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HILFE: Die vielfältigen Sorgen der Bauern

Wenn Bauern in Not sind, bieten Sorgentelefone ein offenes Ohr. Die vom Bauernverband viel kritisierte Landwirtschaftspolitik des Bundes ist dort nur am Rande ein Thema.
Im Kanton Zug gibt es aktuell noch 569 Bauernbetriebe. (Symbolbild ZZ)

Im Kanton Zug gibt es aktuell noch 569 Bauernbetriebe. (Symbolbild ZZ)

Sie sitzen wie niemand sonst am Puls der Schweizer Bauern: die Berater der eigens für die Landwirte vorgesehenen Beratungsstellen, die telefonisch, aber auch per Mail erreichbar sind. Eine von ihnen ist das Bäuerliche Sorgentelefon. Im vergangenen Jahr klingelte es 123 Mal, mehrheitlich waren die Anrufer zwischen 50 und 60 Jahre alt. Die Zukunftssorgen aufgrund der Landwirtschaftspolitik des Bundes, die von den Bauernorganisationen wegen der geplanten Marktöffnung laut kritisiert wird, spüren die Sorgentelefone zwar auch. Die konkreten Gründe für Fragen und Hilferufe sind aber oft andere. «Die Agrarpolitik ist vielleicht der Auslöser für einen Anruf bei uns, aber der Kern des Problems liegt woanders», sagt Ueli Straub, Geschäftsleiter des Bäuerlichen Sorgentelefons.

Die Telefonberater spürten vorab die indirekten Folgen von politischen Ankündigungen und Entscheiden: «Wer schon im Dunkeln sitzt, für den kann die Politik eine Bestätigung sein, dass es nicht heller wird.» Die Zukunft ihres Betriebs, Geldsorgen, Überlastung, aber auch familiäre Probleme treiben Bauern um.

Kampf um das Land

«Einen Schwall von Anrufen hat die Gesamtschau des Bundes­rates nicht ausgelöst», sagt auch Ernst Flückiger, Leiter Fachbereich Beratung am Inforama Rütti in Zollikofen, einer anderen Anlaufstelle für Bauern in Not. Er bekomme aber täglich Coachinganfragen zum Umgang mit der Belastung oder auch zur Zukunft eines Betriebes, sagt Flückiger. «Im Gespräch tauchen dann die Lasten auf», erzählt er. «Die Arbeitswoche auf dem Hof hat oft über 60 Stunden.» Manchmal komme für die Bäuerin und den Bauern ein weiterer Job dazu, Kinder, Weiterbildung, ein Amt bei einer Organisation oder in der Politik.

Laut Ueli Straub vom Bäuerlichen Sorgentelefon kann auch die grosse Nachfrage nach Landwirtschaftsland bei den Bauern bisweilen zu schierer Verzweiflung führen. «Betriebe wollen wachsen. Sobald einer in der Nachbarschaft Schwäche zeigt, beginnen die Geier zu kreisen», sagt Straub. Bauern arbeiten im Schaufenster: Geht es den Tieren auf dem Hof nicht gut oder hängen keine Geranien mehr vor den Fenstern, wird das sofort gesehen und kommentiert. Straub erwähnt auch den Berufsstolz: Man will saubere Arbeit abliefern, sein Können im haushälterischen Umgang mit dem Boden beweisen. «Viele arbeiten, bis es nicht mehr geht, und im schlimmsten Fall heisst es dann, die Agrarpolitik sei schuld. Häufig ist die Ursache aber eine ganz andere», sagt der Geschäftsleiter des Sorgentelefons.

Den Betrieb in Frage stellen können auch Scheidungen, etwa wenn der Partner oder die Partnerin mit viel Geld ausbezahlt werden muss. «Meistens zieht die Frau weg», sagt Straub. «Sie verliert so nicht nur die Beziehung, sondern oft auch den Beruf und ihr soziales Netz.»

Es sei zentral, ohne Vorurteil zuhören zu können, umschreibt Straub die Aufgabe der zurzeit neun ehrenamtlich tätigen Berater beim Bäuerlichen Sorgentelefon. Lebenserfahrung und eine Beziehung zur Landwirtschaft sind weitere Anforderungen. Das Bäuerliche Sorgentelefon gibt es seit 1997. Es ist als gemeinnütziger Verein organisiert und wird mit Spenden finanziert. (red/sda)

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