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GRIPEN: Saab wollte Politiker Schweden-Reise finanzieren

Ein «Geheimpapier», wirft ein schiefes Licht auf Kampfjet-Hersteller Saab. Es geht um eine geplante Reise der Schweizer Luftwaffenoffiziere.
Eva Novak
Spezialisten der Schweizer Luftwaffe testen im Mai 2012 im schwedischen Linköping den Gripen F Demonstrator. (Bild: Keystone)

Spezialisten der Schweizer Luftwaffe testen im Mai 2012 im schwedischen Linköping den Gripen F Demonstrator. (Bild: Keystone)

Der schwedische Kampfjet-Hersteller Saab habe zwei Ausbildungskurse für die Gripen-Befürworter geplant, je einen in der Schweiz und in Schweden: Dies berichtete diese Woche das Schwedische Radio unter Berufung auf ein «geheimes Treffen» vom 10. Dezember in Bern, an welchem Vertreter des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), der Schweizer und der schwedischen Luftwaffe, von Armasuisse und von Saab teilgenommen haben.

Darum ersucht habe der «Verein für eine Sichere Schweiz» (VSS), welcher die Pro-Kampagne leitet, zitierte der Sender aus einem «geheimen Protokoll» des VBS. Reise und Unterkunft in Schweden hätte Saab bezahlt. Weil der schwedische Konzern aber keine aktive Rolle im schweizerischen Abstimmungskampf einnehmen wolle, habe man auf die Reise nach Schweden verzichtet und sich darauf beschränkt, Vorträge vor Befürwortern in der Schweiz zu halten.

Das Treffen hat stattgefunden

Eine von einem ausländischen Kampfjethersteller finanzierte Schwedenreise zwecks Beeinflussung der Schweizer Stimmberechtigten? Das wäre Wasser auf die Mühlen der Gripen-Gegner, die Saab schon seit längerem vorwerfen, sich unzulässig in den Abstimmungskampf einzumischen. Zumal das vom schwedischen Radio kolportierte Treffen am 10. Dezember in Bern tatsächlich stattgefunden hat, wie Teilnehmer bestätigen. Und Saab-Sprecher Mike Helmy nicht in Abrede stellt, dass man überlegt habe, interessierte Schweizer in die Saab-Werke im südschwedischen Linköping einzuladen, damit sie sich an Ort und Stelle ein Bild vom Unternehmen und seinem Kampfjet machen könnten. «Das war eine Idee von vielen – wir haben sie diskutiert und dann verworfen», sagt Helmy.

Vom VSS sei die Idee aber nicht gekommen, distanziert sich dessen Präsident Jakob Büchler in aller Form. Er beteuert, eine Reise nach Schweden sei nie ein Thema gewesen, und der Verein habe auch nie irgendwelche Kontakte zu Saab hergestellt. «Wir haben eine Kampagne in der Schweiz zu führen und haben in Schweden überhaupt nichts verloren», sagt der St. Galler CVP-Nationalrat.

Offiziere sagen Reise ebenfalls ab

Nach Schweden reisen sollten hingegen Vertreter der Avia, der Gesellschaft der Luftwaffen-Offiziere. «Wir wollten unseren Referenten, die an den Podien für den Gripen kämpfen, einen Wissensvorsprung verschaffen», bestätigt Avia-Präsident Fabian Ochsner auf Anfrage der «Zentralschweiz am Sonntag». Schliesslich müssten die rund 120 Fachleute das Argument der Gegner entkräften, der Gripen sei nur ein Papierflieger. Deshalb habe man ihnen die Gelegenheit geben wollen, ausführlich mit Vertretern von Saab und der schwedischen Luftwaffe zu sprechen. Letztere habe jedoch abgesagt. Gleichzeitig seien in der Schweiz Diskussionen über das Engagement von Saab im Abstimmungskampf aufgekommen.

Aus diesen Gründen habe die Avia Abstand von der Reise nach Schweden genommen. Stattdessen begnügte man sich damit, die Avia-Referenten am letzten Wochenende in Dübendorf zu versammeln und dabei auch von Saab-Leuten informieren zu lassen. Er habe das persönlich entschieden, erklärt Ochsner – und zwar nicht etwa auf Kosten seiner Leute: «Die hätten ein Wochenende und einen Ferientag opfern und in einer Kaserne hausen müssen – das wäre alles andere als ein Luxusreisli gewesen», betont der Avia-Präsident.

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