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«Ich bin nicht stolz auf die Schweiz»: Linke hadern mit Helvetia

Sozialdemokraten diskutieren in einem Buch über linken Patriotismus. Alt Bundesrat Moritz Leuenberger sagte mit einer speziellen Begründung ab.
Pascal Ritter
Sozialdemokratin Anita Fetz warb 2001 im Nationalrat mit Schweizerkreuz für die Uno (KEYSTONE)

Sozialdemokratin Anita Fetz warb 2001 im Nationalrat mit Schweizerkreuz für die Uno (KEYSTONE)

Moritz Leuenberger sagte ab. Zum Buch seines Basler Parteikollegen wollte er kein Kapitel beisteuern. Nationalrat Beat Jans und seine Mitherausgeber gehen im Sammelband «Unsere Schweiz», der im Herbst bei Zytglogge erscheint, ein heikles Kapitel an. Es geht um linke Heimat.

Der Sammelband zum linken Patriotismus erscheint im Herbst im Zytgloggen-Verlag.

Der Sammelband zum linken Patriotismus erscheint im Herbst im Zytgloggen-Verlag.

Während Sozialdemokrat Jans sich letzten Sommer in dieser Zeitung noch «irgendwie» zum Patrioten erklärte, verzichtete der ehemalige Bundesrat Leuenberger mit aufschlussreichen Worten: «Falls Helvetia auch eine Muse ist statt nur eine Matrone mit Lanze und Wappenschild, hat sie mich, zumindest bis jetzt, noch nicht derart geküsst, dass ich zu einem Beitrag, wie du ihn gerne von mir hättest, in der Lage bin.»

Vom Rütli aus um die Welt

Lange war das Verhältnis zwischen Arbeiterfaust und Schweizerkreuz unverkrampft. Die Vorgängerin der Sozialdemokraten hiess mit Verweis auf die Patriotenwiese «Grütliverein», und die Gewerkschaften trugen am 1. Mai stolz die Schweizerfahne.

Vor dem Ersten Weltkrieg spaltete die Patriotismusfrage die Linken. Die Sozialdemokratischen Parteien in Europa bewilligten aus falscher Heimattreue die Kriegskredite, statt ihren Genossinnen und Genossen im Feindesland die Hand zu reichen. Die Kommunisten sagten sich darum los.

Mit Schweizerkreuz im Parlament

Der Nationalsozialismus sorgte schliesslich dafür, dass Patriotismus für einige Jahrzehnte vor allem in Deutschland für Linke zum Tabu wurde. Mit Auswirkungen für die Schweiz, wo es noch 2001 als Provokation gelesen wurde, als Anita Fetz am Rednerpult des Nationalrats den UNO-Beitritt in einem Schweizerkreuz-T-Shirt propagierte.

Später entdeckte die SP den Rütlischwur als Plakatsujet und das Matterhorn als Logo und waren nicht abgeneigt, als eine Allianz die Staatsgründung von 1848 als Feiertag propagierte. Doch immer wenn Linke sich Heimat oder Patriotismus wieder etwas näherten, erklangen auch warnende Stimmen. «Einen linken Patriotismus kann es nicht geben», schrieb die «Wochenzeitung» zuletzt, als sie von Jans Patriotismus-Buch-Projekt erfuhr und warnte: Die Rede von der Heimat spiegle «ein reaktionäres Bedürfnis wider: die Sehnsucht nach einer vergangenen Zeit, die es so nie gegeben hat.» Zudem sei Heimat ein zentrales Element der NS-Ideologie.

Ein Eiertanz zwischen zwei Buchdeckeln

Der Sammelband ist kein flammendes Plädoyer für linken Patriotismus. Die Beiträge sind eher nachdenklich. Auf 300 Seiten setzen die 50 Autoren ganze 284 Fragezeichen. Man könnte diese reflektiert und selbstkritisch nennen oder aber einen nicht enden wollenden Eiertanz, zwischen zwei Buchdeckeln.

Min Li Marti gesteht, dass sie Heidi-Kasettli liebte und und empfiehlt die rot-grünen Städte als Heimat. Rudolf Strahm sorgt sich um die Spaltung zwischen globaler und nationaler Identität. Und Rapper Knackeboul erklärt sich «definitiv» zum Schweizer, weil er versuche, den Wohlstand zu geniessen, obwohl er unbewusst wisse, dass er ihn nicht verdient habe.

Beat Jans, SP-BS, hadert mit dem Schweizerkreuz. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Beat Jans, SP-BS, hadert mit dem Schweizerkreuz. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Und Initiator Beat Jans klingt irgendwie nicht mehr so patriotisch. «Ich bin nicht stolz auf die Schweiz. Stolz kann nur sein, wer etwas selbst erschaffen hat», schreibt er im Vorwort.

Unsere Schweiz: Ein Heimatbuch für Weltoffene.
Beat Jans, Guy Krneta, Matthias Zehnder (Hg.), CHF: 32.00.

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