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INTEGRATION: «Es wurde zu wenig hingeschaut»

Die Theateraufführung türkischer Kinder in der Ostschweiz hat eine Propagandakontroverse ausgelöst. Politologe Nenad Stojanovic unterstreicht den Wert der Kurse in Heimatlicher Sprache und Kultur, fordert aber Anpassungen.
Dominic Wirth
Nenad Stojanovic, Politologe mit bosnischen Wurzeln. Bild: KEY (Bild: KEY)

Nenad Stojanovic, Politologe mit bosnischen Wurzeln. Bild: KEY (Bild: KEY)

Herr Stojanovic, ein Theaterstück türkischer Schüler wirft hohe Wellen im Land. Was sagt die Aufregung über das Migrationsland Schweiz aus?

Persönlich habe ich keinerlei Verständnis für Kriegsspiele. Völlig unabhängig von dem, was in Uttwil aufgeführt wurde, denn das kann ich nicht beurteilen, weil ich den genauen Inhalt des Stücks nicht kenne: Man wird immer Gruppierungen und Kommentatoren finden, die möchten, dass Migranten sich in der Schweiz assimilieren. Es ist aber völlig illusorisch, dass die vom einen Tag auf den anderen ihre persönliche Geschichte vergessen, das kann ich auch aus eigener Erfahrung sagen. Und da ist noch ein zweiter Punkt …

Nämlich?

Es ist für eine liberale Demokratie fragwürdig, eine solche Assimilation zu erwarten. Das ist auch der Grund, weshalb es die Kurse in Heimatlicher Sprache und Kultur (HSK) gibt, über die jetzt so gestritten wird. Man hat gesagt: Immigration bedeutet Reichtum, und diesen Reichtum sollte man nicht verstecken, sondern pflegen. Davon profitieren nicht nur die betroffenen Personen, sondern die ganze Gesellschaft. Dazu kommt das pädagogische Element.

Das Konzept der HSK-Kurse als Integrationshilfe funktioniert in Ihren Augen also grundsätzlich?

Ja, das ist eine gute Sache, sowohl für die Schweiz als auch für die betroffenen Kinder. Es ist in den meisten Fällen ein Vorurteil, wenn man glaubt, dass die Kinder keine richtigen Schweizer werden können, sich aus der Gesellschaft absondern, wenn sie sich mit der Geschichte ihres Herkunftslandes befassen.

Vielerorts ist man der Meinung, dass die HSK-Stunden schärfer kontrolliert werden müssen. Wie sehen Sie das?

Ich bin auch dieser Meinung. Es ist mein Eindruck, dass hier bisher in den Kantonen zu wenig genau hingeschaut wurde. Man muss schauen, dass etwa die Personen, die diesen Unterricht erteilen, auch tatsächlich den Anforderungen entsprechen. Ich finde sogar, dass die Kantone sich überlegen sollten, ob sie entsprechende Unterrichtsstunden für grössere Sprachgemeinschaften nicht selbst anbieten wollen. Dann liesse sich auch die Qualität der Lehrer besser überprüfen.

Laut den Veranstaltern ist das Stück nicht Erdogan-Propaganda, sondern Tradition. Zeigt der Fall auch, dass Geschichte in jedem Land anders reflektiert wird?

Der Umgang mit Geschichte ist grundsätzlich eine umstrittene Sache. Klar ist aber auch: Es gibt Grenzen, zum Beispiel, wenn ein Genozid geleugnet oder die Rassismusstrafnorm verletzt wird.

Dominic Wirth

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