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«Grossteil der Kunden geht leer aus»: VCS kritisiert neue Entschädigungen für Bahnreisende – das sagt der Bund

Laut einer Verordnung des Bundesamts für Verkehr sollen Zugpassagiere bei grossen Verspätungen entschädigt werden. Der Verkehrsclub der Schweiz und die Stiftung für Konsumentenschutz kritisieren nun aber, dass die meisten Bahnreisenden keinen Anspruch auf solche Entschädigungen erhalten.
Lukas Scherrer
Von den Entschädigungen bei Verspätungen dürften die wenigsten Zugreisenden profitieren. (Archivbild) (Bild: Keystone)

Von den Entschädigungen bei Verspätungen dürften die wenigsten Zugreisenden profitieren. (Archivbild) (Bild: Keystone)

In der EU sind Entschädigungen für Verspätungen im öffentlichen Verkehr schon lange üblich. Mit der neuen Verordnung zur Organisation der Bahninfrastruktur (OBI) schlägt nun auch das Verkehrsdepartement UVEK vor, dass Schweizer Bahnreisende bei Verspätungen von über einer Stunde mit mindestens 25 Prozent des Billetpreises entschädigt werden. Bei Verspätungen über zwei Stunden gar mit der Hälfte des bezahlten Fahrpreises.

Der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) kritisiert nun in einer Mitteilung, dass von der Regelung die wenigsten Zugreisenden profitieren. Weil die Entschädigungen nämlich erst ab einem Mindestbetrag von 10 Franken ausbezahlt werden, müsste ein Zugbillet mindestens 40 Franken kosten, damit Passagiere ein Anrecht auf eine Entschädigung haben.

Stärkung von Zugreisenden nur auf dem Papier

Wer mit dem Halbtax in der zweiten Klasse unterwegs ist, rechnet der VCS in seiner Mitteilung vor, komme mit einer Einfachfahrt kaum je auf diesen Betrag. Damit müsse nämlich eine Strecke von mindestens 290 Kilometer im Zug zurücklegen.

«In den Genuss von Fahrpreisentschädigungen kommen de facto nur Reisende, die entweder ohne Halbtax oder in der ersten Klasse unterwegs sind», bringt es der VCS auf den Punkt. «Der Grossteil der öV-Reisenden geht also leer aus.»

Die neue Verordnung stärke zwar die Passagierrechte auf dem Papier, führe aber zu keinen wahren Verbesserungen für öV-Reisenden, hält der VCS weiter fest. Die Stiftung für Konsumentenschutz schreibt in ihrer Mitteilung gar von einer «unsinnigen Regelung», welche die «Fahrgastentschädigungen zu einer Farce machen».

Der Konsumentenschutz fordert darum vom Bund, den Betrag, ab dem eine Entschädigung erfolgen muss, auf höchstens fünf Franken zu senken. Dies entspreche auch dem Betrag, der für Entschädigungen im EU-Raum üblich sei.

Letztes Wort beim Mindestbetrag noch nicht gesprochen

Michael Müller, Mediensprecher beim BAV erklärt auf Anfrage von CH Media, dass sich die neue Verordnung derzeit in der Vernehmlassung befinde, definitive Entscheide also noch nicht gefallen seien. «Die Suche nach der besten Entschädigungslösung für Bahnreisende läuft noch», so Müller.

Mit dem Mindestbetrag von 10 Franken wolle man den Administrativaufwand in Grenzen halten. Müller hält aber fest: «Auch mit der neuen Verordnung bleibt es den Unternehmen freigestellt, höhere Entschädigungen für Verspätungen festzulegen.» Bis anhin war eine Entschädigung seitens der Verkehrsbetriebe reiner Goodwill. Neu erhalten die Passagiere einen rechtlichen Anspruch.

Im Übrigen glaubt Müller nicht, dass es im Schweizer Bahnverkehr zu vielen Fällen kommen wird, in denen Entschädigungen ein Thema wird. «Die meisten Strecken in der Schweiz werden im Halb- oder sogar Viertelstundentakt bedient. Bevor ein Zug eine Stunde Verspätung hat, ist meist schon der nächste da.»

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