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«Häufig fühlen sich die Patientinnen wie erschlagen»

Nachgefragt
Santina Russo

Monika Biedermann, Sie waren eine der ersten Breast Care Nurses in der Schweiz. Was tun Sie für die Brustkrebs-Patientinnen in der Frauenklinik des Berner Inselspitals?

Monika Biedermann (Bild): Ich bin für sie so etwas wie der rote Faden während ihrer Behandlung. Die Patientinnen durchlaufen je nach Brustkrebsart verschiedene Therapien, für die immer wieder andere Ärzte und Pflegende zuständig sind. In diesem komplexen Ablauf bin ich die konstante Ansprechpartnerin, an die sich die Patientinnen mit ihren Fragen, Sorgen und Ängsten wenden können.

Wie oft haben Sie Kontakt mit den Frauen?

Das ist unterschiedlich, je nachdem, was sie brauchen. Es gibt Patientinnen, die ich für eine gewisse Zeit wöchentlich zu einem Gespräch treffe oder mit ihnen telefoniere. Beispielsweise zurzeit eine Frau, die eine Chemotherapie neu angefangen hat und gegen starke Angstgefühle kämpft.

Ist Angst bei vielen Patientinnen ein Problem?

Ja, die Diagnose Krebs ist für alle Patientinnen ein Schock und ein enorm stressiger Moment – das kann grosse Ängste auslösen. Deshalb bin ich dabei, wenn der Arzt die Patientin über die Diagnose und mögliche Therapien informiert. Bei diesen Gesprächen bleiben erfahrungsgemäss längst nicht alle Informationen bei den Frauen hängen. Häufig fühlen sie sich wie erschlagen und merken erst daheim, dass sie nicht alles verstanden haben. Deshalb rufe ich sie nach einigen Tagen an, frage nach, wie es ihnen nun geht und ob sie alles verstanden haben. Auch später bin ich für die Patientinnen da, meist immer dann intensiver, wenn eine Entscheidung über eine bestimmte Therapie ansteht.

Wie können Sie Ihren Patientinnen bei den Entscheidungen helfen?

Ich kann mit ihnen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Therapien genau anschauen und besprechen, wie sich die Nachteile in ihrem Alltag auswirken. Beispielsweise die Nebenwirkungen von Bestrahlung und Chemotherapie: Die meisten Frauen haben unbegründet grosse Angst, dass ihnen von der Chemo übel wird. Doch heute haben wir das viel besser im Griff als früher. Ich kann ihnen also einige ihrer Befürchtungen nehmen.

Gehen Ihnen die Geschichten Ihrer Patientinnen nahe?

Ja, sie berühren mich schon. Es gehört schliesslich zu meiner Aufgabe, eine Beziehung zu den Frauen aufzubauen. Dabei gibt es auch sehr schöne Momente. Etwa, als mich eine ehemalige Patientin, die zum Zeitpunkt der Diagnose im dritten Monat schwanger war, mit ihrem gesunden Neugeborenen besuchen kam. Das ging mir sehr nahe.

Und die traurigen Schicksale – wenn es jemand nicht schafft?

Natürlich, auch die gehen nicht spurlos an mir vorbei. Das muss aber nicht unbedingt ein schlechtes Gefühl sein. Ich denke an eine Patientin von mir, die vor einiger Zeit die Behandlung abgebrochen hat. Bei ihr half jah­relang keine Therapie, und schliesslich meinte sie: Jetzt ist genug. Obwohl sie nicht mehr in Behandlung ist, telefonieren wir immer noch alle zwei bis drei Wochen oder schreiben uns per E-Mail. Ihr Alltag wird zwar immer schwieriger, doch sie ist trotzdem noch sehr aktiv und macht das Beste aus der Zeit, die ihr bleibt. Für mich ist sie deshalb ein Vorbild. Auch ich wünsche mir, einmal auf diese Weise mit meinem Tod umgehen zu können.

Interview: Santina Russo

wissen@luzernerzeitung.ch

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