IMAGE: Positives Medienecho aus dem Ausland

Schweizer Volksabstimmungen stossen auf immer grösseres Interesse im Ausland. Daneben waren auch die Gotthard-Eröffnung sowie der Umgang der Schweiz mit Migranten und dem Islam wichtige Themen in der Berichterstattung über die Schweiz.

Roger Braun
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Roger Braun

Glaubt man Präsenz Schweiz, war 2016 ein gutes Jahr für das Ansehen der Schweiz im Ausland. Die Image-Organisation hat die Berichterstattung von rund hundert Zeitungen in 18 Ländern und zwei Regionen untersucht und kommt zu einem positiven Fazit. «In einem Jahr, das von tief greifenden Umwälzungen in der Welt geprägt war, war die wirtschaftliche und politische Stabilität der Schweiz ein echter Trumpf für unser Image im Ausland», sagt Nicolas Bideau, Chef von Präsenz Schweiz.

Im Jahr 2015 dominierten noch Korruptions- und Steueraffären rund um den Fussballweltverband Fifa sowie die Schweizer Finanzbranche. Dieses Jahr standen andere Themen im Zentrum des Interesses.

Halb Europa zu Gast in der Schweiz

Das alles überstrahlende Medienereignis war die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels am 1. Juni. Ausländische Medien berichteten ausführlich und positiv über die Vollendung des längsten Eisenbahntunnels der Welt. Europäische Spitzenpolitiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident François Hollande sowie der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi waren zur Eröffnung gekommen. Europäische Medien würdigten den Gotthard-Basistunnel denn auch als Beitrag an die gesamteuropäische Verkehrsinfrastruktur und lobten die Innovationskraft der Schweiz.

Auch setzte sich dieses Jahr der Trend fort, dass ausländische Medien zunehmend über Schweizer Volksabstimmungen berichten. Auf viel Interesse stiess insbesondere die Durchsetzungsinitiative für eine schärfere Ausschaffungspraxis. Da der Umgang mit kriminellen Ausländern auch in anderen Staaten ein breit diskutiertes Thema ist, griffen ausländische Medien das Thema dankbar auf. Dass sich die Schweizer Stimmbevölkerung schliesslich gegen noch strengere Ausschaffungsregeln aussprach, wurde vorwiegend positiv gewürdigt. Als bemerkenswert erachteten viele Medien neben dem Entscheid auch die Höhe der Stimmbeteiligung sowie das Engagement zivilgesellschaftlicher Akteure wie dem «Dringenden Aufruf» sowie der Operation Libero.

Grundeinkommen weckt Neugier

Die Abstimmung über das bedingungslose Grundeinkommen wiederum profitierte von der Exotik und der Ungewöhnlichkeit der Idee. Je nach Medium wurde die Initiative als utopisch oder zukunftsweisend bezeichnet. Während europäische und amerikanische Medien auf ähnliche Projekte in ihren Herkunftsländern verwiesen, stiess die Idee in asiatischen Medien auf wenig Verständnis.

Schliesslich interessierten sich die Medien auch für die Schweizer Ausländerpolitik. Als Einzelereignis ragt hier die «Handschlag»-Affäre von Therwil hervor, bei der zwei muslimische Schüler ihrer Lehrerin aus religiösen Gründen den Handschlag verweigerten. Dass die Baselbieter Behörden daraufhin die Einbürgerungsgesuche sistierten, stiess bei den arabischen Medien sowie den kommentierenden Lesern laut der Analyse von Präsenz Schweiz mehrheitlich auf Verständnis. Auch das Burkaverbot im Tessin sowie die parlamentarische Initiative auf Bundesebene bewegten die Medien. Weitere ausländerpolitische Themen waren die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative im Zusammenhang mit dem Brexit sowie die Flüchtlingssituation an der Schweizer Grenze zu Italien.

Die grossen Aufreger fehlten

Insgesamt berichteten die Medien nur etwa halb so viel über die Schweiz wie im Vorjahr. Die grossen Medienereignisse mit globaler Ausstrahlung fehlten, während im Vorjahr die Aufhebung des Euro-Mindestkurses der Nationalbank sowie die Verhaftungen am Fifa-Hauptsitz noch für grosses Aufsehen gesorgt hatten. Hinzu kam, dass es global sehr viele Medienereignisse gab, die in Konkurrenz zu den Ereignissen in der Schweiz standen: die Olympischen Spiele, die Fussball-Europameisterschaft, die US-Präsidentschaftswahlen, der Brexit oder der Krieg in Syrien.