Kommentar

Hohe Preise, hohe Erwartungen

Die Verspätungen und Störungen bei den SBB haben sich zuletzt gehäuft. Das kommt nicht von ungefähr: Die Bundesbahnen sind im Umbruch. Reorganisation folge auf Reorganisation, das führe zu Überforderung, schreibt Patrik Müller in seinem Kommentar.

Patrik Müller
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Patrik Müller

Patrik Müller

Wer regelmässig mit den SBB unterwegs ist, stellte in den vergangenen drei Wochen eine Häufung von Verspätungen und Störungen fest. Ist die Schweiz daran, den Nimbus des verlässlichsten Bahnlandes der Welt zu verlieren? Verlässlich ist die Reaktion der SBB auf diesen Verdacht: Die subjektive Wahrnehmung sei das eine, die objektive Statistik das andere. Und diese belege, so die SBB, dass 90 Prozent der Passagiere pünktlich ankämen.

Das mag so sein. Aber erstens hilft es dem Kunden, der gerade den Anschlusszug verpasst hat, herzlich wenig, wenn er weiss, dass er ein statistischer Ausreisser sein soll. Und zweitens zeigen jetzt Auswertungen unserer Zeitung, dass die SBB auf einzelnen Strecken auch statistisch unschweizerisch unpünktlich sind: In der Ostschweiz beispielsweise gibt es Linien, wo 40 Prozent der Züge verspätet ankommen, zwischen Basel und Zürich 28 Prozent.

Womöglich sind also doch nicht überkritische Bahnfahrer und die Medien das Problem. Es liegt bei den SBB. Aber wo? Das Unternehmen ist im Umbruch. Reorganisation folgt auf Reorganisation; in einer Firma, in der jedes Zahnrädchen ineinanderpassen muss, führt das schnell zu Überforderung. Hinzu kommt die Digitalisierung, die den Bahnbetrieb effizienter macht, gleich­zeitig aber auch eine häufige Ursache für ­Störungen ist.

Es stimmt, wir jammern auf hohem Niveau. Nur: Die Steuerzahler lassen sich die Bahn Milliarden kosten, und die Kunden zahlen immer höhere Billett- und Abotarife. Hohe Preise – hohe Erwartungen!