Emmen
Hotel nutzt Schlupfloch in Corona-Regeln und erntet Empörung – CEO: «Irgendwie muss ich die Löhne zahlen»

Im Hotel Ferus in Emmen kann man neu für 30 Franken ein Hotelzimmer buchen und dafür bis 23 Uhr essen. Das kommt nicht überall gut an.

Fabienne Mühlemann
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Das «Ferus» in Emmen.

Das «Ferus» in Emmen.

Pressedienst

Auf Twitter sorgt derzeit ein Newsletter von Sinnvoll Gastro Luzern für Aufsehen. «Buche hier dein Proforma-Zimmer für den aktuellen oder den Folge-Tag und geniesse dein Essen bis um 23 Uhr. Wir sorgen dafür, dass alles beim Alten bleibt», heisst es im Newsletter. Das Angebot bezieht sich auf das Hotel Ferus in Emmen, welches zum Gastrounternehmen gehört.

Während Restaurants in Hotels nur für Hotelgäste abends bis 23 Uhr geöffnet bleiben dürfen, müssen die anderen Restaurants um 19 Uhr schliessen. Das hat der Bundesrat am Freitag entschieden. Die Twitter-Community reagiert empört auf das vom «Ferus» genutzte Schlupfloch: «Das Restaurant bietet Fake-Reservierungen für Hotelzimmer an, um bis 23 Uhr essen zu können. Wir, die die Regeln einhalten, sind die Doofen», schreibt eine Userin dazu. Der Beitrag wurde mehrfach kommentiert und geteilt.

«Corona-Regeln jederzeit eingehalten»

Auf Anfrage unserer Zeitung nimmt Sinnvoll-Gastro-CEO Philippe Giesser Stellung. Er beschwichtigt: «Der Ausdruck Proforma ist schlecht gewählt. Natürlich ist schon gedacht, dass die Gäste im Hotel übernachten. Wir wollten nach der gestrigen Pressekonferenz des Bundesrats ein Angebot schaffen, sodass wir trotzdem noch offen bleiben können.» So könnten Gäste nun für den Preis von 30 Franken ein Hotelzimmer buchen und dafür bis 23 Uhr zu Abend essen – und dann dort übernachten. Im Normalfall wäre der Preis für die 20 Zimmer im Hotel Ferus rund drei bis fünf Mal höher.

Eine Lücke geschickt ausgenutzt oder unfair gegenüber den anderen Betrieben? «Schlussendlich muss ich schauen, dass ich irgendwie die Löhne zahlen kann. Und wir haben zu jeder Zeit die Corona-Regeln eingehalten. Der Preis von 30 Franken ist ein Selbstkostenpreis», sagt Giesser. «Unser Hotel steht leer. Die andere Variante wäre gewesen, den Betrieb einzustellen.»