Grippeimpfungen: Obligatorium ist kein Tabu

Michel Burtscher über die Grippeimpfung bei Spitalangestellten.

Michel Burtscher
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Michel Burtscher

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Eine Mehrheit der Angestellten in den hiesigen Spitälern lässt sich nicht gegen die Grippe impfen. Das ist aus zwei Gründen bedenklich: Einerseits schüren sie dadurch Skepsis gegenüber Impfungen. Wenn sich nicht einmal Per­sonen impfen lassen, die im Gesundheitswesen arbeiten, warum soll es dann die breite Bevölkerung tun? Andererseits gibt es gerade in Krankenhäusern viele schwache Patienten, für die es schlimme Folgen haben kann, wenn sie mit der Grippe angesteckt werden.

Es ist darum zu begrüssen, dass der Bund nun die Haltung des Gesundheitspersonals gegenüber Impfungen untersucht und Spitäler ihre Bemühungen intensivieren, um Grippeansteckungen zu minimieren. Freiwillige Massnahmen haben dabei grundsätzlich Vorrang.

Man darf sich aber auch nichts vormachen: Bund und Spitäler setzen schon seit Jahren auf Freiwilligkeit, Information und Sensibilisierung. Mit mässigem Erfolg. Das Gesundheitspersonal wehrt sich gegen ein Impf­obligatorium. Das ist durchaus verständlich. Der Schutz der Patientinnen und Patienten geht jedoch vor. Extreme Nebenwirkungen bei der Grippeimpfung sind äusserst selten. Ein Impfobligatorium darf darum kein Tabu sein, wenn andere Massnahmen weiterhin nichts nützen.

Michel Burtscher

schweiz@luzernerzeitung.ch