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Hanspeter Thür: Einmal Politik, immer Politik

Hanspeter Thür, der ehemalige Eidgenössische Datenschützer und Nationalrat, kehrt als Aarauer Stadtrat in die Politik zurück.
Hanspeter Thür, neugewählter Aarauer Stadtrat. (Bild: Chris Iseli/ Aargauer Zeitung)

Hanspeter Thür, neugewählter Aarauer Stadtrat. (Bild: Chris Iseli/ Aargauer Zeitung)

Er befasste sich immer gern mit den grossen Fragen. Und den Grossen überhaupt. Zum Beispiel mit Google. Als Datenschutzbeauftragter des Bundes legte der Grüne sich erfolgreich mit dem Weltkonzern an, als es um den Kartendienst Street View und dessen sensible Bildaufnahmen ging. Hanspeter Thür zog den Giganten vor Bundesgericht und setzte die Verpixelung des Fotomaterials durch. Dann, nach 15 Jahren «als eidgenössisches Gewissen in Sachen Datenschutz» (SRF), schien Thür Richtung Pension zu steuern. Doch wer den im sankt-gallischen Staad aufgewachsenen und heimatberechtigten Rechtsanwalt und Juristen kennt, wusste schon Ende 2015: Das wird es kaum gewesen sein.

Die Prognose sollte sich bestätigen: Thür, zwischen 1987 und 1999 Nationalrat, hielt es nicht lange mit der selbstverordneten Ruhe. Der heute 68-jährige, ambitionierte Velofahrer und Langläufer entdeckte den «Hometurf» in Aarau, wo er vor über drei Jahrzehnten auch seine ersten politischen Sporen als Grossrat abverdient hatte. Der Stadtrat berief den ebenso erfahrenen wie smarten Politprofi als Koordinator in einer schwierigen Auseinandersetzung um den städtischen Kulturraum «Alte Reithalle». Ein durchaus geschickter «Move», ist rück­blickend festzuhalten. Denn als die Stadtratswahlen näher­rückten und die Linken und Grünen nach Mitteln und Wegen suchten, die bürgerliche Mehrheit in der Exekutive zu knacken, war Thür die ideale Speerspitze. Und eine, die stach: Thür zog am Wochenende mit Pauken und Trompeten in den Stadtrat ein und jagte der SVP den einzigen Sitz in der siebenköpfigen Stadtregierung ab. Offen ist einzig noch die Frage des Stadtpräsidiums: SP und FDP machen das unter sich aus. Und Thür wird wohl Vize. Was in Aarau schon am Wochenende das Bonmot hervorbrachte: Wer wird unter Thür Stadtpräsident?

Es bringt zum Ausdruck: Da ist einer, der seine langjährige berufliche und politische Erfahrung einbringen will. Da ist einer, dem die Stadt, in der er seit fast 40 Jahren lebt, «ans Herz gewachsen» ist, wie er sagt. Da ist aber auch einer, der es nicht lassen kann – und den ein starkes Ego leitet. Seine Neider machen zuweilen einen Schuss Eitelkeit aus. Dazu gehört auch, dass Thür zu jenen gehört, die an privilegierter Lage wohnen, einen Pool ihr Eigen nennen und am Bodensee ein Boot haben. Doch das ficht ihn nicht an – er billigt sich «einen gewissen Narzissmus im durchschnittlichen Umfang» zu, wie er der «Aargauer Zeitung» vor der Wahl sagte. Und geschadet hat es ihm offensichtlich nicht.

Dabei hatte er seine Rentree in die Politik gar nicht auf dem Radar, sondern vielmehr seine beiden Enkel. Junge Grüne aber waren es gleich­wohl, die das Feu politique neu in ihm entfachten. Gefahr inklusive, dass er scheitern könnte. Wie damals, als er Nationalratspräsident werden wollte. Wie damals, als er gerne nebenamtlicher Bundesrichter geworden wäre.

Tempi passati. Thür ist noch einmal dort angekommen, wo alles begonnen hat. Und mit jugendlichem Elan unterwegs – jedenfalls gar nicht so, als müsste er den «Quoten-Alten» geben. Im Gegenteil. Er wirkt spritzig wie perlender Champagner. Auch wenn er sich gegen das Etikett «Cüpli-Grüner» wehrt und sich als «Realo» bezeichnet. Das passt zu einem, der gern Schreiner geworden wäre und nun nochmals dicke politische Bretter bohren will. Zuerst geht es nun aber erst einmal zur verschobenen Schulteroperation.

Balz Bruder

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