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Illegale Luxusschals sind in der Schweiz heiss begehrt – warum der Handel nicht abreisst

Die Schweiz ist ein Hotspot für illegale Luxusschals aus Shahtoosh. Auch der ägyptische Investor Nassef Sawiris wollte einen solchen Schal einst ins Land einführen. Der Bund bekämpft den Handel und veröffentlichte nun ein Informationsvideo.
Sven Altermatt
Dies Schals werden vor allem von Superreichen illegal ins Land eingeführt und dann beispielsweise in St. Moritz getragen. (Symbolbild: Giancarlo Cattaneo / Keystone, St. Moritz, 4. Februar 2018)

Dies Schals werden vor allem von Superreichen illegal ins Land eingeführt und dann beispielsweise in St. Moritz getragen. (Symbolbild: Giancarlo Cattaneo / Keystone, St. Moritz, 4. Februar 2018)

Schon Napoleons Ehefrau Joséphine schmückte sich mit dem feinen Tuch. Der Modemacher Valentino soll über 200 Exemplare besessen haben und heute geben Gutbetuchte schon mal drei Monatslöhne eines Normalsterblichen aus, um einen zu ergattern: einen Schal aus Shahtoosh-Wolle der Tibetantilope. Sie gilt als wärmste, weichste und feinste Wolle der Welt.

Um einen einzigen Schal herzustellen, müssen bis zu fünf Tiere sterben. Denn für Shahtoosh, was auf Persisch so viel wie «von der Natur für den König» heisst, werden ausschliesslich Fasern von Kinn und Bauch verwendet. Die Antilopen leben in den tibetischen Hochplateaus in Höhen von bis zu 5000 Metern, wo sie einem harschen Klima ausgesetzt sind, und haben darum ein extrem warmes Fell.

Die Tiere legen lange Wanderungen zurück und können für die Schur nicht domestiziert werden. Wilderer schlachten sie regelrecht ab. Ihre Population wird noch auf rund 100'000 Tiere geschätzt; sie wurde innerhalb eines Jahrhunderts um 90 Prozent dezimiert und erholt sich erst allmählich. Seit 1979 ist der Verkauf und Besitz von Shahtoosh gemäss dem Washingtoner Artenschutzabkommen weltweit streng verboten.

Die gefährdeten Antilopen leben in Tibet. (Bild: Keystone)

Die gefährdeten Antilopen leben in Tibet. (Bild: Keystone)

Doch das hält manche nicht davon ab, bis zu 20'000 Franken für ein Luxustuch hinzublättern und es sich stolz um den Hals zu binden. Für Shahtoosh-Schals hat sich ein Schwarzmarkt etabliert, heisst es beim Bundesamt für Lebensmittel und Veterinärwesen (BLV), das hierzulande für den Artenschutz zuständig ist. Die Schweiz ist ein beliebtes Einfuhrland.

Die Schals, die vornehmlich dort getragen werden, wo sich Superreiche im Schaulaufen üben – in St.Moritz oder Gstaad etwa, sind ein Statussymbol des internationalen Jetsets. Die mondänen Wintersportorte sind laut Eva van Beek vom BLV «beliebte Reiseziele und Zweitdomizile von reichen Gästen, die sich solche Schals leisten können und diese dann auch in die Schweiz mitbringen».

Illegaler Handel reisst nicht ab

Neue Zahlen zeigen: 41 Shahtoosh-Schals beschlagnahmte der Schweizer Zoll im vergangenen Jahr, wohl über 200 der seltenen Tiere mussten dafür sterben. «Der illegale Handel reisst nicht ab», stellt das BLV besorgt fest. Im Jahr 2017 wurden in der Schweiz noch 34 Schals beschlagnahmt, 2016 waren es sogar 61.

Grafik: BLV

Grafik: BLV

Für Fachleute sind die Schwankungen nicht aussergewöhnlich. Denn die Schals sind nur für geschulte Augen gut zu erkennen, deshalb sind gezielte Schwerpunktkontrollen notwendig. Solche führt das Bundesamt gemeinsam mit der Zollverwaltung und dem Grenzwachtkorps durch. Ohnehin sind die beschlagnahmten Schals den Behörden zufolge nur die viel zitierte Spitze des Eisbergs. Entsprechend hoch dürfte die Dunkelziffer sein, bestätigen Experten des WWF.

Das BLV will deshalb die Öffentlichkeit besser für das Problem sensibilisieren. Soeben hat die Behörde ein neues Informationsvideo zu Shahtoosh-Schals veröffentlicht. Darin werden Fakten präsentiert und Experten befragt. Es handle sich um einen «Schal der Schande», lautet die eindringliche Botschaft des Clips. In einer comicartigen Illustration ist eine Frau zu sehen, die fünf tote Antilopen um den Hals trägt. Die Aufmachung ist provokativ, sie erinnert an die Kampagnen von Tierschutzorganisationen wie Peta.

Prominente mit Schal erwischt

Erst unter dem Mikroskop können die Kontrolleure definitiv nachweisen, dass die Wolle von einer Tibetantilope stammt. Wer einen Shahtoosh-Schal verbotenerweise einführt, muss mit einer Busse von mehreren tausend Franken rechnen. Drakonischer sind die Strafen für den illegalen Handel.

Als wichtig erachtet das BLV auch die Aufklärungsarbeit bei den Trägern – sie sollen nie mehr einen verbotenen Schal kaufen. «Häufig geben sie an, nicht zu wissen, dass die Wolle ihres Schals von einer vom Aussterben bedrohten Tierart stammt», erklärt BLV-Sprecherin van Beek.

Unwissenheit oder Ignoranz? Dass ein Shahtoosh-Schal kaum irgendwo einfach über die Ladentheke zu kaufen ist, dürfte zumindest ein starkes Alarmzeichen sein. Gleichzeitig weist der Name Shahtoosh nicht unmittelbar auf den genauen Ursprung der Wolle hin. Der Zusammenhang mit Tibetantilopen werde damit verschleiert, schreibt die indische Soziologin Saloni Gupta in einer Studie zur Shahtoosh-Herstellung. Das komme den Händlern entgegen.

In den vergangenen Jahren erwischten Schweizer Zöllner mehrmals Prominente mit dem verbotenen Luxusgut. Die Aargauer Zeitung berichtete über zwei Fälle: 2016 wollte Nassef Sawiris, der reichste Mann Ägyptens, einen Shahtoosh-Schal ins Land einführen. Er ist der Bruder von Samih Sawiris, der in Andermatt Luxusresorts baute.

Im Folgejahr liess sich die britische Milliardärin Victoria Getty, Trägerin des Höflichkeitstitels einer Lady, mit dem Statussymbol erwischen. Die beiden Superreichen sorgten für Unverständnis, weil sie während der Ermittlungsverfahren nicht mehr für die Behörden erreichbar waren.

Jüngst wurde Kronprinz Pavlos von Griechenland von der Zollverwaltung mit 1800 Franken gebüsst, wie die «Sonntagszeitung» publik gemacht hat. Auch der Adelsspross reiste mit einem Shahtoosh-Schal in die Schweiz ein – er machte Ferien in St. Moritz.

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