Hundehalter sind nach der Abschaffung des Kurszwangs in der Pflicht

Seit 2017 sind Kurse für Hundehalter in der Schweiz nicht mehr obligatorisch. Das ist bedauernswert. Denn dabei würden Hundehalter auf das Verhalten ihres Hundes sensibilisiert.

Michel Burtscher
Drucken
Michel Burtscher

Michel Burtscher

Der Aufschrei war enorm, und der Tatendrang dementsprechend gross. Nach der tödlichen Bissattacke von drei Pitbulls auf einen Buben im Jahr 2005 handelte das Parlament schnell und führte ein nationales Hundekurs-Obligatorium ein, das 2008 in Kraft trat. Fast genauso schnell ging es, bis das Parlament auf seinen Entscheid zurückkam und den Kurszwang wieder abschaffte. Seit 2017 gibt es kein schweizweites Obligatorium mehr. Vielmehr können wieder die Kantone selber entscheiden, ob sie Hundehaltern Kurse vorschreiben wollen.

Die meisten tun das jedoch nicht. Die Thematik scheint wieder in den Hintergrund gerückt zu sein. Das ist bedauernswert, denn ein Kursobligatorium ist sinnvoll. Das gilt insbesondere für Personen, die zum ersten Mal einen Hund halten. Die Gegner eines Kurszwangs verweisen auf die Bisszahlen, die dadurch nicht zurückgegangen seien. Das stimmt. Doch das bedeutet nicht zwingend, dass die Ausbildung nichts nützt. Neue Hundehalter werden sensibilisiert für das Verhalten ihres Hundes und den Umgang mit ihm. Zudem fallen den Trainern dabei auch auffällige Hunde und unfähige Halter auf.

Bis auf weiteres sind hierzulande in den meisten Kantonen weiterhin die Hundehalter selbst in der Pflicht, die für sie angemessenen Kurse zu absolvieren. Ein nationales Hundegesetz, wie es Experten fordern, um ganz allgemein das föderalistische Wirrwarr an Hunderegeln zu beenden, ist im Moment und wohl auch in naher Zukunft kein Thema. Der gesetzgeberische Eifer nimmt wohl erst wieder zu, wenn das nächste Mal ein schlimmer Vorfall mit einem Hund passiert – sprich dann, wenn es zu spät ist.