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HITLER-VERGLEICH: Hau den Trump – und wo liegt die Grenze?

Kritik am Präsidenten ist sehr wohl angebracht. Sie tut sogar not. Die Grenze überschritten wird aber dann, wenn damit die Gefühle von Dritten verletzt werden. Dominik Buholzer kommentiert die jüngste «Stern»-Ausgabe.
Dominik Buholzer, Leiter «zentralschweiz Am Sonntag»,
Dominik Buholzer (Bild: Pius Amrein / LZ)

Dominik Buholzer (Bild: Pius Amrein / LZ)

Man muss ihn nicht einmal mögen, um zum Schluss zu kommen, dass dies zu weit geht. Das deutsche Magazin «Stern» zeigt in seiner aktuellen Ausgabe auf der Front US-Präsident Donald Trump, wie er, eingehüllt in eine amerikanische Flagge, den rechten Arm zum Hitlergruss ausstreckt. Daneben wird gross angeprangert: «Sein Kampf», und im Untertitel heisst es: «Neonazis, Ku-Klux-Klan, Rassismus: Wie Donald Trump den Hass in Amerika schürt».

Hau den Trump ist salonfähig geworden. Kein US-Präsident wurde in der jüngsten Vergangenheit von den Medien dermassen hart angefasst wie Donald Trump. Der «Spiegel» stülpte dem 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika jüngst auf seiner Frontseite die Ku-Klux-Klan-Kapuze über und deutete damit seine Nähe zur rechtsradikalen Szene an. Der «New Yorker» ging nicht ganz so weit. Das amerikanische Magazin setzte ihn ans Steuer eines Bootes und liess ihn in ein Segel blasen, das die Form einer Ku-Klux-Klan-Haube hat. Der britische «The Economist» präsentierte den US-Präsidenten auch schon mal als Chaoten, der einen Molotowcocktail wirft. Darüber die Schlagzeile: «Ein Aufständischer im Weissen Haus».

Ob dies nun guter oder schlechter Stil ist, darüber lässt sich wahrlich streiten. Gewiss ist: Dies ist nicht zuletzt auch dem immer wieder unmöglichen Auftreten des amerikanischen Präsidenten zuzuschreiben. Er hat sehr früh zu erkennen gegeben, was er von kritischem Journalismus hält beziehungsweise von Journalisten, die sein Getue kritisch hinterfragen. Dass ihm nun ein rauer Wind entgegenbläst, ist weiter nicht verwunderlich.

Kritik am Präsidenten ist sehr wohl angebracht. Sie tut sogar not. Die Grenze überschritten wird aber dann, wenn damit die Gefühle von Dritten verletzt werden. Und genau dies tut der «Stern». Das Magazin, das 1983 den gefälschten Hitler-Tagebüchern aufsass und damit eine journalistische Peinlichkeit sondergleichen produzierte, zeigt wenig Bewusstsein für die Geschichte. Das Titelbild verharmlost die Gräueltaten der Nationalsozialisten. Was der «Stern» gemacht hat, ist ein Affront gegenüber den Opfern des Holocaust. Und es ist auch ganz einfach geschmacklos.

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»,

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch

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