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INITIATIVE: Krankenkasse soll Sport belohnen

Ein Fitnessabo oder neue Laufschuhe, bezahlt von der Allgemeinheit: Dies fordert die Fitnessbranche mit einer Volksinitiative. Der Widerstand ist programmiert.
Kari Kälin
Die Krankenkassen sollen Sportliche belohnen. Im Bild: Eine Gruppe Parlamentarier und Bundesangestellte laufen am Parlamentarierlauf am 18. Juni 2015. (Bild: KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Die Krankenkassen sollen Sportliche belohnen. Im Bild: Eine Gruppe Parlamentarier und Bundesangestellte laufen am Parlamentarierlauf am 18. Juni 2015. (Bild: KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Kari Kälin

Der Startschuss ist erfolgt. Im «Bundesblatt» ist heute der Text zur Volksinitiative «Ja zur Bewegungsmedizin» erschienen. Ab Januar will der Schweizerische Fitness- und Gesundheitscenter-Verband (SFGV) mit der Unterschriftensammlung beginnen. Bereits 150 Fitness-Unternehmen haben zugesichert, sich daran zu beteiligen.

Bewegung anstatt Tabletten, lautet das Credo des SFGV. Er ist überzeugt: Mit diesem Rezept werden langfristig die Ausgaben im Gesundheitswesen eingedämmt. Konkret soll die obligatorische Grundversicherung Fitnessabos berappen, damit weniger Schweizer an Übergewicht und Folgekrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck leiden. Auch Krankheiten, die durch körperliche Inaktivität verursacht werden, etwa Rückenschmerzen oder Depressionen, sagt der SFGV den Kampf an. Lukas Zahner, Professor am Departement für Sport, Gesundheit und Bewegung an der Universität Basel, unterstützt die Initianten mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und sagt: «Man betreibt in der Schweiz immer noch zu viel Reparaturmedizin, anstatt in die Prävention zu investieren.»

Nur Geld für «anerkannte Fitness»

Als der SFGV im vergangenen März in Luzern erstmals seine Pläne den Medien vorstellte, schlug er vor, dass nur jene Personen profitieren sollen, die ein zertifiziertes Fitnessprogramm absolvieren und testen lassen, ob sich ihr Gesundheitszustand dadurch tatsächlich verbessert. Unterdessen hat der SFGV den Kreis der potenziellen Nutzniesser – und damit Initiativunterstützer – ausgeweitet. Auch wer sich in Eigenregie bewegt, zum Beispiel regelmässig läuft, soll profitieren. «Wir wollen Argumente wie ‹wer bezahlt dann meine Joggingschuhe› entkräften», sagt SFGV-Geschäftsleiter Roland Steiner. Um eine Entschädigung durch die Krankenkasse zu erhalten, müssten die Freizeitsportler jedoch einen anerkannten Test absolvieren, der Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit misst.

Insgesamt hat der SFGV drei Anspruchgruppen definiert:

  • 1.Menschen, die sich heute kaum bewegen, aber freiwillig mehr tun möchten, soll die Krankenkasse während zweier Jahresämtliche Kosten für ein Präventionsprogramm, faktisch ein Fitnessabo, entgelten. Im Visier sind hier vor allem übergewichtige und bewegungsarme Personen.
  • 2. Menschen, die sich bereits heute in einem Fitnesscenter oder etwa mit Pilates in Schwung halten, soll die Krankenkasse pro Jahr 80 Prozent der Kosten übernehmen.
  • 3. Menschen, die sich ohne fremde Anleitung bewegen, zum Beispiel Joggen, Velofahren, Schwimmen oder Langlaufen, sollen 80 Prozent ihrer Ausgaben rückerstattet erhalten.

Den Initianten schwebt für alle Kategorien ein Obergrenze von 1000 Franken vor. Wer sich also zum Beispiel eine Langlaufausrüstung für diesen Betrag leistet, erhielte von der Krankenkasse 800 Franken zurückerstattet.

Subventionen für Fitnessbranche?

Bei Santésuisse, dem Dachverband der Krankenkassen, kommt die Initiative der Fitnessbranche schlecht an. Es sei sehr gut, wenn die Menschen Sport treiben würden. «Aber die obligatorische Grundversicherung ist nicht dazu da, um die Fitnessbranche zu subventionieren», sagt Santésuisse-Sprecher Chris­tophe Kaempf. In Sachen Bewegung setzt er auf die Eigenverantwortung der Bürger. Kaempf glaubt auch nicht, dass die Initiative des Fitnessverbandes eine kostendämpfende Wirkung entfaltet. Im Gegenteil: «Wenn auch noch Joggingschuhe, Velos oder andere Sportartikel von der Allgemeinheit mitfinanziert werden, droht vielmehr eine Prämienerhöhung.» SFGV-Präsident Claude Ammann geht davon aus, dass eine Annahme der Initiative jährlich rund 700 Millionen Franken Kosten in der obligatorischen Grundversicherung verursachen würden. Er ist aber überzeugt, dass sich diese Investition lohnt. Ammann erwartet wegen des Präventionseffekts langfristig tiefere Gesundheitskosten. Er verweist auf aktuelle Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit. Demnach belaufen sich die direkten (zum Beispiel medizinische Behandlungen) und indirekten Kosten (zum Beispiel Arbeitsausfälle) für Übergewicht und Fettleibigkeit auf jährlich 8 Milliarden Franken. Hinzu kommen Kosten von 2,5 Milliarden Franken für «körperliche Inaktivität», also Bewegungsmangel, der etwa zu Depressionen führen kann. Ein taugliches Gegenmittel gegen diese Zivilisationskrankheiten erblickt er in der SFGV-Initiative.

(Fast) keine Politiker an Bord

Im Initiativkomitee machen keine Politiker mit. Man wolle die Pläne zunächst einmal mit Einbindung von national bekannten Parlamentariern vorantreiben, sagt SFGV-Geschäftsleiter Roland Steiner. Ganz auf Politikersupport haben die Initianten indes nicht verzichtet. Der Schwyzer SVP-Nationalrat Pirmin Schwander, selber ehemaliger Leichtathlet, hat den SFGV beraten, etwa beim Verfassen des Initiativtextes.

Pirmin Schwander begrüsst die Stossrichtung der Initiative. «Wenn ein Sportprogramm die Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit (WZW) erfüllt, sehe ich nicht ein, weshalb dies die Grundversicherung nicht übernehmen sollte», sagt er. Schliesslich würden die Krankenkassen auch Medikamente berappen, die erst noch Nebenwirkungen hätten.

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