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IMPORT: Privileg für Halal-Fleisch soll fallen

Halal-Fleisch profitiert heute von günstigen Import­bedingungen. Der Walliser CVP-Nationalrat Yannick Buttet will damit Schluss machen.
Roger Braun
In Frankreich ist das Angebot an Halal-Fleisch gross: im Bild Halal-Produkte in einer Metzgerei. (Bild: Getty)

In Frankreich ist das Angebot an Halal-Fleisch gross: im Bild Halal-Produkte in einer Metzgerei. (Bild: Getty)

roger braun

Wer preiswertes Rindfleisch sucht, sollte sich halal ernähren. Rund zehn Franken günstiger ist das Kilo Fleisch von Tieren, die nach moslemischem Gebrauch – also ohne Betäubung – geschlachtet werden. Der Grund dafür ist weniger die Art der Schlachtung, sondern die privilegierten Zollbestimmungen in der Schweiz. Das Einfuhrkontingent für ein Kilogramm Nierstück kostet heute rund 13 Franken. Für geschächtetes Rindfleisch beträgt der Preis lediglich 2.50 Franken.

Der Walliser Nationalrat und CVP-Vizepräsident Yannick Buttet hat dafür kein Verständnis. Er hat eine parlamentarische Initiative eingereicht, welche die Einfuhrkosten angleichen will. Eine erste Hürde hat der Vorstoss bereits genommen, wie die Westschweizer Zeitung «Le Temps» berichtet. Die zuständige Kommission im Nationalrat hat dem Anliegen Folge geleistet – mit 15 zu 4 Stimmen. Buttet beklagt eine Ungleichbehandlung. «Es ist nicht richtig, dass der Zoll geschächtete Rinder anders behandelt als konventionell geschlachtete.»

Bund steht hinter Regelung

Der Bund ist da anderer Meinung. «Halal-Fleisch und konventionelles Fleisch sind sehr wohl unterschiedlich», sagt der Kommunikationschef des Bundesamts für Landwirtschaft Jürg Jordi. Die Tötungsart sei verschieden, deshalb müsse es auch anders behandelt werden. Auf die Frage, wieso Halal-Fleisch so viel günstiger zu importieren sei, sagt Jordi: «Beim eingeführten Halal-Fleisch handelt es sich nicht nur um Nierstücke, sondern vielfach handelt es sich auch um minderwertigere Fleischpartien.» Es sei deshalb nicht statthaft, den Preis des Halal-Fleisches unbesehen mit demjenigen eines Nierstücks zu vergleichen. Für weniger attraktive Partien des konventionell geschlachteten Rinds liege der Einfuhrpreis ebenfalls tiefer.

Jordi sieht deshalb überhaupt kein Problem. «Wenn Halal-Fleisch wirklich so attraktiv wäre, würden die Leute bei den türkischen Verkaufsständen ja Schlange stehen.» Dass dies nicht der Fall ist, unterstreicht für Jordi, dass die Preise für verschiedene Arten von Fleisch gerechtfertigt sind.

Ruedi Hadorn ist Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbands. Er geht aufgrund von Rückmeldungen aus der Branche davon aus, dass beträchtliche Teile des importierten Halal-Fleisches hochwertiger Natur sind, zum Beispiel Nier­stücke. Dies mache für die Importeure auch Sinn, weil so der Preisvorteil am höchsten sei. Hadorn steht hinter dem Vorstoss von Buttet, denn die Ungleichbehandlung sei ein Problem für die Branche. «Es ist wichtig, dass die preislichen Fehlanreize zu Lasten der grossen Mehrheit eliminiert werden», sagt er.

Wird der Konsument getäuscht?

Buttet möchte mit seinem Vorstoss auch verhindern, dass der Konsument geschächtetes Fleisch isst, ohne dass er davon etwas merkt. «Weil Halal-Fleisch so günstig ist, ist die Versuchung gross, es auch als gewöhnliches Rindfleisch zu verkaufen», sagt Buttet. Damit werde der Konsument getäuscht – und die einheimischen Metzgereien benachteiligt.

Jürg Jordi vom Bundesamt für Landwirtschaft beschwichtigt auch in diesem Punkt. «Der Gebrauch des eingeführten Halal-Fleischs wird streng kontrolliert», sagt er. Die Importeure müssen sich gemäss Verordnung verpflichten, lediglich an anerkannte Verkaufsstellen zu liefern. Diese werden vom Bund überprüft und dürfen ausschliesslich geschächtetes Fleisch anbieten. Im Laden selbst muss «in leicht lesbarer und unverwischbarer Schrift» deklariert werden, dass es sich um Halal-Fleisch handelt. Die Läden müssen zudem belegen, dass sie das privilegierte importierte Fleisch auch tatsächlich als Halal-Fleisch verkauft haben. Jordi sagt auch, dass es sich mit 525 Tonnen Fleisch um eine relativ geringe Menge handle, die angesichts des gesamten Fleischkonsums von rund 400 000 Tonnen verblasse.

Deklarationspflicht gefordert

Für Buttet reichen diese Sicherungsmechanismen nicht. «Aus der Branche höre ich seit Jahren, dass es Verstösse gegen die Verkaufsvorschriften gibt», sagt er. Er fordert deshalb eine Deklarationspflicht von Halal-Fleisch. Die heutige Vorschrift reiche nicht, weil sie nur die erste Verkaufsstelle behandle. «Danach kann das günstig importierte Fleisch in alle möglichen Kanäle kommen, ohne dass das Gesetz verletzt wird.»

Ruedi Hadorn vom Schweizer Fleisch-Fachverband pflichtet Buttet bei. «Es gibt Rückmeldungen, dass Fleisch von geschächteten Tieren in die normalen Verkaufskanäle von Restaurants oder kleineren Detailhändlern gelangt.» Gerade in Genf, wo viel Fleisch halal gegessen werde, bestehe dieses Problem besonders. Buttet ist sich bewusst, dass der Vorstoss in der gegenwärtigen Islam-Debatte ein heikler ist. Vorsorglich sagt er denn auch: «Es geht hier nicht um eine Frage der Religion, sondern einzig darum, dass die Mehrheit der Fleischimporteure nicht benachteiligt und der Konsument nicht getäuscht wird.»

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