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INITIATIVE: Lohnverzicht gegen Papi-Urlaub

Travail Suisse will frischgebackenen Vätern für vier Wochen freigeben. Um das zu finanzieren, ist der Gewerkschaftsdachverband bereit, anderswo zu verzichten.
Dominik Weingartner
Gewerkschaften und linke Parteien wollen schon länger, dass junge Väter mehr Zeit für ihren neugeborenen Nachwuchs erhalten. (Bild: Getty/Andersen Ross)

Gewerkschaften und linke Parteien wollen schon länger, dass junge Väter mehr Zeit für ihren neugeborenen Nachwuchs erhalten. (Bild: Getty/Andersen Ross)

Dominik Weingartner

Gross war die Enttäuschung im Mitte-links-Lager über das Nein des Nationalrats zum zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub am Mittwoch. Der Gewerkschaftsdachverband Travail Suisse nimmt jetzt einen neuen Anlauf. Mit einer Volksinitiative will er vier Wochen Vaterschaftsurlaub gesetzlich verankern. Gestern Abend haben die Delegierten beschlossen, die Initiative zu lancieren.

Ende Mai wird das Initiativkomitee vorgestellt. «Dieses soll möglichst breit abgestützt sein», sagt Travail-Suisse-Präsident Adrian Wüthrich. Welche Organisationen im Komitee vertreten sein werden, will er noch nicht verraten.

400 Millionen Franken

Finanziert werden soll der Vaterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung (EO) – genauso wie es die gescheiterte parlamentarische Initiative des Bündner Nationalrats Martin Candinas (CVP) vorsah. Adrian Wüthrich schätzt die Kosten für vier Wochen Vaterschaftsurlaub auf jährlich rund 400 Millionen Franken – doppelt so viel wie bei Candinas Vorschlag. «Das ist eine kleine Investition, wenn man bedenkt, dass der Vaterschaftsurlaub für viele Familien einen konkreten Nutzen bringen würde», sagt Wüthrich. Der Betrag entspreche etwa 0,1 Lohnprozent. «Bei den nächsten Lohnverhandlungen werden wir deutlich mehr als 0,1 Prozent Erhöhung fordern.» Und dennoch ist Travail Suisse laut Wüthrich auch zu einem Kompromiss bereit: «Man könnte mit uns darüber verhandeln, auf die 0,1 Prozent Lohnerhöhung zu verzichten, wenn man dafür im Gegenzug den Vaterschaftsurlaub finanzieren könnte», sagt er.

Einer, der schon länger für einen Vaterschaftsurlaub kämpft, ist der Aargauer SP-Nationalrat Cédric Wermuth. Der 30-Jährige ist vor einem Jahr zum ersten Mal Vater einer Tochter geworden. Er ist überzeugt, dass die Initiative von Travail Suisse an der Urne eine Chance hätte: «Die Bevölkerung hat das Parlament in dieser Frage längst überholt.» Es gebe immer mehr junge Väter, die bewusst und aktiv am Familienleben teilnehmen wollten. «Es geht aber auch um Gleichstellungspolitik», so Wermuth. Denn: Durch den Mutterschaftsurlaub sei es oft automatisch so, dass der Vater nach der Geburt eines Kindes derjenige sei, der zuerst wieder arbeiten gehe.

«Bei den Bauern geht es ja»

Wermuth glaubt, dass die Finanzierung über die EO grundsätzlich machbar sei. Doch es gebe auch Alterna­tiven: «Möglich wäre ebenso eine Mischrechnung, zum Beispiel aus Gewinnsteuern und EO. Schliesslich profitieren am Schluss auch die Arbeitgeber.» Zudem seien 400 Millionen Franken angesichts des Bundesbudgets von rund 65 Milliarden Franken keine übermässige Belastung. «Bei den Bauern geht es ja, wie sich diese Woche gezeigt hat», so Wermuth. Er spielt damit auf einen Entscheid des Nationalrats an, der am Mittwoch beschlossen hat, dass Bauern auf Gewinne durch Landverkäufe keine Bundessteuern mehr bezahlen müssen – was zu Mindereinnahmen von rund 400 Millionen Franken führen dürfte.

Die SP hat an ihrer Delegiertenversammlung vor zwei Wochen in La-Chaux-de-Fonds bereits beschlossen, eine potenzielle Travail-Suisse-Initiative zu unterstützen. Obwohl die Partei eigentlich weiter gehen möchte und eine flexible Elternzeit fordert. Dabei orientiere man sich an den skandinavischen Ländern, die deutlich ausgebautere Modelle kennen, so Wermuth. Doch: «Es wäre sinnlos, parallel eine eigene Initiative zu lancieren. Das würde die Kräfte unnötig spalten.»

Keine Konkurrenz

Die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen (EKF) hat unlängst 24 Wochen Elternurlaub gefordert (Ausgabe vom 22. April). Offiziell hat die Kommission laut ihrer Präsidentin, der Luzerner alt Regierungsrätin Yvonne Schärli (SP), noch keine Position zur Initiative von Travail Suisse bezogen. «Wir müssen das zuerst noch diskutieren», sagt Schärli. Aber sie geht davon aus, dass die Mehrheit der Kommission dem Anliegen positiv gegenüberstehe. Schärli sieht in der Initiative denn auch keine Konkurrenz zur Forderung der Kommission: «Der Elternurlaub schliesst an den Vaterschaftsurlaub an», sagt sie.

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