Climate bietet dazu eine Art modernen Ablasshandel an. Mit einer Spende kann man für die Menge CO2, die beim Reisen entsteht, einen gewissen Betrag einzahlen. My Climate investiert das Geld in Projekte, die die entstandene Umweltverschmutzung an einem anderen Ort wieder einsparen. Die Nachfrage nach Kompensationen ist noch klein. Nur einer von hundert Flugpassagieren leistet eine Abgabe. Zudem stammen 90 Prozent der Abgaben von Firmen. Doch die Stiftung erlebt jetzt einen Ansturm. Sie dürfte 2018 erstmals die Schwelle von einer Million Tonnen an kompensiertem CO2 überschritten haben. Die Nachfrage nach der Kompensation über den Onlineklimarechner, wo jeder seinen individuellen Verbrauch ausgleichen kann, hat sich während der ersten drei Monate dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. «Wir spüren den Effekt der Klimabewegung», sagt Sprecher Kai Landwehr.

Schädliche Stoffe werden trotzdem ausgestossen

Doch es gibt auch Kritik. «Die Kompensation ändert nichts daran, dass mit der eigenen Reise CO2 und andere Gase in die Luft abgegeben werden», sagt Niels Jungbluth von der Umweltberatungsfirma ESU-services. Der Vielflieger fühle sich etwas besser, der Planet nicht. Kai Landwehr entgegnet, dass die My Climate-Abgabe eine Verursachergebühr mit konkreter Wirkung sei. «Es ist wie bei der Kehrichtgebühr: Wer Abfall oder in diesem Fall Treibhausgase verursacht, bezahlt für deren Entsorgung. Es seien nicht SUV-fahrende Vielflieger, die ihre Flüge kompensierten. «Studien zeigen, dass es ökologisch bewusste Menschen sind, die das Angebot nutzen.» (rit/bwe)

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