«Mini-Minarett»: Anwohner erhebt Einsprache gegen goldene Kuppel auf Berner Moschee

Das Egerkinger Komitee geht gegen den geplanten Bau einer Kuppel auf dem Haus der Religionen in Bern vor. Die 75 Zentimeter lange Spitze auf der Kuppel erinnert die nationalkonservative Organisation an ein Minarett. Deren Bau sei eine Provokation.

Roger Braun
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Das Haus der Religionen am Berner Europaplatz. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Das Haus der Religionen am Berner Europaplatz. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Der geplante Bau einer goldenen Kuppel auf dem Haus der Religionen in Bern verzögert sich. Kurz vor Ablauf der Einsprachefrist hat ein Anwohner eine Einsprache beim Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland eingereicht.

«Es ist eine Einsprache gegen das Bauprojekt bei uns eingegangen», bestätigt Verena Bender vom Regierungsstatthalteramt die Informationen dieser Zeitung.

Beanstandet werden mehrere Dinge: Das Ortsbild werde beeinträchtigt; ein Dachaufbau sei nicht erlaubt; das Dach müsse begrünt werden; die geplante Beleuchtung widerspreche den Energievorschriften; und in der amtlichen Publikation fehle der Hinweis, dass es sich beim Dachaufbau um ein Minarett handle.

Im Namen des Kampfes gegen Minarette

Walter Wobmann. (key)

Walter Wobmann. (key)

Hinter der Einsprache steht das Egerkinger Komitee, das einst die erfolgreiche Initiative für ein Verbot von Minaretten lanciert hatte. Die Eingabe ist denn auch vielmehr politisch als baurechtlich motiviert. Der Präsident des Komitees Walter Wobmann sagt:

«Der geplante Bau ist ein Verstoss gegen den Volkswillen. Die Kuppel mit Turm ist genauso wie ein Minarett ein Zeichen des politischen Islams und gehört deshalb verboten.»

Das Egerkinger Komitee hatte bereits bei der Auflage des Baugesuchs gegen das Projekt protestiert und nach möglichen Einsprechern gesucht. Wie sich nun zeigt, mit Erfolg: Man habe dem Einsprecher rechtlich beraten und die Kosten der Eingabe übernommen, sagt Wobmann.

Für den Solothurner SVP-Nationalrat und seine Mitstreiter ist klar: Beim 3,5-Meter hohen Aufbau handelt es sich um ein Minarett – und das obwohl die Spitze auf der Kuppel lediglich 75 Zentimeter hoch ist. Wobmann sagt:

«Mit 75 Zentimeter fängt es an, dann ist es ein Meter und plötzlich sind es mehrere Meter. Wir müssen diese Machtansprüche im Keim ersticken.»

Turmspitze ist 75 Zentimeter hoch

Komplett anders sieht das der zuständige Imam von Bern Mustafa Mehmeti. Den Vergleich bezeichnete er vor einigen Wochen gegenüber dem Schweizer Radio SRF als «irrational ». Er sagte:

«Wenn jemand Mühe hat, einen Unterschied zwischen einer Kuppel und einem Minarett zu machen, ist das genauso, wie wenn jemand nicht zwischen Ameisen und Elefanten unterscheiden kann.»

Für Mehmeti ist es selbstverständlich, dass zu einer Moschee eine Kuppel gehört. Damit werde eine Moschee von aussen erst erkennbar. Mit einem Minarett habe das Ganze überhaupt nichts zu tun.

Streit am Ort des konfessionellen Austausches

Der Konflikt spielt sich an einem symbolträchtigen Ort ab. Am Europaplatz in Bern steht seit dem Jahr 2014 das Haus der Religionen mit markanter Glasfassade. Es vereint die jüdische, christliche, islamische, buddhistische und hinduistische Glaubensgemeinschaften und ist ein beliebter Ort für kulturelle und religiöse Veranstaltungen.

Die goldene Kuppel soll direkt über dem Haupteingang der Moschee zu liegen kommen. Auf demselben Dach befindet sich bereits die Spitze eines hinduistischen Tempels. Die goldene Kuppel ist 3,5 Meter hoch und 3,5 Meter breit. Sie war schon lange geplant, wurde aber mangels finanzieller Mittel zunächst nicht realisiert. 

Geplant ist auch eine Lichtinstallation, die bis jeweils 23 Uhr die Kuppel «moderat ausleuchten» soll. Auch diese markiert für die Gegner um Wobmann den «islamistischen Machtanspruch, der nichts in der Schweiz verloren hat». 

Wobmann hat auch im Parlament interveniert

Das Egerkinger Komitee geht nicht nur rechtlich gegen den geplanten Bau vor, sondern auch politisch. Wobmann hat in dieser Session den Bundesrat mit der Thematik konfrontiert. «Wie ist dieser Turm mit dem seit 2009 in der Verfassung stehenden Verbot vom Bau von Minaretten vereinbar?», fragte der SVP-Nationalrat die Landesregierung in der Fragestunde.

Diese hatte allerdings mässig Lust, sich mit der Thematik zu beschäftigen. Der Bundesrat kenne die Details des Projekts nicht, beschied sie Wobmann in aller Kürze. «Es ist auch nicht am Bundesrat, die Rechtskonformität eines allfälligen Bauprojekts zu beurteilen.» Wobmann möge sich doch bitte an die Stadt und den Kanton Bern wenden.