IM FOKUS: Kolumne: Innovative Schweizer

Dominik Buholzer, Leiter «zentralschweiz Am Sonntag»
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Dominik Buholzer (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))

Dominik Buholzer (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))

Die Frage ist berechtigt. Wann ist ein Start-up überhaupt noch ein Start-up, wollte Bundesrat Johann Schneider-Ammann am vergangenen Dienstag am Rande der Eröffnung des zweiten Google-Büros in Zürich von Eric Schmidt wissen. Eine wirklich befriedigende Antwort konnte ihm auch der Verwaltungsratspräsident der Muttergesellschaft des Suchmaschinendienstes nicht geben. Dies ist auch gar nicht möglich: Denn so klar sind die Grenzen nicht gezogen.

Dies ist auch nicht entscheidend. Letzten Endes ist die Frage von Bundesrat Johann Schneider-Ammann vielmehr Ausdruck davon, dass Start-ups zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden sind. Ein paar Zahlen, die dies unterstreichen: Im Jahr 2016 wurden in der Schweiz gut 41 000 neue Firmen gegründet. Das ist bei einem Arbeitsmarkt von 5 Millionen Arbeitnehmern eine beachtliche Zahl. Jungunternehmen generierten im Jahr 2015 Investitionen in der Höhe von 670 Millionen Franken. Im Vergleich zu den USA, wo 2015 total 59 Milliarden Dollar in Start-ups flossen, ist dies ein Klacks. Doch die Schweiz braucht sich nicht zu verstecken. Drei Beispiele:

Im Jahr 2010 lancierte Duathlon-Weltmeister Olivier Bernhard zusammen mit David Allemann und Caspar Coppetti die Laufschuhmarke On. Mit ihrem ultraleichten Schuh und dem neuartigen Dämpfungssystem begeistern sie Sportler auf der ganzen Welt. Das Trio hat es verstanden, mit ihrem Hochpreisprodukt geschickt eine Nische im hart umkämpften Sportartikelmarkt zu besetzen.

Crispr Therapeutics aus Basel zählt zu den Shootingstars im Medizinbereich. Mit ihrer neuartigen Methode zur Genmanipulation sorgt das Unternehmen weltweit für Aufsehen. Drei Jahre nach der Gründung strebt das Schweizer Start-up bereits den Börsengang in New York an. Ende 2016 nahmen die Schweizer Jungunternehmer diesbezüglich Kontakt mit der amerikanische Börsenaufsicht SEC auf.

Die Luzerner Firma Endoxon machte sich einen Namen damit, Karten aus Luftbildern zu digitalisieren und mit Zusatzinformationen zu versehen. Im Jahr 2006 wurde die Firma zu grossen Teilen von Google übernommen. Das US-Unternehmen verfügte zwar schon damals über seinen Kartendienst Google Maps. Aber erst durch die Übernahme von Endoxon startete das Projekt so richtig durch.

Die Schweiz darf also ruhig ein wenig stolz auf ihre Start-up-Szene sein. Gewiss: Zürich, Basel oder Luzern sind zwar nicht das Silicon Valley. Und noch längst sind die Rahmenbedingungen nicht in allen Bereichen optimal. Doch die Schweiz ist in Sachen Innovation weltweit mehr als nur Zaungast. Nur in einem Punkt müssen wir noch dazulernen. Nicht jedes Start-up wird zu einem Erfolg. Nur jedes zweite Jungunternehmen überlebt die ersten fünf Jahre. Und nachhaltigen Erfolg haben noch viel weniger: nur etwa jedes fünfte. Es gibt keine Erfolgsgarantie. Wer mit seiner Idee auf der Strecke bleibt, ist kein Versager. Und nicht zuletzt sollte sich auch die Politik an die Kraft der Start-ups erinnern. Spätestens dann, wenn wieder mal Wachstumspakete geschnürt werden.

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch