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IM FOKUS: Fehlt der Filz?

Dominik Buholzer, Leiter «zentralschweiz Am Sonntag»,
Dominik Buholzer (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))

Dominik Buholzer (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))

Ich war von der Schlussfolgerung meines Gegenübers erstaunt. «Weisst du, das Problem der Schweizer ist doch, dass der Filz fehlt», sagte mir ein Kadermitglied einer Schweizer Grossbank unlängst. Wir kennen uns seit längerer Zeit, hatten uns aber eine Zeit lang aus den Augen verloren, bis wir uns dann schliesslich wieder mal trafen. Wir kauten bei Salat und Fisch die aktuellen Themen durch und landeten also beim politischen Filz.

Ist es die Verflechtung der Eliten in Politik, Wirtschaft und Verwaltung, die der Schweiz fehlt? Mein Gegenüber schien meine Skepsis zu erahnen. Es würden sich heute kaum mehr Führungspersönlichkeiten in der Politik engagieren. Es verfolge nur noch jeder seine eigenen Interessen. Eine Lösung für die Schweiz zu erzielen, werde so zur Unmöglichkeit, legte mein Gesprächspartner nach.

Das Essen fand vor längerer Zeit statt. Als ich in diesen Tagen Berichte über das überraschend deutliche Nein zur Unternehmenssteuerreform III las, erinnerte ich mich an das Treffen mit dem Banker. Die Wirtschaft habe enorm an Vertrauen eingebüsst, lautet der Vorwurf. Vor allem aber auch: Die hiesigen Wirtschaftsführer würden sich viel zu wenig in der Gesellschaft engagieren, sie seien zudem zu wenig im Volk verankert. Die Kritik konzentriert sich zwar auf Heinz Karrer und Monika Rühl, den Präsidenten und die Direktorin des Wirtschaftsdachverbandes Economie­suisse. Aber auch die anderen nationalen Wirtschaftsgrössen können sich nicht aus der Verantwortung stehlen.

Nun ist dies kein neues Phänomen. Erste Risse im Gefüge zeigte der politische Filz bereits Ende der 1980er-Jahre. Mit Politik lassen sich heute kaum mehr Geschäfte machen. Die Musik spielt an den Aktienmärkten, die Banken verabschiedeten sich in den vergangenen zwanzig Jahren immer mehr von ihrer traditionellen Rolle als Kreditgeber der Industrie, und unzählige Manager in nationalen Unternehmen haben keinen Bezug mehr zur Schweiz, weil sie von anderswo stammen. Jeder schaut nur noch für sein eigenes Wohl.

Das kann man verteufeln. Man muss den Umstand aber auf jeden Fall zur ­Kenntnis nehmen. Damit will ich jetzt nicht wie mein damaliger Gesprächspartner zu einem Plädoyer für den politischen Filz ausholen. Wohin der Filz, gepaart mit einer falschen Hierarchie und ruinösen Fehlentscheiden, führen kann, mussten wir in der jüngsten Vergangenheit mehrmals erfahren: Der Untergang der Swissair oder das Debakel rund um den Reisekonzern Kuoni boten genügend Anschauungsunterricht.

Es braucht ganz sicherlich keinen neuen Filz mehr. Aber gegen eine Verzahnung von Wirtschaft und Politik ist per se nichts einzuwenden, wenn Transparenz geschaffen und die Gesetze eingehalten werden. Mehr Gemeinsinn und weniger Egoismus würden also der Sache sicherlich nicht schaden. Wer sich nur um sich selber kümmert, muss nicht erstaunt sein, wenn ihm immer weniger folgen.

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»,

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch

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