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Nach Tourismus-Knatsch: Thomas Aeschi trifft Titlis-Chef zum Versöhnungsgipfel

Nach einem Skiausflug legte sich SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi mit den Bergbahn-Verantwortlichen in Engelberg an. Jetzt fand der Streit nach drei harten Runden ein versöhnliches Ende.
Sven Altermatt
SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi (l.) und Titlis-CEO Norbert Patt trafen sich zur Aussprache. (Bild: HO)

SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi (l.) und Titlis-CEO Norbert Patt trafen sich zur Aussprache. (Bild: HO)

Thomas Aeschi war genervt, als er am Karfreitag über die Pisten brettern wollte. Kurz vor Saisonschluss besuchte der SVP-Fraktionschef das Skigebiet Engelberg-Titlis. Via Twitter beschwerte er sich über lange Wartezeiten. Aeschi sprach von «Übertourismus» und sah die Touristenströme als Folge des Schengen-Dublin-Abkommens. Die Reaktionen der Touristiker liessen nicht lange auf sich warten. Man sei schlicht befremdet, erklärten die Titlis-Bergbahnen. Es war die erste Runde eines Streits, der bald zu einer touristischen Grundsatzdebatte führen sollte.

Die zweite Runde: Aeschi bekam den Hinweis, dass indische Touristen für einen Tagesausflug auf den Titlis viel weniger Geld hinblättern müssen als andere Gäste. Der Zuger Nationalrat konfrontierte die Bergbahn-Verantwortlichen damit. Doch diese wollten sich in den sozialen Medien erst gar nicht auf eine Diskussion mit Aeschi einlassen. «Wir reagieren nicht auf Belanglosigkeiten und fragwürdige Posts in den Sozialen Medien», entgegnete Titlis-Marketingchef Peter Reinle spitz.

Via E-Mail kam es zu einem veritablen Schlagabtausch. Dass ausländische Touristengruppen billiger auf den Titlis kämen als Schweizer Familien, bezeichnete Reinle als falsch. «Den tiefsten Preis für ein Billett Engelberg–Titlis retour erhält ein Schweizer Gast mit Halbtax-Abo.»

Auch nach einem längeren Hin und Her blieb aus der Sicht von Aeschi noch vieles offen; etwa die Frage, wie viel ein Tourist, der in einer Touristengruppe reist, für eine Fahrt auf den Titlis bezahlt.

Zeit für Runde drei also.

Am Dienstagvormittag kam es im Titlis-Skigebiet zum sprichwörtlichen Gipfeltreffen. Bergbahn-CEO Norbert Patt empfing Thomas Aeschi zum Versöhnungsgespräch.

Der Overtourism und seine Folgen

Nach dem Treffen spricht Aeschi von einem «sehr wertvollen Austausch». «Ich habe einen Einblick in die Arbeit der Touristiker erhalten und wir haben uns über die Frage unterhalten, wohin sich der Tourismus in der Schweiz entwickelt», sagt der SVP-Politiker im Gespräch mit dieser Zeitung. Vor allem jedoch habe er festgestellt:

«Unter dem Strich sind wir uns in den meisten Fragen völlig einig.»

So stünden auch die Engelberger Verantwortlichen grundsätzlich hinter dem Grundsatz «Qualität statt Masse». Aeschi begrüsst, dass man sich in der Zentralschweizer Destination mit der wachsenden Masse an Touristen auseinandersetzt. Tatsächlich «taxiert der Verwaltungsrat das Thema Overtourism und dessen Auswirkungen als neues Risiko», wie es im aktuellen Geschäftsbericht der Bergbahnen heisst.

«Ruinöse Spottpreis-Politik»

Aeschi sprach mit Titlis-CEO Patt auch über den Swiss-Travel-Pass für ausländische Touristen. Bereits für 232 Franken können Besucher hierzulande drei Tage lang den öffentlichen Verkehr praktisch unbeschränkt nutzen. In der Branche ist ein Streit entbrannt, weil mehrere Seilbahnen ihre Fahrten sogar zum Nulltarif anbieten – schliesslich erhalten sie für entsprechende Gäste trotzdem eine Abgeltung.

Aeschi sagt, eine «solch ruinöse Spottpreis-Politik» müsse entschlossen bekämpft werden. Darin sei man sich einig. Er stört sich daran, dass prinzipiell nur Ausländer das Touristen-GA kaufen können.

«Das ist ganz klar eine Diskriminierung der Schweizerinnen und Schweizer.»

Der SVP-Fraktionschef kündigt an, die Entwicklungen in der Tourismusbranche weiterhin beobachten zu wollen. Am Dienstag immerhin musste sich Thomas Aeschi in Engelberg nicht vor Touristenmassen fürchten: In der Zwischensaison herrscht auch am Titlis tote Hose.

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