Im Flachland wüteten örtlich Böen von über 100 Stundenkilometern

Turbulente Abend- und Nachtstunden: Nach einem warmen sonnigen Sonntag brachte das Sturmtief Fabienne in der Nacht auf Montag wie angekündigt im Flachland Windspitzen von bis 90 km/h. Örtlich gab es Böen von über 100 km/h. Im Vergleich mit Deutschland kam die Schweiz einigermassen glimpflich davon.

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Auf dem Pilatus wurden am Sonntagabend Windböen bis zu 112 km/h gemessen. (Archivbild)

Auf dem Pilatus wurden am Sonntagabend Windböen bis zu 112 km/h gemessen. (Archivbild)

Wie MeteoNews mitteilt, lag die Schweiz am Sonntag zunächst im Warmsektor von Sturmtief Fabienne. Der Tag war deshalb zeitweise sonnig. Am späteren Abend und in der ersten Nachthälfte lenkte Sturmtief Fabienne wie angekündigt eine markante Kaltfront zur Schweiz.

Die grössten Niederschlagsmengen gab es in der Zentral- und Ostschweiz, hier fielen 35 bis 45 Liter Regen pro Quadratmeter. Spitzenreiter ist Gersau mit 47 Litern. Bei Durchzug der Kaltfront produzierten die eingelagerten Gewitter auch 423 Blitze.

Unterführung in Dagmersellen überschwemmt

Während des Sturmes sind im Kanton Luzern 12 Meldungen eingegangen, wie die Polizei mitteilt. Verletzte gab es keine. In Sempach und Dagmersellen sei jeweils ein Baum umgefallen. Ebenfalls in Dagmersellen füllte der Regen eine Bahnunterführung. In Luzern musste ein Keller ausgepumpt werden. Die restlichen Meldungen betrafen Abschrankungen in Baustellen, die der Wind umgestossen hat, vermeldete die Luzerner Polizei.

Gesamtschweizerisch wurden Bäume ausgerissen und im Flugverkehr kam es zu Verspätungen. Abgesehen von umgestürzten Bäumen und einer laut Medienberichten losgerissenen Fensterputz-Gondel am Flughafen Zürich-Kloten ist über grössere Schäden bisher nichts bekannt. Anders als in Süddeutschland, wo es einen Toten und Verletzte gab.

Dabei gab es in der Schweiz nebst lokalen Gewittern und kräftigem Regen starken bis stürmischen Wind mit Böenspitzen von 70 bis 90 km/h im Flachland.

Sturmspitzen in Altdorf, Oberägeri und Giswil

Lokal wurden sogar mehr als 100 km/h registriert; in unserer Region war das laut der «Hitliste» von MeteoNews in Altdorf der Fall. In Oberägeri und in Schwyz wurden Winde von 84 km/h gemessen, in Luzern 73 km/h und in Giswil 72 km/h.

Am Jurasüdfuss sorgte der Joran für die höchsten Windgeschwindigkeiten, in den Alpentälern konnten beim Durchzug der Kaltfront wegen Kanalisierungseffekten ebenfalls örtlich über 100 km/h registriert werden. Auf den Bergen (Säntis und Chasseral) wurde mit bis zu 132 km/h Orkanböen erreicht; auf dem Pilatus wurden Böen von 112 km/h gemessen, auf dem Napf 101 km/h.

Jahrmarkt in Siebnen geräumt

In Siebnen SZ war der traditionelle Jahrmarkt am Sonntag vorsorglich bis am Montagmorgen unterbrochen worden. Sämtliche Stände und Chilbibahnen wurden geschlossen und der Markt geräumt, wie die Polizei mitteilte.

In der Stadt Zürich war am Abend ein Teil des Bahnhofquais vorsichtshalber für den Verkehr gesperrt. Gründe waren laut Polizei der Sturmwind und die einsturzgefährdete Brandruine in der Nähe des Hauptbahnhofs.

Flugzeuge mit grossen Verspätungen

Der Sturm brachte auch den Flugverkehr durcheinander. An den Flughäfen von Zürich, Basel und Genf kam es am Abend gemäss Fluginformationen bei praktisch allen Starts und Landungen zu grösseren Verspätungen von teils über einer Stunde. Einzelne Flüge etwa nach Österreich und Deutschland wurden gestrichen oder umgeleitet.

Am Flughafen Zürich waren vorübergehend keine Starts und Landungen erlaubt, wie aus Flugaufzeichnungen hervorging. Mehrere Flieger mussten durchstarten, andere Warteschlaufen drehen.

In der zweiten Nachthälfte flaute der Wind allmählich ab. Heute Montag zeigt sich der Himmel vor allem entlang der Voralpen und Alpen noch wolkenverhangen. Lokal sind noch letzte Schauer mit Schnee ab rund 1300-1700 Metern möglich. Im Flachland ist der Himmel bereits aufgelockert und es zeigt sich zeitweise die Sonne. Tagsüber wird es im Flachland sogar recht sonnig, und auch entlang der Berge lacht die Sonne wieder ab und zu vom Himmel. Mit einer mässigen, im Westen auch starken Bise ist es kühl, am Nachmittag werden maximal 12 bis 16 Grad erreicht.

In Süddeutschland Toter und elf Verletzte

Während das Wetter in der Schweiz bisher keine Todesopfer oder Verletzte forderte, war das in Baden-Württemberg und Bayern anders. Dort gab es gestern einen Toten und elf Verletzte. Bahnstrecken waren unterbrochen. In Basel strandeten viele Bahn-Passagiere. (pd/mbe/sda)