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Naturschützer ärgern sich über Wanderer, die den Heli nehmen

Wanderer klagen über Biker, die sich per Helikopter auf die Berge transportieren lassen. Allein: Auch Wandervögel fliegen mitunter gerne in die Höhe.
Daniel Fuchs
In Interlaken werden per Helikopter Wandertouren angeboten. Im Symbolbild: Ein Helikopter der Air Zermatt. (Symbolbild: KEYSTONE/Olivier Maire)

In Interlaken werden per Helikopter Wandertouren angeboten. Im Symbolbild: Ein Helikopter der Air Zermatt. (Symbolbild: KEYSTONE/Olivier Maire)

Eigentlich wäre Zwischensaison. Viele Bergbahnen revidieren ihre Anlagen und stehen still. Doch die Prognose für die nächsten Tage verspricht Wanderwetter. Was also tun, wenn die Bergbahn Pause macht? Die streitbare Lösung für jene, die den Berg nicht aus eigener Kraft erklimmen mögen: Heli-Hiking, zu Deutsch: Heli-Wandern.

In der Schweiz gibt es mehrere Anbieter. Beispiel 1 verspricht ein exklusives Erlebnis und heisst «Helicopter Glacier Hike-Exclusive Panorama Tour». Wer das Angebot eines Interlakner Bergführerbüros buchen will, braucht explizit keine Alpinismus-Erfahrung, ein Guide ist schliesslich mit dabei.

Naturschützerin Maren Kern ist entsetzt. Sie ist Geschäftsführerin von Mountain Wilderness. Jener Organisation also, die sich seit Jahren gegen Heli-Skiing wehrt. Mehr oder weniger erfolglos. Ihrem Ziel ist die Organisation nicht näher gekommen. Im Gegenteil: Diesen Sommer wurden erstmals Mountainbiker mit dem Helikopter in die Walliser Bergwelt geflogen. Zum Heli-Biking. Und das auch noch zum Billigtarif. Im Nobelort Zermatt kostet eine Heli-Biking-Tour gerade einmal 80 Franken, wie diese Zeitung berichtete (Ausgabe vom 26.10.). Günstiger lässt sich hierzulande nirgendwo Helikopter fliegen.

Der Adrenalinschub

Beispiel 2 kommt aus dem Wallis und richtet sich wie das Angebot aus dem Berner Oberland an englischsprachige Kunden: «High End Heli-Hiking» des Anbieters Swiss Ski Safari ermöglicht sogenannte «Heli-Hike Safaris», bei denen die Teilnehmer auf einem Berggipfel aus dem Helikopter steigen und mit Bergführern die Bergwelt erkunden. Das Unternehmen mit Sitz in Malibu, Kalifornien und Anzère, Wallis, verspricht auf seiner Website Adrenalinschübe. Und: «Wandern in den Alpen war nie luxuriöser.

Eine Anfrage bei Swiss Ski Safari bleibt unbeantwortet und der Inhaber des Interlakner Bergführerbüros verweist auf seinen Partner, die Heli-Firma Swiss Helicopter.

Swiss Helicopter ist der grösste Heliflug-Anbieter in der Schweiz. Bei Heli-Biking macht das Unternehmen nicht mit. Auch aus Rücksicht auf die Leute, die dem Heli-Tourismus kritisch gegenüberstehen, sagte Geschäftsführer Patrick Aegerter. Nun wird aber klar: Auf Heli-Hiking-Flüge will Swiss Helicopter nicht verzichten. «Es kann sehr vereinzelt vorkommen, dass wir für einen Bergführer einzelne Flüge durchführen, welche er auch selber organisiert», sagt Aegerter nun. Swiss Helicopter würde Heli-Hiking aber nicht selbst anbieten. «Und wir bewerben es auch nicht.»

Heli-Skiing, Heli-Biking, Heli-Wandern – alles möglich in der Schweiz. Im Netz stösst man auf eine Vielzahl weiterer Angebote: In Neuseeland kann man unter anderem Heli-Jagen, in Kanada geht es zum Heli-Fischen. Die Firmen werben dort mit Exkursionen in «entlegene Gebiete».

Kaum Heli-Tourismus in Österreich

«Solche Gebiete gibt es in Ländern wie Kanada oder Neuseeland», sagt Maren Kern von Mountain Wilderness. «In der Schweiz kann aber von entlegenen Gebieten nicht die Rede sein, kein Land hat ein dichteres Netz von Transportanlagen über seine Berggipfel gespannt.» Heli-Tourismus ist aus der Sicht der Naturschützer also nicht nur schädlich für Landschaft und Natur, sondern in einem Land wie der Schweiz schlicht unnötig. In den Nachbarländern gehe es bis auf wenige Ausnahmen in Österreich und Italien schliesslich auch ohne Heli-Tourismus.

Für die Reglementierung des Flugbetriebs ist hierzulande das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) zuständig. Rechtlich sei die Situation klar, schreibt ein Sprecher. Die Gebirgslandeplätze seien definiert, Flüge zu touristischen oder sportlichen Zwecken zulässig.

Mountain Wilderness aber verweist auf ein weiteres Dokument, das die Nutzung der Gebirgslandeplätze reglementiert, den Sachplan Infrastruktur Luftfahrt. Darin ist stets die Rede von Heli-Skiing. Mountain Wilderness geht deshalb von einer zulässigen Nutzung der Gebirgslandeplätze während der Winter- und Frühjahrsmonate aus, wenn also genug Schnee liegt. Die Naturschützer fordern deshalb vom Bund, dass er die Nutzungsbestimmungen der einzelnen Gebirgslandeplätze überprüft und anpasst.

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