GRÜNDUNG: Ein Albisgüetli für die CVP

«Politischer Aschermittwoch»: Ein neuer Verein aus dem Entlebuch will helfen, die CVP Schweiz zu altem Glanz zu führen. Im Vorstand sitzen prominente Köpfe.

Kari Kälin
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Christian Ineichen, Präsident CVP Entlebuch: «Wir wollen 
einen Anlass mit nationaler Strahlkraft durchführen.» (Bild Kari Kälin/Neue LZ)

Christian Ineichen, Präsident CVP Entlebuch: «Wir wollen einen Anlass mit nationaler Strahlkraft durchführen.» (Bild Kari Kälin/Neue LZ)

Der Wähleranteil der CVP Schweiz ist im letzten Herbst auf rekordtiefe 11,6 Prozent geschrumpft. Im Entlebuch unternehmen Luzerner CVP-Politiker nun einen Versuch, der Partei wieder auf die Beine zu helfen. Gestern wurde der Verein «Politischer Aschermittwoch auf Heiligkreuz im Entlebuch» gegründet. Als Präsident amtet Christian Ineichen, der zugleich der CVP, Wahlkreis Entlebuch, vorsteht. «Langfristig wollen wir die CVP Schweiz stärker machen und einen Anlass von nationaler Strahlkraft durchführen», sagt Ineichen. Im Vorstand sitzen auch Regierungsrat Guido Graf und alt Nationalrat Ruedi Lustenberger.

Bayrische Tradition

In Anlehnung an die Tradition deutscher Parteien will der Verein jeweils am ersten Tag der Fastenzeit im Entlebuch den politischen Aschermittwoch organisieren. Das Ziel: Bekannte Politgrössen sollen zu einem aktuellen Thema referieren. Das Vorgehen erinnert ein bisschen an die Albisgüetli-Tagung der SVP Zürich, an die seit Jahren scharenweise Parteianhänger pilgern. SVP-Vordenker Christoph Blocher analysiert jeweils die politische Grosswetterlage aus seiner Optik, bevor andere Prominenz, häufig ein Mitglied des Bundesrats, Worte ans Publikum richtet.

Pfister sieht Freiheit bedroht

Vor Jahresfrist, bei einer Art Aufgalopp im kleinen Rahmen, trat im Entlebuch Ruedi Lustenberger als Redner auf. Gestern war im Hotel Kreuz in Schüpfheim der Zuger Nationalrat Gerhard Pfister das christdemokratische Aushängeschild. Er hielt vor knapp 100 Personen ein Plädoyer für mehr Freiheit, die er durch Etatismus und die politische Korrektheit bedroht sieht. «Bis weit in bürgerliche Kreise traut man es dem Staat eher zu als den eigenverantwortlichen Menschen, politische und gesellschaftliche Probleme zu lösen», sagte der CVP-Präsident in spe.

Angriff auf die SP

Der Verein «Politischer Aschermittwoch» verortet sich am wertkonservativen Flügel der CVP. «Wir müssen diese Haltung innerhalb der Partei stärker gewichten», sagt Christian Ineichen. Der Anlass am Aschermittwoch bietet auch eine Plattform für beissende Kritik am politischen Gegner. Ineichen selber bot gestern ein Müsterchen und ritt eine Attacke gegen die Sozialdemokraten: Diese würden sich für eine «staatlich verordnete, aber von Leistungsträgern bezahlte Bequemlichkeit» einsetzen, «damit die Unterschiede zwischen arbeitsscheuen und umtriebigen Einwohnern nicht allzu offensichtlich werden».

Gemäss den Statuten will der neue Verein «die traditionellen eidgenössischen Werte» wahren. Ruedi Lustenberger versteht darunter etwa die direkte Demokratie, den Föderalismus, Eigenverantwortung, Solidarität und sozialen Frieden.

Zentrale begrüsst Engagement

Und was sagt die CVP Schweiz zum Support aus dem Entlebuch? «Wir begrüssen das Engagement und freuen uns über die Unterstützung», sagt Generalsekretärin Béatrice Wertli. Es gebe viele Türen, die in das Haus der CVP-Familie führen. Wertli denkt dabei zum Beispiel an die JCVP, die CVP Frauen, die CVP 60+. «Nun gibt es einen weiteren Zugang zu unserer Politik», so Wertli.