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GÜTERVERKEHR: Transportbranche hofft auf Neat

Mit Hilfe des Gotthard-Basistunnels und der Regierung Italiens will das Transportunternehmen Hupac wieder in die Spur finden.
Livio Brandenberg
Busto Arsizio-Gallarate in der Lombardei ist der zentrale Hub im Netzwerk der Hupac. Züge verbinden den Terminal mit Destinationen in der Schweiz und dem übrigen Europa. PD

Busto Arsizio-Gallarate in der Lombardei ist der zentrale Hub im Netzwerk der Hupac. Züge verbinden den Terminal mit Destinationen in der Schweiz und dem übrigen Europa. PD

Livio Brandenberg

Am 1. Juni wird der längste Eisenbahntunnel der Welt eröffnet. Der Gotthard-Basistunnel, das Herzstück der Neat, geht dann offiziell an die SBB über. Güterzüge werden zwar erst ab 2017 regelmässig durch den neuen Basistunnel rollen – bis dahin finden lediglich Testfahrten statt –, doch die Euphorie in der Branche ist bereits jetzt spürbar.

Die im kombinierten Lastwagen-Güterzug-Verkehr tätige Hupac AG (siehe Box) präsentierte gestern ihre Geschäftszahlen für das Jahr 2015 (siehe Tabelle) und präsentierte eine neue, auf Wachstum ausgerichtete Strategie. In den letzten Jahren lief es für die Hupac nicht wunschgemäss, das Geschäft stagnierte. Aufschwung bringen soll laut den Verantwortlichen der Gotthard-Basistunnel. «Wir haben in den letzten Jahren gelitten, doch der Gotthard-Basistunnel ist ein epochales Ereignis», sagte Hupac-Verwaltungsratspräsident Hans-Jörg Bertschi. Der neue Basistunnel sei ein Gegen­mittel gegen die aktuellen Herausforderungen – vor allem gegen den schwachen Euro und den tiefen Ölpreis, wie Bertschi erläuterte. Das billige Benzin macht den reinen Strassentransport zu einer günstigen Alternative zum Schienen- oder kombinierten Verkehr (Strasse und Schiene). «Langfristig führt der Basistunnel zu einem Quantensprung, zu einer Trendwende im kombinierten Verkehr», ist Bertschi überzeugt.

Die einzige Flachbahn durch die Alpen lässt die Hupac hoffen, dereinst um bis zu 30 Prozent mehr Güter zu transportieren. Kurz- und mittelfristig gibt es aber noch zahlreiche Baustellen: Der Ceneri-Basistunnel etwa, ein weiteres Kernstück der Nord-Süd-Achse der Neat, ist erst 2020 fertig. Mit der Eröffnung des Ce­neri-Tunnels wird die ganze Strecke von Rotterdam durch den Gotthard und den Ceneri bis nach Mailand zur Flachbahn.

Auf die Frage, ob die Zuversicht zum heutigen Zeitpunkt aber nicht ein wenig verfrüht sei, räumte der Hupac-Präsident ein: «Ja, der Gotthard-Basistunnel bringt vorerst nicht viel, der erste grosse Sprung kommt 2017 mit der Inbetriebnahme des Systems.» Konkret bedeutet dies, dass ab dann nicht mehr drei Lokomotiven 550 Meter lange Züge über den Gotthard schleppen müssen. Neu wird eine Lok pro Zug reichen, und die Fahrzeit auf der um 30 Kilometer kürzeren Strecke wird sich um rund 30 Minuten redu­zieren. «Ein weiterer Produktivitätssprung kommt 2020 mit der Verlängerung der Züge auf 750 Meter», sagte Hupac-Direktor Bernhard Kunz.

«Aufs Gaspedal treten»

Ein weiterer Vorteil sei, dass der Transport berechenbarer und sicherer werde, so Kunz: «Bisher hatten wir auf der Gotthard-Bergroute fast jede Woche eine bis zwei Streckensperrungen wegen Lawinen oder Steinschlag.» Und schliesslich werde auch das Rollmaterial weniger beansprucht als auf der Bergstrecke und brauche deshalb weniger Unterhalt, weiss Kunz. «Wir wollen wieder aufs Gaspedal treten», fasste der Hupac-Direktor die nahe Zukunft zusammen.

Die Herausforderungen begleiten den Transporteur und den kombinierten Verkehr aber weiterhin: Im nächsten Jahr muss die Huapc eine halbjährige Sperrung der Luino-Linie verkraften.

Renzi will Verkehrswende

Wie erfolgreich das Gesamtprojekt Neat sein wird, hängt stark vom Ausland ab. Entscheidend ist die Realisierung der Anschlüsse an die Schiene, also der Umlade-Terminals. Diese verlief in den letzten Jahren in Italien, vor allem im Raum Mailand, schleppend. Zudem hatte Italien in den vergangenen Jahren beim Güterverkehr wieder vermehrt auf die Strasse statt auf die Schiene gesetzt und das Bahnangebot stark abgebaut. Die Hupac-Chefs sind aber auch hier zuversichtlich. Bei einem Treffen letzten Monat in Rom hätten ihnen italienische Bahnvertreter und Politiker zugesichert, dass die Regierung von Matteo Renzi eine Trendwende im Verkehr wolle, sagte Bernhard Kunz. Man habe Einblick in unveröffentlichte Strategiepapiere gehabt, so Kunz. Renzis angebliches Versprechen, den Güter­verkehr vermehrt auf die Schiene zu verlagern, birgt enormes Potenzial: Heute werden in Italien über 90 Prozent der Güter auf der Strasse befördert.

Fakten zur Firma

Die Hupac AG ist die grösste Schweizer Firma im kombinierten Güterverkehr. Gegründet wurde das Unternehmen 1967 in Chiasso, wo bis heute der Hauptsitz ist. Hupac beschäftigt 413 Mitarbeitende und besitzt über 5000 Wagen sowie zehn Lokomotiven. Pro Tag fahren rund 100 Hupac-Züge quer durch die Schweiz und Europa. Die Kunden sind Transport- und Logistikunternehmen aus der ganzen Welt.

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