Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Ich hoffe, Sie waren zufrieden mit meiner Arbeit»

Bundesrätin Doris Leuthard blickt auf ihre Zeit im Bundesrat zurück. Dabei wird die 55-Jährige auch mehrmals emotional.
Michael Burtscher

Zu Beginn der Medienkonferenz sitzt da die Doris Leuthard, die man kennt. Die «Strahlefrau», aufgestellt, fröhlich, immer mit einem Lächeln im Gesicht. «Ich habe schon vor längerer Zeit entschieden, dass ich auf Ende Jahr zurücktrete», sagt sie. Als sie dann während über 30 Minuten ausführt, was sie zu diesem Schritt bewogen hat, und zurückblickt auf ihre Zeit im Bundesrat, wird die 55-Jährige mehrmals emotional. Sie hat Tränen in den Augen und ihre Stimme wird brüchig. Vor allem, wenn es nicht um die Politik geht, sondern ums Persönliche. Etwa als sie sagt, dass sie sich freue, in Zukunft mehr Zeit mit ihrem Mann und ihrer Familie verbringen zu können. Da stockt ihre Stimme kurz, der Moment geht Leuthard nahe. «Es ist ein Wechsel – und der ist immer auch mit Emotionen verbunden», sagt sie. «Ich habe diese Arbeit sehr gerne gemacht. Und ich hoffe, Sie waren zufrieden mit meiner Arbeit.» Ende 2006 wurde sie gewählt, zwölf Jahre sitzt die Verkehrsministerin nun schon im Bundesrat. Das ist eine lange Zeit. Und das sei lange genug, findet Leuthard. «Da spürt man auch eine gewisse Amtsmüdigkeit, weil die gleichen Themen immer wieder aufkommen.»

Leuthard ist die amtsälteste Bundesrätin, hat viele Abgänge und Neuzugänge im Gremium erlebt. Die Arbeit in der Landesregierung habe sich in diesen zwölf Jahren ziemlich verändert, erzählt die Aargauerin. «Wir haben heute viele Fragestellungen, die man nicht mehr aus einer rein schweizerischen Perspektive lösen kann.» Darum sei die Arbeit anspruchsvoller geworden, die Bundesräte müssten mehr reisen, so Leuthard. «Ohne diese internationale Vernetzung können wir die Interessen unseres Landes nicht genügend verteidigen», sagt sie. Sie selbst war erst am Mittwoch aus New York zurückgekommen, wo sie seit Montag am ersten Treffen des Panels zu Fragen digitaler Kooperation teilnahm.

Was bringt das Leben nach dem Bundesrat?

Sorgen macht Leuthard auch die Polarisierung in der Politik, die zugenommen habe. «Das ist nicht gut für das Land», sagt sie. Von den Parteien erwartet sie Konsens und Lösungsorientiertheit, nicht nur die Bewirtschaftung der eigenen Themen. «Es lohnt sich nicht, bei jedem Thema den Kampf zu lancieren und alle drei Monate ein Referendum bewältigen zu müssen.» Zugenommen hat aus ihrer Sicht auch, dass die Parteien versuchen, ihre Bundesräte direkt zu beeinflussen und Druck auf sie auszuüben. Leuthard warnt vor dieser Entwicklung. Der Austausch sei wichtig, entscheiden müssten die Mitglieder der Landesregierung jedoch mit einer gewissen Distanz zu ihren Parteien. «Im Bundesrat müssen unabhängige Personen sitzen, sonst könnten wir gar nicht regieren», sagt Leuthard.

Sie selbst habe versucht zu gestalten, nicht zu verwalten. In der Bevölkerung kam sie mit ihrem Stil an, sie war beliebt, hat die meisten Abstimmungen gewonnen. Nun bleiben der Verkehrsministerin noch rund drei Monate im Bundesrat. Es ist Zeit, die sie nutzen will. «Ich werde mich bis zum Schluss sicher nicht zurücklehnen», betont sie.

Was sie danach machen wird, kann oder will sie vor den Medien nicht sagen. «Ich lasse es auf mich zukommen, ich habe viele Interessen», so Leuthard. Etwas im gemeinnützigen Bereich könnte sie sich gut vorstellen. Nur eines ist ihr dabei wichtig: Die Agenda soll nicht mehr so voll sein wie in den letzten zwölf Jahren als Bundesrätin. Sie freue sich dar­auf, nicht mehr jede Woche zwei Mal den Koffer packen zu müssen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.