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HOMOSEXUALITÄT: Nächste Stufe im Adoptionsstreit

Volle Adoptionsrechte für Homosexuelle? Die Linken wollen dabei rasch vorwärtsmachen. Den Bürgerlichen geht das zu schnell. Sie wollen zuerst die Erfahrungen mit der Stiefkindadoption abwarten.
Tobias Bär
Was in der Schweiz diskutiert wird, ist in Amerika bereits Realität: das schwule Ehepaar Gregg Pitts (links) und Brooks Brunson mit Adoptivsohn Thomas.Bild: Jacqueline Martin/Keystone (Washington, 19. Mai 2016)

Was in der Schweiz diskutiert wird, ist in Amerika bereits Realität: das schwule Ehepaar Gregg Pitts (links) und Brooks Brunson mit Adoptivsohn Thomas.Bild: Jacqueline Martin/Keystone (Washington, 19. Mai 2016)

«Nun fühlen wir uns anerkannt.» So lautet die Reaktion des Dachverbandes Regenbogenfamilien auf die Neuerung, dass Schwule und Lesben in Zukunft das leibliche Kind ihres Partners adoptieren dürfen. Einem Komitee aus Vertretern von EDU, CVP und SVP war es innerhalb der Referendumsfrist nicht gelungen, die nötigen Unterschriften zu sammeln. Nun kann das neue Adoptionsrecht, dem das Parlament im Sommer zugestimmt hat, in Kraft treten. Die Stiefkindadoption wird damit für gleichgeschlechtliche Paare, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben, geöffnet.

Der Dachverband macht aber gleichzeitig deutlich, dass er weiteren Handlungsbedarf sieht (siehe Nachgefragt). Unter anderem sollen gleichgeschlechtliche Paare auch ein Kind adoptieren dürfen, das von keinem der Partner biologisch abstammt. Homo­sexuelle Paare sollen also wie in Spanien, Frankreich oder Belgien zur gemeinschaftlichen Adoption fremder Kinder zugelassen werden. Der Verband kann dabei insbesondere auf die Unterstützung der GLP zählen. Die Grünliberalen treten aufs Gaspedal und fordern das «volle Adoptionsrecht» für gleichgeschlechtliche Paare. In der Nationalratsdebatte zur Stiefkindadoption sprachen sich auch SP und Grüne für eine weitergehende Öffnung aus. «Die Ehe zwischen Mann und Frau kann nicht mehr zwingende Voraussetzung für eine Adoption sein», sagte die grüne Basler Nationalrätin Sibel Arslan.

Ohne Unterstützung von der Mitte und rechts sind diese Bestrebungen aber zum Scheitern verurteilt. Die Vorlage zur Stiefkindadoption hatte diese Unterstützung: FDP und BDP stimmten im Nationalrat geschlossen dafür, so auch zwei von drei CVP-Nationalräten – und auch in der SVP fanden sich Be­für­worter. Zum Ja-Lager gehörte CVP-Nationalrat Christian Lohr (Thurgau). Für die Öffnung der gemeinschaftlichen Adoption kann er sich allerdings nicht erwärmen: «Man sollte jetzt nicht gleich mit weiter gehenden For­de­rungen kommen.» Auch Lohrs Fraktionskollege Karl Vogler (CSP, Obwalden) plädiert für Zurückhaltung: «Wir sollten zunächst einmal erste Erfahrungen mit der Stiefkindadoption sammeln», sagt er.

Bald Thema in der Nationalratskommission

Dieselben Töne kommen von der BDP: «Die Öffnung der Stiefkindadoption war ein guter Schritt. Aber es wäre jetzt angezeigt, ein Jahr oder zwei zu warten», sagt Nationalrat Bernhard Guhl (Aargau). In den Äusserungen schwingt die Befürchtung mit, die konservativen Teile der Wählerschaft vor den Kopf zu stossen. «Die Frage der Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare wird gesellschaftlich nach wie vor stark diskutiert», sagt FDP-Parteipräsidentin Petra Gössi. «Die FDP plädiert dafür, die eben abgeschlossene Revision des Adoptionsrechts zuerst umzusetzen.» Dass die gemeinschaftliche Adoption früher oder später auf die Agenda kommt, dessen sind sich die bürgerlichen Politiker aber bewusst. «Das ist eine Frage der Zeit», sagt Karl Vogler.

«Bis hierher und keinen Schritt weiter»

Tatsächlich wird sich die Rechtskommission des Nationalrats bald mit der Frage auseinandersetzen. Wie die ständerätliche Schwesterkommission hat sie sich für die parlamentarische Ini­tiative «Ehe für alle» der Grünliberalen ausgesprochen. Homosexuelle Paare sollen also heiraten dürfen. Die GLP hält zwar fest, die Öffnung der Ehe führe nicht notwendigerweise zu einer weiteren Öffnung des Adoptionsrechts. Der Aargauer GLP-Nationalrat Beat Flach meint aber: «Wenn man die Ehe für alle diskriminierungsfrei umsetzen will, dann gehört das volle Adoptionsrecht automatisch dazu. Wer A sagt, muss auch B sagen.»

Flach glaubt, dass sich der Widerstand gegen die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe vor allem an der Adoption entzünden wird. «Die Öffnung der Ehe selber verursacht nur noch in sehr konservativen Kreisen Schmerzen.» Das Komitee, das mit dem Referendum gegen die Stiefkindadoption gescheitert ist, blickt bereits in die Zukunft und lässt verlauten: «Bis hierher und keinen Schritt weiter!»

Die Struktur des Komitees bleibt gemäss Co-Präsident Fritz Kohler (EDU) trotzdem besteh­en, um für ein allfälliges Referendum gegen das volle Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare gewappnet zu sein. «Beim Unterschriftensammeln haben wir oft gehört, man sei zwar für die Möglichkeit zur Stiefkind­adop­tion, die Adoption fremder Kinder gehe aber zu weit. Wir werden auf mehr Unterstützung zählen können.»

Der Bundesrat hielt in seiner Botschaft zur Stiefkindadoption fest, er erachte die vollständige Öffnung «zurzeit nicht für opportun». Dem Parlament stehe es frei, eine andere Meinung zu vertreten, sagte Simonetta Sommaruga im Juni im Nationalrat. Sie wies aber auf ein praktisches Problem hin: «Es gibt praktisch keine Staaten, die Kinder an gleichgeschlechtliche Paare zur Adoption freigeben.»

Tobias Bär

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